
Sie werden von Städten und Kommunen hofiert, denn sie schaffen Arbeitsplätze oder bringen Geld ins Land – ausländische Investoren. Dass ein internationales Arbeitsklima und der Kontakt zu fremden Kulturen eher Vor- als Nachteile mit sich bringt, hat sich herumgesprochen. Wir haben in Dresden ein deutsch- indisches Gemeinschaftsunternehmen besucht, das im Hochlohnland Deutschland mit Erfolg Massenartikel herstellt und verkauft. Fachkompetenz und motivierte Mitarbeiter waren vor einigen Jahren der Grund, warum die indischen Teilhaber bei "Essel Propack", einen Hersteller von Verpackungen für Klebstoffe und Kosmetik, eingestiegen sind. Wir zeigen, wie Deutsche und Inder die tägliche Arbeit meistern – auch, wenn der Chef 6200 Kilometer weit weg ist. Ein Beitrag von Dan Hirschfeld. ---------------------------------------------------------------------- Wer das historische Stadtzentrum Dresdens sieht, könnte meinen, die Stadt lebt nur von den Touristen. Doch das ist nicht so. Viele Ausländer, die sich den Zwinger, die Semperoper oder die wieder aufgebaite Frauenkirche ansehen, haben in Dresden mittlerweile eine zweite Heimat gefunden. Keshava Rao Raghavan etwa. Die Frauenkirche war eines der ersten Bilder, die der Inder von Dresden gesehen hat - lange, bevor er als Produktionsleiter an die Elbe kam. Aber jetzt nach fast zwei Jahren fühlt sich der Inder schon fast wie ein echter Dresdner. Auch wenn der Anfang nicht leicht war. "Zuerst war alles neu. Aber mein Chef Herr Lütkemeier war sehr kooperativ, er viele Tips gegeben. Ich muss sagen, für die letzten anderthalb Jahre war alles wunderbar hier. Die Kinder studieren an der Dresdner Internationalen Schule, die ersten zwei, drei Monate waren ein bisschen schwer, weil anderes Land, andere Sprache", erzählt Raghavan. Inzwischen kommt Raghavan sehr gut in Dresden zurecht, für ausgedehnte Spaziergänge hat er allerdings nur selten Zeit. Er ist für 100 Mitarbeiter und millionenteure Maschinen verantwortlich. Bei Essel Propack, einem Hersteller von Verpackungen für Zahnpasta, Klebstoffe und Farben. Heute steht die Inbetriebnahme einer neuen Fertigungslinie an. Drei Millionen Euro hat die Anlage gekostet. Noch aber gibt es Probleme, stockt die Produktion immer wieder. Raghavan muss zusammen mit dem deutschen Geschäftsführer Lösungen finden - und dabei die Erfahrungen der anderen Standorte des Konzerns nutzen. Matthias Lütkemeier heißt der deutsche Geschäftsführer. Er sagt: "Der Vorteil mit der Gruppe ist einfach, dass wir überall unterschiedliche Standorte haben, aber mit der gleichen Sprache sprechen, die gleiche Technik haben. So dass wir uns untereinander helfen können." Die Tuben-Verpackungen, die hier hergestellt werden, sind Massenartikel. So etwas im Hochlohnland Deutschland zu fertigen, ist eine Herausforderung. Vor allem das Know-How der Dresdner hat die indischen Investoren überzeugt, hier einzusteigen. Ein Viertel des Unternehmens gehört den Indern. Matthias Lütkemeier: "Wir produzieren die Tuben für den europäischen Markt. Dadurch ist es wichtig für unsere Kunden, dass wir hier vor Ort sind. Es steht der indische Miteigentümer nicht unmittelbar im Vordergrund, auch mit unseren Kunden. Es ist natürlich wichtig, für globale Kunden, Großkunden, die weltweit eine Betreuung haben wollen, einen Konzern zu haben, der entsprechend in vielen Ländern vertreten ist." Ihren indischen Chef sehen die beiden nur am Bildschirm. Die Konzernzentrale in Mumbai ist 6200 Kilometer entfernt. In das Dresdner Unternehmen sind die Inder 1999 eingestiegen. Seitdem wächst der Betrieb kräftig. Die Dresdner haben weitgehend freie Hand. Keshava sagt: "Jeden Tag muss ich einen Bericht schicken, aber wir sind sehr autonom hier. Die Kontrolle ist hier." Lütkemeier und Raghavan besuchen regelmäßig wichtige Auftraggeber. Heute allerdings fahren sie ins Dresdner Rathaus. Sie sind zu einem Gespräch beim Wirtschaftsbürgermeister der Stadt eingeladen - es geht um eine Erweiterung des Betriebes und die nötigen Genehmigungen. Dirk Hilbert, Wirtschaftsbürgermeister der Stadt Dresden: "Das ist für Dresden ein ganz wesentlicher Arbeitsplatzbringer. Ich glaube, gerade im produzierenden Gewerbe haben wir im vergangenen Jahr eine ganze Menge an großen Investitionen gerade von ausländischen Investoren bekommen. Ich denke da alleine an den größten Investor AMD und ohne ausländische Investitionen würde es Dresden nicht so gut gehen." Nach knapp einer Stunde haben der Inder Raghavan und sein Dresdner Chef es geschafft - der Besuch im Rathaus war ein Erfolg. Die guten Beziehungen zur Stadtverwaltung haben sich wieder einmal ausgezahlt.
