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Studiogast: Dirk Schiereck

Studiogast: Dirk Schiereck

Mit dem Bankenexperten der Technischen Universität Darmstadt sprechen wir unter anderem über die Bad Bank. DW-TV: Bad Bank oder nicht Bad Bank. Herr Schiereck, was meinen Sie, ist das die richtige Lösung? Dirk Schiereck: Es ist zunächst einmal die Lösung, die den Steuerzahler finanziell am stärksten entlastet, auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht glauben mag. Aber die Banken brauchen Eigenkapital. Entweder, dass man das Eigenkapital, das sie jetzt haben, entlastet und das dadurch frei wird, oder dass der Staat hingeht und neues reinpackt. DW-TV: Jetzt wird entlastet und was ist dann in zwanzig Jahren? Dirk Schiereck: In zwanzig Jahren hoffen wir - und damit schließen wir eine Wette auf die Zukunft ab - dass die Banken, die jetzt eine Bad Bank einrichten, dann soviel verdient haben, dass sie mögliche Verluste, die dann entstanden sind, auch ausgleichen können. Ob überhaupt Verluste entstehen und wie viel das sein wird, das wissen wir ja noch gar nicht. DW-TV: Wenn das keiner weiß, warum geht man dieses Risiko dann ein? Im Beitrag haben wir gesagt, es sind zweihundert Milliarden Euro an toxischen Papieren. Es gibt Schätzungen von zum Teil sogar bis zu achthundert Milliarden. Warum dieses Risiko? Dirk Schiereck: Wir sehen dieses Risiko. Ob wir es eingehen, werden wir erst merken, wenn wir sehen, wie viele Banken diese Lösung überhaupt annehmen. Wir gehen dieses Risiko ein, weil wir die Kreditversorgung der Wirtschaft aufrecht erhalten müssen. Das geht nur, wenn Banken weiterhin Kredite vergeben können. Und dafür brauchen sie Eigenkapital. Entweder wir packen neues rein, oder wir nehmen das, was die Banken haben und entlasten es. Und das kann man mit einer Bad Bank machen. DW-TV: Aber nun sieht ja alles danach aus, als ob wir dieses Problem tatsächlich nur verschieben. Warum verkaufen wir die toxischen Papiere nicht an Investoren, an private Investoren. Die USA probt das gerade. Dirk Schiereck: Wir könnten solch einen Verkauf vornehmen, dafür müssten wir irgendeinen Preis feststellen. Dies wäre das eine Problem: nämlich, dass wir da große Schwierigkeiten haben. Herr Steinbrück möchte dafür eine Expertenkommission haben. Alternativ wäre die Möglichkeit einfach den Markt sich entwickeln zu lassen, abzuwarten, wer kauft denn? Aber dann würde der gesamte aktuelle Verlust ja tatsächlich auch sofort fällig. Und genau davor wollen wir die Banken bewahren. Wenn das passieren würde, hätten wir wahrscheinlich wirklich ein Problem und es kämen Verluste zutage, die wir momentan nicht sehen wollen. Die schauen wir uns in zwanzig Jahren an. Dann sind wir alle etwas grauer und entspannter, und dann tut es uns nicht mehr so weh. DW-TV: Dann zahlen wir in zwanzig Jahren, ich weiß nicht, ob es uns nicht doch weh tut. Herr Schiereck erst einmal vielen Dank. (Interview: Anja Heyde)

DW-World | May 26, 2009Watch more videos from DW-World

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