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Studiogast: Klaus Deutsch, Deutsche Bank Research

Studiogast: Klaus Deutsch, Deutsche Bank Research

Klaus Deutsch ist Volkswirt bei der Deutschen Bank Research. Dort erstellt er mit seinem Team exklusiv für DW-TV den DBIX, einen Index für die Stimmung in der Weltwirtschaft. Wir sprachen mit ihm darüber und über die aktuellen Lohnrunden. DW-TV: Der Aufschwung geht an den Beschäftigten vorbei, so der immer lauter werdende Protest aus dem Arbeitnehmerlager. Herr Deutsch, fühlen Sie sich angemessen bezahlt? Klaus Deutsch: Die Finanzbranche ist ganz gut gefahren in den letzten beiden Jahren. Insofern: Ja! DW-TV: Ist der deutliche Ruf nach Lohnsteigerungen in Ihren Augen gerechtfertigt? Klaus Deutsch: Die Industrie-Arbeitnehmer fühlen derzeit den Rückenwind und wollen angesichts der guten Gewinnentwicklung der Unternehmer in den letzten beiden Jahren nun auch deutliche Lohnerhöhungen durchsetzen. Sie gehen mit sehr hohen Forderungen in die Verhandlung. DW-TV: Aber nun soll ja das ganze auch gut für die Konjunktur sein. Immerhin soll der private Konsum gestützt werden. Also würde es doch durchaus Sinn machen, den Arbeitnehmer mehr Lohn zu geben? Klaus Deutsch: Das wird sicherlich auch passieren. Wir erwarten Lohnerhöhungen so um die 4 Prozent, was sozusagen Produktivität und Inflationsausgleich beinhalten würde. Das kann in den einzelnen Branchen mal drüber oder drunter liegen. Aber im Schnitt wird es sicherlich dazuführen, dass die Leute mehr Geld in der Tasche haben und auch mehr ausgeben werden. Wir haben im letzten Jahr allerdings gesehen, dass viele die besseren Abschlüsse auch genutzt haben, um für die Altersvorsorge Geld auf Sparbücher und in Riesterverträge zu legen. Wir wissen nicht genau, ob die Leute schon so optimistisch sind, dass sie dieses Jahr dann wieder auch Gebrauchsgüter kaufen, Autos, Fernseher und andere Dinge und der Konsum wirklich anzieht! DW-TV: Die Arbeitgeber warnen ja auch die ganze Zeit vor einem drohenden Abschwung. Sie wollen deshalb nicht unbedingt deutlich mehr zahlen. Ob das nun Schwarzmalerei ist wollen wir jetzt an Hand des DBIXs genauer anschauen. Und da gibt es jetzt eine echte Überraschung. Nach dem es monatelang immer nur abwärts ging, legt der DBIX im Januar wieder leicht zu. Herr Deutsch, das sind ja gute Nachrichten. Wie erklärt sich das denn? Klaus Deutsch: Eigentlich widerspricht das so ein bisschen dem Trend. Und ich glaube, bei den deutschen Unternehmen liegt es daran, dass ihre Auftragsbücher doch noch ganz gut gefüllt sind und dass der starke Euro sich bislang noch nicht den Geschäftserwartungen negativ bemerkbar gemacht hat. In den USA haben wir gesehen, dass die Einkaufsmanager wieder ein bisschen optimistischer gewesen sind. Das mag daran liegen, dass im Dezember die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft besonders schlecht eingeschätzt wurden, und man jetzt für das laufende Jahr wieder etwas mehr Optimismus fasst. DW-TV: Aber kann man denn was ableiten im Zuge Angst vor Rezession! Kommt sie, kommt sie nicht? Es gibt schon einen Ausschlag jetzt? Klaus Deutsch: An den Zahlen hier kann man das noch nicht sehen! Die Amerikaner werden vielleicht ganz knapp daran vorbeischliddern. Die Notenbank hat die Zinsen ganz drastisch gesenkt. Und der Haushalt wird mit Stützungsmaßnahmen eingreifen. So dass sie möglicherweise im Laufe des Jahres vermieden werden kann. (Interview: Sandra Berndt)

DW-World | February 12, 2008Watch more videos from DW-World

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