
Bremer ist Auto-Experte im Institut für Automobilmarktforschung. DW-TV: Wir sprechen jetzt über das Thema mit Andreas Bremer vom Institut für Automobilmarktforschung in Essen, herzlich Willkommen. Herr Bremer, in den 60iger Jahren als Zukunftsbranche gefeiert, heute – ich will nicht sagen vor dem Zusammenbruch - aber auf jeden Fall ist sie im Rückwärtsgang die gesamte Automobilmarktbranche und man muss sich nur einmal die Zahlen von Opel anschauen: Die Neuzulassungen von Opel-Fahrzeugen haben sich in Deutschland seit 1998 halbiert! Von ehemals Fünfhunderttausend auf gerade einmal Zweihundertachtundfünfzigtausend im Jahr 2008. Ist da überhaupt noch was zu retten bei Opel? Andreas Bremer: Ja, ich denke schon. Einmal muss man ja auch sehen, dass der Gesamtmarkt natürlich rückläufig gewesen ist. Das ist nicht nur Opel, die jetzt nun ein eigenes Problem haben. Und Opel steht mit den beiden Modellen, die neu sind, mit dem Signia und dem Astra wirklich sehr gut da, sie sind qualitativ sehr gut, sie sind technisch recht ordentlich und preislich gut aufgestellt. Sie sind aber auch gleichzeitig die einzige Option, die Opel hat in diesem Rennen. Denn die anderen Modelle hinken doch technisch hinterher, auch was die Motorentechnik angeht. Da wird sicherlich Investitionsbedarf sein, wenn Opel eine Zukunft haben soll. DW-TV: Woher soll das Geld kommen, Steuergelder? Andreas Bremer: Steuergelder werden sicherlich ins Gespräch kommen, natürlich muss GM sich zunächst einmal überlegen, wo die Gelder herkommen, das ist nun einmal primär deren Aufgabe nach diesen letzten Entscheidungen. Und da wird es sicherlich Vorstellungen geben. Ich würde doch fast darauf wetten, dass das Thema Steuergelder damit zugehört. DW-TV: Warum sollte GM jetzt einen besseren Plan vorlegen, als vor einem Jahr? Andreas Bremer: Das ist eine gute Frage. Das ist genau das, was wir uns alle auch fragen. Wie schnell hat man denn da auf einmal gelernt und umgedacht? Und da sehe ich eigentlich auch mit großer Skepsis dem Ganzen entgegen. Natürlich macht es strategisch viel Sinn, Opel zu behalten für GM, aber macht es auch für Opel Sinn bei GM zu bleiben? Und einen wirklichen Neuanfang mit dem alten Eigentümer hinzubekommen, da haben wir doch etwas Zweifel allein auf der emotionalen Seite. Die Arbeiter sind sicherlich nicht nur pro GM eingestellt. DW-TV: Es könnte also auch auf eine Insolvenz hinauslaufen? Andreas Bremer: Ich halte die Insolvenz als eine Option, möglicherweise die berühmte Option B, die mal so in den Raum gestellt worden ist, für möglich. DW-TV: Angenommen die Bundesregierung würde Opel tatsächlich retten mit Steuergeldern, dann käme natürlich Mercedes, dann käme BMW, dann käme auch VW und würden sagen, das ist Wettbewerbsverzehrung. Was muss man dann machen? Andreas Bremer: Ich denke, die Gefahr besteht natürlich, dass die anderen Hersteller auch sagen, Moment, was ist mit uns? Aber auf einer höheren oder größeren Ebene müsste man sagen, wir müssten einen Plan für die gesamte deutsche Automobilindustrie erstellen. Was wollen wir eigentlich erreichen und was wollen wir mit Steuergeldern erreichen? Wenn wir ein einzelnes Unternehmen retten, diese Diskussion werden wir immer wieder haben, wir haben sie in anderen Branchen schon gehabt. In dem Moment, in dem Steuergelder ausgegeben werden, kommen die anderen Unternehmen und heben auch die Hand. DW-TV: Wir müsste denn Plan B für die gesamte Automobilbranche aussehen? Andreas Bremer: Ich denke, wir müssen uns zunächst einmal darüber im Klaren sein, was wollen wir politisch auch umsetzen und wozu wir bereit sind, die Steuergelder auszugeben. Das ist eine kurze bis mittelfristige Überlegung. Langfristig ist das ein ganz anderes Thema. DW-TV: Vielen Dank Andreas Bremer vom Institut für Automobilmarktforschung in Essen, ohne Steuergelder wird es wohl nicht gehen bei Opel.
