
MADE IN GERMANY spricht mit Claudia Funke. Funke ist Direktorin der Unternehmensberatung McKinsey, Deutschland. DW-TV: Claudia Funke ist Direktorin der Unternehmensberatung McKinsey in Deutschland. Herzlich Willkommen. Frau Funke! Frau Funke, muss man sich als Frau entscheiden: Familie oder Beruf? Claudia Funke: Man muss sich nicht entscheiden. Ich selbst habe eine kleine Tochter und bin Partnerin bei McKinsey, also es geht. Ich hoffe auch, dass sich die Männer nicht entscheiden müssen, denn dann hätten wir sehr viel einsame Manager bzw. Väter die ihre Kinder nicht kennen. Das einzige was ich sagen kann, dass man als Frau einen etwas höheren Preis bezahlt. DW-TV: Also, es ist immer noch schwieriger, das kann man schon sagen? Claudia Funke: Das ist richtig. Sie müssen super organisiert sein und sie haben natürlich auch bei einigen mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass eine gute Mutter eine Vollzeit-Mutter ist. DW-TV: Aber das ist etwas sehr kulturell bedingtes in Deutschland. Wenn man nach Norwegen schaut, da sieht es ja ganz anders aus in der Verteilung. Claudia Funke: Ja, daher gibt es im Deutschen auch den Begriff der Rabenmutter, das ist in der Tat kulturell bedingt, dass ist hier die Vorstellung, dass sie nur dann wirklich gut sind, wenn sie die ganze Zeit bei ihren Kindern sind. DW-TV: Schauen wir mal auf die Zahlen was das Geld angeht. Frauen gelten heute im allgemeinen als besser ausgebildet, trotzdem, wenn sie Geld verdienen sieht das ganz anders aus. In Belgien z.B. kommen Frauen im Durchschnitt 7% weniger Geld als Männer, in Frankreich 11%, Großbritannien sogar 20% und hier in Deutschland, man wagt es ja gar nicht das zu sagen, sind es sogar 23% weniger. Verhandeln Frauen schlechter? Claudia Funke: Nun man muss sagen, wenn man sich die Anfangsgehälter anschaut, dann sehen wir diesen Unterschied zwischen Männern und Frauen nicht, wenn sie zwei gleich gut ausgebildete Menschen haben, Männer und Frauen. Das Problem entsteht meistens zwischen Ende 20 und Ende 30, wenn diese Rush-Hour der Karriere statt findet. Dort ist es dann so, dass viele Frauen viel länger ausfallen und wenn sie dann zurück kommen einfach gar nicht mehr in diese Rollen kommen wo es dann entsprechend auch attraktive Gehälter gibt. DW-TV: Als Frau in der Arbeitswelt, wenn man sich dann etabliert hat, muss man dann tatsächlich typisch männliche Eigenschaften mitbringen oder ist es gar nicht so wichtig? Claudia Funke: Ich meine nein. Aus meiner Sicht gibt es bestimmte Eigenschaften die man sowohl bei Frauen und Männern findet die wichtig sind. Sie müssen Leidenschaft haben, sie müssen klar sagen was sie möchten, das fällt Frauen manchmal schwer, sie müssen Mitarbeiter gut mitnehmen, das fällt Frauen öfters leichter, und sie müssen eine klare Vision formulieren können, wo dann die Leute entsprechend folgen können. DW-TV: Aber gibt es dann so was wie einen typisch weiblichen Führungsstil? Claudia Funke: Ehrlich gesagt, ich würde sagen nein. Es gibt nur bestimmte Führungsverhaltensweisen, die Frauen im Durchschnitt öfters anwenden als Männer. Und da gehört in der Tat dazu, dass sie klarer sagen, was von einem Mitarbeiter erwartet wird, dass sie stärker belohnen und dass sie Mitarbeiter stärker miteinbeziehen. Während wir festgestellt haben, dass Männer häufiger zu sehr individualistischen Entscheidungen neigen. DW-TV: Das ist ein gutes Stichwort. Wäre diese weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise vielleicht nicht gekommen, wenn Frauen an der Macht gewesen wären? Claudia Funke: Das ist eine gute Frage. Man kann zumindestens sagen, da Männer an der Macht sind haben sie weitestgehend diese Krise mitprovoziert. Aber Spaß beiseite, es gibt seriöse wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Frauen im Durchschnitt risikoaverser in ihrem Investitionsverhalten sind. Insofern könnte man sagen, dass wenn sie mehr gemischte Führungsteams gehabt hätten, aus Männern und Frauen, vielleicht die Auswirkungen nicht so stark gewesen wären oder man es früher erkannt hätte. (Interview: A. Heyde)
