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Studiogast Gerhard Bosch, Arbeitsmarktexperte

Studiogast Gerhard Bosch, Arbeitsmarktexperte

Gerhard Bosch ist Professor für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Arbeit und Qualifikation. Mit MADE IN GERMANY spricht er über die wirtschaftliche Situation der Maschinenbaubranche DW-TV: Der Maschinenbauer Kramski baut nun Putter statt Autoteile, ist das die Kreativität, die man braucht, mit der man eine Weltwirtschaftskrise übersteht? Gerhard Bosch: Der Markt für Golfschläger ist begrenzt, das ist also nicht die Lösung. Aber was wichtig ist: Man braucht neue Ideen, man muss nach neuen Produkten suchen, man muss nach neuen Auftraggebern suchen. Man muss in anderen Branchen schauen, ob man dort nicht Teile übernehmen kann. Die Innovation ist die eigentliche Triebkraft - gerade in der deutschen Maschinenbauindustrie. 75% der Unternehmen haben in den letzten Jahren neue Produkte eingeführt -die sind am innovativsten in ganz Europa. DW-TV: Trotzdem schützt die Innovation nicht unbedingt vor einer Krise. Seit Juni 2008 geht es kontinuierlich bergab, besonders seit Dezember. Im Juni 2009 gingen die Aufträge im Vergleich zum Vorjahresmonat um 46% zurück. Insgesamt ging auch der deutsche Export innerhalb dieses Zeitraums zurück, und der Maschinenbau ist sehr stark exportabhängig. Trotzdem sagen sie, es könnte schlimmer sein, insbesondere, wenn man in die 90er Jahre blickt, wo es schon einmal eine schwere Krise im Maschinenbau gab. Gerhard Bosch: Ja, in den neunziger Jahren war die deutsche Maschinenbauindustrie nicht gut aufgestellt. Die Produktionsstrukturen waren veraltet, man hat auf Lager produziert. Man war nicht flexibel, man war nicht innovativ genug, die neuen Technologien waren noch nicht eingebaut. Und da hat sich eine stille Revolution vollzogen: Man kann sagen, der deutsche Maschinenbau ist heute Weltspitze. Er hat flexible Organisation, ist sehr innovativ und die haben in den letzten Jahren auch sehr gut verdient, so dass sie für diese Krise besser gerüstet sind, als für die vergangenen. DW-TV: Trotzdem werden wahrscheinlich 50.000 Arbeitsplätze abgebaut werden müssen... Gerhard Bosch: Die Branche hat de facto schon 50.000 Arbeitsplätze abgebaut, das sind nämlich die Leiharbeitnehmer, die rausgesetzt worden sind. Es werden einige Entlassungen stattfinden in einzelnen Unternehmen, die Probleme haben. Aber die Branche versucht jetzt, ihre Facharbeiter zu halten, was wichtig ist. Der deutsche Maschinenbau ist eine Facharbeiterindustrie, da wird nicht mit angelernten Unqualifizierten gearbeitet. Und die will man nicht entlassen, weil die Ausbildung sehr viel Geld gekostet hat. DW-TV: Aber wie kommt man denn eigentlich wieder rein, was können die Unternehmen im Moment machen, um wieder zu verkaufen? Gerhard Bosch: Einmal die Innovation, die hilft alleine nicht, weil die Aufträge auch kommen müssen. Das zweite ist, sie müssen ihre Fachkräfte halten, damit sie auch bereit sind, wenn Aufträge kommen. Und drittens, sie müssen auf eine Erholung der Weltwirtschaft hoffen, weil Investitionsgüter auf jeden Fall im Ausland gebraucht werden. Es gibt ganz viele Länder, die ihre Industrie entwickeln wollen - und zwar mit deutschen Maschinen. DW-TV: Hat man zu sehr auf den Export gesetzt? Gerhard Bosch: Insgesamt ja. Ich würde sagen, nicht der Maschinenbau. Der muss das, weil man sehr spezialisiert ist. In der Branche kann man nicht anders. Aber die deutsche Wirtschaft insgesamt hat zu sehr auf den Export gesetzt. Man muss das andere Bein stärken, also auch den inneren Konsum. Also die Löhnen müssen in den kommenden Jahren stärker steigen, als in den vergangenen Jahren. (Interview: Anja Heyde)

DW-World | September 1, 2009Watch more videos from DW-World

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