
Neben seiner Tätigkeit an der Humboldt-Universität als Leiter des Instituts für Management ist Professor Joachim Schwalbach auch Jury-Mitglied der Schwab Stiftung für den Social Entrepreneur-Preis. MADE IN GERMANY spricht mit ihm über sozial engagierte Unternehmer. DW-TV: Was hat denn der indische Unternehmer Harish Hande davon, dass er sich offiziell "Social Entrepreneur" nennen darf? Joachim Schwalbach: Das besondere ist, dass er eben ein soziales Projekt aufgreift, von dem viele glauben, dass sich so etwas nicht verbinden lässt mit Unternehmertum oder mit Gewinninteressen. Das ist das Besondere daran. Er greift ein soziales Problem auf, was die Menschheit beschäftigt und was vielen Mensachen hilft und macht es zu einem Organisationsforum, so dass es letztendlich auch Gewinne abwirft. DW-TV: Aber was hat er von der Auszeichnung? Joachim Schwalbach: Er hat etwas von der Auszeichnung, weil sich dadurch sein Bekanntheitsgrad erhöht, seine Reputation erhöht, die Glaubwürdigkeit seines Projektes erhöht und weil es ihm natürlich auch Beachtung bringt und ihn dadurch auch im geschäftlichen Interesse weiterbringt. DW-TV: Die Schwab Stiftung zeichnet weltweit solche Projekte und auch Initiatoren aus. Mit welchem Gedanken dahinter? Joachim Schwalbach: Es handelt sich hierbei um Projekte, von denen man zunächst gar nicht erwartet, dass ein Unternehmer sich dafür interessieren kann, dass diese Projekte aufgegriffen werden und dann auch mit dem Know-How der Schwabstiftung versehen werden, so dass diese Projekte dann auch langfristig Bestand haben. Weil Unternehmertum ja auch immer verbunden ist mit großem Risiko und finanziellen Sorgen und da ist es eben nötig, dass man ein Netzwerk hat, auf das man zurückgreifen kann, um diese Probleme beseitigen zu können. DW-TV: Es sind meistens soziale Projekte, die in Bereiche gehen, aus denen der Staat sich entweder zurückgezogen hat oder um die sich der Staat gar nicht kümmert. Wie wichtig ist das heutzutage auch in einem Land wie Deutschland? Joachim Schwalbach: Ja, es ist immer dann wichtig, wenn der Staat sich zurückzieht. Aber selbst wenn der Staat eine große Rolle spielt, bleibt doch genügend Spielraum für solche Personen, aktiv zu werden. DW-TV: Wird das denn mehr hier? Joachim Schwalbach: Das wird mehr, ja, weil die Bedürfnisse auch größer werden. Und ich denke schon, dass das auch in Deutschland populär werden wird. Man muss nur mit vielen Beispielen arbeiten, damit andere auf die Idee kommen, es nachzuahmen. DW-TV: Und wir machen jetzt mit einem Beispiel weiter und zwar mit einem sozialen Thema in Deutschland, der wachsenden Zahl verwahrloster Kinder. (Interview: Katrin Prüfig)
