
DW-TV: Das Konzept ist so einleuchtend, Felix Matthes vom Ökoinstitut, dass man sich fragt, warum werden eigentlich immer noch Häuser mit Öl- und Gasheizungen gebaut! Haben Sie eine Antwort? Felix Matthes: Ich glaube, es gibt zwei zentrale Gründe. Erstens: das sind neue Techniken, neue Systeme. Architekten und Handwerker müssen sich daran gewöhnen, dass so was verfügbar ist und wie man so was vernünftig baut. Und der zweite Grund ist, dass bei steigenden Energieträgern solche Investitionen wirtschaftlich sind, ist die eine Sache, aber man zum Anfang ein bisschen mehr Geld aufbringen und Finanzierung ist ein Problem und das wird dann ohne staatliche Flankierung ganz sicher nicht am Anfang ohne weiteres gehen. DW-TV: Glauben Sie denn, dass die Bereitschaft da ist, dass wirklich im großen Stil in Deutschland so umzusetzen, so zu bauen? Felix Matthes: Ich glaube, es gibt überhaupt gar keine Alternative dazu. Der Großteil unseres Energieverbrauchs entsteht in den Gebäuden und wenn wir Treibhausgase wirklich massiv reduzieren wollen, kommen wir nicht daran vorbei deutlich weniger Energie zu verbrauchen, und den verbleibenden Energiebedarf mit erneuerbaren Energien abzudecken. DW-TV: Wie heizt denn Ihr Ökoinstitut? Felix Matthes: Unser Ökoinstitut hat seine Zentrale in genau dieser Solarsiedlung und wir haben dort auch ein Bürogebäude, in dem mehr Energie erzeugt wird als verbraucht. DW-TV: Ok, bei der Stromerzeugung in Deutschland insgesamt spielen trotz allem Öl, Gas und Kohle die dominierende Rolle. Erneuerbare Energien haben nur einen Anteil von knapp 11 Prozent. Da sehen wir es nach der Wasserkraft kommen die erneuerbaren Energien. Wie kann man den ganz schnell, ganz doll steigern? Felix Matthes: Wir haben ja in Deutschland ein Erfolgsmodell. Wir haben heute 11 Prozent aus diesen neuen erneuerbaren Energien, aber jedes Jahr kommt etwa ein Prozentpunkt dazu und das ist ein Erfolgsmodell, was international ja viel beachtet worden ist, dass man nämlich, wenn man Strom aus erneuerbaren Energie erzeugt, für jede Kilowattstunde einen garantierten Preis bekommt, und das hat dazu geführt, dass der Anteil sehr schnell gestiegen ist. DW-TV: Und wie lange lässt sich das denn beibehalten diese Subventionierung des sauberen Stroms? Felix Matthes: Ich glaube, dass lässt sich so lange beibehalten bis wir technologische Durchbrüche haben, weil Sie müssen sich klarmachen, dass ein Großteil der Herstellung dieser Technologien heute eigentlich im Manufakturmaßstab erfolgt und wir brauchen die Industrialisierung dieser Produktion, dann werden auch erneuerbare Energien wettbewerbsfähig. DW-TV: Statt volle Teller also voller Tank! Felix Matthes, finden Sie es richtig Nahrungsmittel zu Biogas zu verarbeiten? Felix Matthes: Ich glaube, da muss zwei verschiedene Dinge sehen. Erstens geht’s da im Moment um eine Marktanpassungsphase, die Nachfrage, und das ist ja klar gesagt worden, kam sehr überraschend und die Produktion ist nicht entsprechend ausgeweitet worden. Das heißt, es wird dort Anpassung geben, gerade, wenn der Getreidepreis sehr sehr hoch ist, aber wir haben natürlich auch technologische Entwicklungen, die einen Teil der Dramatik aus der Diskussion rausnehmen werden. DW-TV: Da sprechen wir gleich noch rüber! Erst einmal die Frage, also so ganz unbegrenzt lässt sich die Anbaufläche aber ja nicht ausweiten? Felix Matthes: Ja, aber wir haben Weltmärkte, die auch in der Lage waren sehr sehr große Mengen an Getreide verfügbar zu machen und da muss man die Situation ein bisschen unterscheiden. Das ist in der europäischen Union nicht so ein großes Problem, weil dieses Getreide ohnehin nur im begrenzten Maße dem Weltmarkt zur Verfügung steht, das sieht in Amerika, wo das Schlagwort Tortillakrise ja schon die Runde macht, ein bisschen anders aus. DW-TV: Sie haben eben auf die Technologien hingewiesen, die die Lage möglicherweise entspannen, welche sind das? Felix Matthes: Die Technologie, das man letztendlich nur, die auch für Lebensmittel nutzbaren Teile der Pflanzen, für die Energiegewinnung nutzt, ist eigentlich nur ein wichtiger Weg für die Einführungsphase. Wir haben Technologien in der technologischen Entwicklung die eine Arbeitsteilung erlauben werden. Das Korn für den Teller und den Strohhalm für die Energie! Interview: Katrin Prüfig
