
Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Wir sprechen mit ihr über Klima- und Energie-Fragen bei der französischen EU-Ratspräsidentschaft und dem bevorstehenden G8-Gipfel in Japan. DW-TV: Frau Kempfert, in ganz Europa haben die Bürger den stärksten Preisanstieg seit 1999, seit Einführung des Euro zu verkraften, woran liegt das? Claudia Kemfert: Es liegt natürlich an den hohen Energiepreisen, die im Moment explosionsartig ansteigen. Der Ölpreis explodiert auf dem internationalen Ölmarkt. Das schlägt sich nieder auf alle Energiepreise. Das ist natürlich schon ein Problem und da müssen wir auch Alternativen suchen. DW-TV: Bietet denn der neue EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy derzeit schon Alternativen an? Claudia Kemfert: Leider nein. Er will ja die Mehrwertsteuer auf Energien senken. Das ist der falsche Weg, denn insbesondere löst man damit das Problem nicht. Wie brauchen alternative Kraftstoffe, die nachhaltig sind. Wir brauchen alternative Mobilitätskonzepte. Wir müssen wegkommen von fossiler Energie, all das löst er damit nicht. Wenn wir die Mehrwertsteuer senken, so wie er das vorschlägt, dann erhöhen sich gegebenenfalls sogar noch die Preise, weil die Mineralölkonzerne die Macht haben, die Preise auch nach oben zu drücken. Insofern ist das die falsche Antwort. DW-TV: Wir schauen einmal auf die alternativen Energien, ein großes Thema auch hier in Deutschland. Allein hierzulande werden 8,5 % des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien abgedeckt. Der Anteil soll weiter steigen. Einige Prognosen gehen sogar soweit, dass alternative Energien bis 2030 rund 35 % des Endenergieverbrauches in Deutschland abdecken. Für wie realistisch halten Sie denn die Prognosen? Claudia Kemfert: Ja, unmöglich ist das nicht. Man muss natürlich dann dafür einiges tun, auch politisch tun. Denn wir brauchen ja dann insbesondere neue Windanlagen, wir brauchen Biomasse-Kraftwerke, wir brauchen Photovoltaik. Das kann man in der Theorie gut schaffen, aber die Politik tut sich da ja ein bisschen schwer. Zwar hat Deutschland schon sehr viel auf den Weg gebracht, aber wenn man das europäische Ausland ansieht, ist da nicht soviel auf den Weg gebracht worden. Ich bin optimistisch, dass man es schaffen kann, aber dazu braucht man wirklich sehr viel Einsatz seitens der Politik. DW-TV: Nächste Woche ist G8 Gipfel in Japan, ich erinnere noch einmal daran, dass es das Kyoto-Protokoll seit 1997 gibt. Einer der großen Umweltverschmutzer, der größte überhaupt, die USA hat es bis heute nicht ratifiziert. Wird es da vielleicht nächste Woche auch ein Signal geben von der Seite? Claudia Kemfert: Ich denke nicht, solange wir keinen neuen Präsidenten in den USA haben. Aber beide Präsidentschaftsanwärter haben ja schon deutlich gemacht, dass sie Klimaschutz ernst nehmen wollen, beide wollen die Treibhausgase drastisch senken. Das Kyoto-Protokoll wird damit nicht ratifiziert. Das wird man nicht mehr schaffen, aber man wird schon etwas für den Klimaschutz tun und das ist auch der richtige Weg. (Interview: Anja Heyde)
