
Christian Dreger vom DIW Berlin spricht mit MADE IN GERMANY über die Auswirkung der Finanzkrise auf den Goldpreis und auf die Konjunktur allgemein. DW-TV: Weltweit kaufen die Anleger derzeit so viel Gold wie nie. Herr Dreger, Sie auch? Christian Dreger: Ja, im Moment ist der Trend für Gold da. Wir haben eine etwas schwächere Konjunktur und das treibt den Goldpreis nach oben. DW-TV: Wir haben jetzt auch gelernt, je unsicherer die Zeiten desto mehr wird in Gold investiert. Bei den Rekordpreisen jetzt, was heißt das? Ist die Lage wirklich sehr ernst? Christian Dreger: Gold ist im Prinzip ein Wertaufbewahrungsmittel, insbesondere in Zeiten höherer Inflation. Und wir haben in den USA ja eine anziehende Inflation. Wir haben auch im Euroraum eine Inflation, die über der Toleranzgrenze der europäischen Zentralbank liegt. Das bedeutet, dass die Realrenditen von Wertpapieren natürlich sinken. Dafür gehen die Anleger dann eben in Gold. DW-TV: Und wir haben ja auch außerdem einen sehr schwachen Dollar, einen Euro, der so stark ist wie nie und das alles hat angefangen mit "Häuslebauern", die ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten. Wie hängt denn das zusammen? Christian Dreger: Die Finanzkrise hat sich zunächst in den USA gezeigt. Hier wird der Konsum erheblich gedämpft werden. Er wurde bereits gedämpft, aber es wird sicherlich noch eine Zeit so weitergehen. Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA wird sicherlich darunter leiden. Die Frage ist eben, ob es eine Rezession gibt oder nicht. Aber im Prinzip gibt es eine deutliche Abschwächung des wirtschaftlichen Wachstums. Das hat dann negative Konsequenzen für die Weltwirtschaft. DW-TV: Aber was heißt das für Europa und auch für Deutschland? Ist der Aufschwung hier schon wieder vorbei? Christian Dreger: Würden wir nicht sagen. Wir sind nach wie vor im Aufschwung. Natürlich gibt es eben die Dämpfung der Weltwirtschaft. Aber die Effekte sind letztendlich nicht so groß. Das Gewicht der USA in der Weltwirtschaft hat in den letzten Jahren eigentlich abgenommen. Und der Euro ist als Reservewährung mittlerweile auch relativ bedeutend. DW-TV: Nun überlegt man ja trotzdem, ob man auch hierzulande etwas tun kann, Rufe nach dem Staat werden lauter. Soll denn jetzt im Endeffekt der Steuerzahler für das Missmanagement der Banken aufkommen? Christian Dreger: Das ist sicherlich eine Gefahr. Ich meine, was derzeit die Politik des Staates angeht, würden wir schon sagen, dass dieses Jahr und auch nächstes Jahr und auch darüber hinaus die Politik der Konsolidierung absoluten Vorrang hat. Wir sind nach wie vor noch weit von einem Budgetausgleich entfernt. Wir hatten den letztes Jahr erreicht, aber letztes Jahr waren wir an der Spitze des Konjunkturzyklus‘. Es kommt darauf an, ein ausgeglichenes Budget über den Konjunkturzyklus hinweg zu haben. Und da sind natürlich noch zusätzliche Bestrebungen erforderlich.
