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Studiogespräch 1: mit Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft

Studiogespräch 1: mit Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft

Ulf Posé vom Ethikverband der Deutschen Wirtschaft spricht mit MADE IN GERMANY über Managergehälter und die umstrittenen Bonuszahlungen. DW-TV: Beispiel Dresdner Kleinwort, oder letztes Beispiel AIG – da klagen die Manager gerade Unsummen, Millionen von Dollar an Boni ein. Wie kann das sein? Unternehmen, die Pleite gegangen sind, und Manager, die miese Arbeit geleistet haben, bekommen nun auch noch einen Bonus? Ulf Posé: Es gibt zwei Aspekte, die hier zu beachten sind. Einmal: welche Verträge haben sie, also welche Ansprüche haben sie. Da ist der Aufsichtsrat gefragt, der letztlich gemeinsam mit dem Vorstand solche Verträge zugelassen hat. Der zweite Aspekt: es kommt darauf an, wer welche Verluste gemacht hat. Wenn ein Investmentbanker in seinem Bereich persönlich die Erfolge hat, die er haben sollte und dafür einen Bonus verlangt, ist das völlig in Ordnung. Nur die Frage ist, wie stellt sich die Gesamtsituation dar? Und die Gesamtsituation kann durchaus so sein, dass das Unternehmen in die Pleite gerät, obwohl einer sehr gut gewirtschaftet hat. DW-TV: Aber die Gesamtsituation sieht so aus: Wir stecken mitten in der Jahrhundertrezession und trotzdem werden Bonuszahlungen geleistet. Da sträuben sich mir alle Nackenhaare! Ulf Posé: Ja, es ist nicht nachvollziehbar, wenn jemand Geld bekommt für Misserfolg. Da bin ich mit Ihnen sofort einig. Und viele Unternehmen in der Bundesrepublik, mal die Banken nicht komplett allein genommen, sondern die gesamte Wirtschaft, haben bereits reagiert. Sehr viele DAX-Unternehmen zahlen überhaupt keine oder sehr geringe Boni, und selbst die Unternehmen, die Gewinn gemacht haben, haben die Vorstandsgehälter enorm gekürzt für das Jahr 2008. DW-TV: Also sind das Einzelfälle? Ulf Posé: Wenn Sie die Gesamtunternehmerschaft in der Bundesrepublik nehmen und die Missbrauchsfälle dagegen halten, dann befinden sich die Missbrauchsfälle im Promille-Bereich, aber sie bestimmen das Image. DW-TV: Und das Image ist schlecht. Ulf Posé: Das ist schlecht. DW-TV: Was ist mit dieser Selbstkontrolle für Manager, die es geben sollte? Die funktioniert ja dann nicht? Ulf Posé: Das ist die Frage, ob das wirklich so ist. Die Regierung, also unsere Politiker, rufen ja nach Begrenzungen, siehe die Vier-Jahres-Halte-Frist für Aktienoptionen und so weiter. Die meisten Unternehmen tun das bereits. Ich kenne 14 Vorstandsverträge, in denen bereits festgehalten ist, dass zum Beispiel nur maximal zwei Jahresgehälter als Abfindung gezahlt werden, also keine riesigen Summen mehr. Und viele Unternehmen tun das. Aber es gibt immer auch noch Missbrauchsfälle, das ist richtig. (Interview: Anja Heyde)

DW-World | March 17, 2009Watch more videos from DW-World

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