
Gründer und Inhaber der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting in Düsseldorf DW-TV: Gerd Kerkhoff ist bei uns von der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting. Herr Kerkhoff, wie können denn Maschinenbauer, wie wir es gerade gesehen haben, ganz konkret Geld sparen mit Ihren Maßnahmen? Gerd Kerkhoff: 'Ganz konkret' ist natürlich immer davon abhängig, welche Produkte er selber als Maschinenbauer produziert. Wir haben ja ganz unterschiedliche Maschinenbauer im Markt. Grundsätzlich gilt, dass er für alle Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die er einkauft, die er für seinen Produktionsprozess benötigt, zu hinterfragen hat, ob der Lieferant, den er zur Zeit hat, der Leistungsfähigste ist. Wenn er das so beurteilt, dann auch mit dem Lieferanten zu sprechen. Wir formulieren das häufig so: Welchen Beitrag kann auch der Lieferant an der Stelle zu der Krise leisten? Denn wir haben gehört, er kann seine Produkte nur noch verkaufen, wenn er im Preiswettbewerb gewinnt. DW-TV: Können das denn die Einkäufer nicht selber, funktioniert das nicht? Gerd Kerkhoff: Einkäufer können das sehr wohl auch. Die Frage ist natürlich, dass durch die Historie und durch die langjährige Zusammenarbeit ein gewisser Glaube entstanden ist. Man nennt es auch negativ formuliert: Betriebsblindheit. Und da müssen manchmal doch vielleicht Externe mit drüber schauen, inwieweit Alternativen bestehen. DW-TV: Geht das denn nicht mehr ohne Unternehmensberatung? Gerd Kerkhoff: Es gibt bestimmte wirtschaftliche Zyklen, in denen Unternehmensberater gefragt sind. Eine Expertise von außen ist in einer Zeit gefragt, wo auf die Kosten geschaut wird, sind vielleicht die Spezialisten gefragt, die Kosten fokussieren. In einer Zeit, die Expansion heißt, die die Strategien nach vorne entwickeln. Aber ich glaube, dass diese Expertenmeinung in Krisenzeiten sehr hilfreich sein kann. DW-TV: Sie treten dann auch an die Lieferanten heran? Muss man dann nicht sagen, da leidet die Qualität, wenn man zuviel Sparsinn einsetzt? Gerd Kerkhoff: Wir treten an die Lieferanten heran, aber in Gemeinsamkeit mit dem Einkauf und natürlich auch in Abstimmung mit der Produktion und der Qualitätssicherung, denn sonst ist es keine Beschaffungsoptimierung, wenn man den qualitativen Verlust in Kauf nehmen würde, um einen günstigeren Preis zu erhalten. DW-TV: Das heißt, Sie verhandeln dann mit den Lieferanten, also mit den Lieferanten, die zum Teil da sind? Gerd Kerkhoff: Wir verhandeln sehr wohl mit Alternativlieferanten, mit globalen Lieferanten, die wir weltweit auftun als auch mit den Bestandslieferanten, um dann wirklich den besten Marktpreis zu eruieren und dem Unternehmen anzubieten. DW-TV: Muss man dafür mittlerweile ins Ausland gehen? Gerd Kerkhoff: Mittlerweile muss man dazu auch teilweise ins Ausland gehen, weil dort Lohnkostenvorteile entstanden sind. Da gibt es natürlich heute nicht mehr den Aspekt der Sozialromantik: Das dürfen wir nicht tun. Sondern es geht um das Überleben eines Unternehmens, um den "Fight of the Fittest", wie wir momentan formulieren, und da sind alle Lieferanten ins Kalkül zu ziehen. DW-TV: Vielen Dank, Herr Kerkhoff ! (Interview: Anja Heyde)
