
Er ist verantwortlich für den Bereich Marketing und Anzeigen beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger. DW-TV: Holger Busch ist bei mir. Er gehört - wie wir Journalisten - zu den Kreativen. Er ist nämlich vom Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger. Im ersten Beitrag haben wir das Beispiel gesehen, die Balletttänzerin. 6000€ Brutto sind für den Job wahrlich nicht viel. Es gibt keinen großen Verband, es gibt keine Lobby, was haben wir hier, ein "modernes Prekariat"? Holger Busch: Also, ich glaube, dass ein großer Verband der Kreativwirtschaft hier wenig Abhilfe schaffen wird. Wir sehen in der Kreativwirtschaft einen relativ hohen Teil Selbstständiger. Davon profitiert die Branche aber. Es ist für die Betroffenen natürlich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch ein Problem. Ich glaube, dass hier die einzelnen Branchenverbände, sei es aus der Musikwirtschaft oder aus der Architektur, aus dem Pressewesen oder dem Rundfunk, aufgefordert sind, soziale Sicherungsmechanismen zu finden, die hier eine ausreichende wirtschaftliche Absicherung gewährleisten. DW-TV: Aber trotz dieser wirtschaftlichen schwierigen Zeiten hat die gesamte Branche 132 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet. Das ist nicht wenig. Woher kommt das? Ist das wirklich ein solcher Wachstumsmarkt? Holger Busch: Es ist ein Wachstumsmarkt. Wenn wir uns die Entwicklung der letzten Jahre anschauen kontinuierlich gestiegene Umsätze über 130 Mrd. Euro damit liegen wir zwischen Automobilwirtschaft und der chemischen Industrie. Es gibt ungefähr 1 Million Arbeitsplätze, die durch die Kreativindustrie geschaffen werden – in den unterschiedlichsten Bereichen. Ich glaube, dass der Bereich der Kreativwirtschaft auch in Zukunft weiter zunehmen wird. Nicht nur als Bereicherung für das kulturellen Leben sondern eben gerade auch als wirtschaftlicher Faktor für Beschäftigung, Umsatz und letztendlich auch für Wohlstand in diesem Land. DW-TV: Und in Sachen Zeitungen, lesen Sie denn noch jeden Morgen die frisch gedruckte Zeitung? Holger Busch: Unbedingt! Ohne geht es nicht! Ich glaube, kein anders Medium bringt es so komfortabel in 20 Minuten auf den Punkt wie die morgendliche Tageszeitung. DW-TV: Gut, die junge Generation, die macht das umgekehrt, die geht ins Internet. Das haben natürlich auch die Werbenden erkannt, die suchen sich dann ihre Plätze im Internet. Die Zeitschriften haben im vergangenen Jahr bei den Werbeeinnahmen ein Minus von 7 Prozent zu verzeichnen, die Zeitungen 4 Prozent. Nur im Onlinebereich, da ist ein Plus zu verzeichnen von immerhin 9 Prozent. Hätten die Zeitungen, die Zeitschriften das nicht erkennen müssen, diese Entwicklung hin zum Internet? Holger Busch: Ich glaube, die Zeitschriften- und Zeitungsverleger haben diese Entwicklung erkannt. Sie haben sehr frühzeitig auf das Internet gesetzt und zahlreiche renommierte, hochfrequentierte Websites mit Qualitätsinhalte ins Internet gestellt. Das Problem ist, dass sich diese Websites über Werbung allein nicht hinreichend refinanzieren, jedenfalls die wenigsten. DW-TV: Weil sie umsonst sind, weil das Angebot kostenlos ist. Was macht man dann? Also Geld verlangen in Zukunft? Kartellabsprachen? Holger Busch: Ich glaube, dass wird schwierig sein. Weil nur die wenigsten redaktionellen Websites so exklusive redaktionelle Angebote haben, dass man dafür auch wirklich Geld verlangen kann. Ich glaube, man muss den bisherigen Weg der Onlinewerbung weiter voranschreiten. Man muss über neue Wege im Bereich der Mobilkommunikation nachdenken und über neue digitale Ausgabegeräte, Lesegeräte: wie Kindl, wie das E-Book mit dem man zukünftig digital Tageszeitungen und Zeitschriften eben auch nutzen kann. Hier lassen sich dann auch Vertriebserlöse wieder realisieren. DW-TV: Gut, da haben wir zum einen das Problem der Urheberrechte. Also, wer schützt diese Inhalte und das zweite ist, wann wird das kommen? Bis dahin sind vielleicht alle Verlage Pleite? Holger Busch: Na, das glaub ich nicht. Also, so schwierig ist die Situation für die Verlage denn auch nicht. Denn nach wie vor werden ja Zeitschriften und Zeitungen gelesen und gekauft. Und gerade diese Vertriebserlöse machen vor allem Zeitschriften nach wie vor auch unabhängig vom Werbemarkt. DW-TV: Vielen Dank Holger Busch vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger. (Interview: Anja Heyde)
