
Bernhard Jünemann is stellvertretender Chefredakteur von Börse-Online in Köln. Wir sprachen mit ihm über die Auswirkungen der US-Finanzkrise. DW-TV: Die Krise fest im Blick hat auch Bernhard Jünemann, stellvertretender Chefredakteur vom Magazin Börse-Online. Die Firma Kühnezug will es in Zukunft langsamer angehen lassen, viele Mittelständler könnten diesem Beispiel folgen. Was heißt das für das Wachstum? Bernhard Jünemann: Noch sind es eher Einzelfälle. Wenn aber viele so denken und so handeln und die Banken keine Kredite mehr geben, oder das sehr stark einschränken, dann werden Expansionsmöglichkeiten eben nicht in dem Maße genutzt werden können. Und dann ist es zwangsläufig, dass sich das negativ auf das Wachstum auswirkt. Eine ähnliche Erscheinung haben wir schon 2002/2003 gehabt, die auch eine Einschränkung der Kreditvergabe der Banken vor allem an die Mittelständler gehabt hat. DW-TV: Die Europäische Zentralbank hat das Ganze jetzt auch einmal in Zahlen gegossen. Sie hat nämlich Banken in Europa gefragt, wie großzügig sie mit der Kreditvergabe sind. Speziell für Deutschland sehen wir hier die Kurve, die Zügel werden angezogen, die Kreditvergabe an Unternehmen ist deutlich strenger, also deutlich weniger freigiebig geworden bei den deutschen Banken. Wie kann man die drohende – noch nicht wirklich existierende – Kreditklemme in Deutschland abwenden? Bernhard Jünemann: Da kann man natürlich das Beispiel Amerika geben, da ist es schon sehr viel weiter. Wir haben einmal die Vertrauenskrise der Banken untereinander, das muss abgeschwächt werden. Und am besten tut man das natürlich auch mit radikalen Zinssenkungen. Das macht die amerikanische Notenbank. Sie stellt den Banken günstigeres Geld zur Verfügung, in der Hoffnung, dass das auch bei den Unternehmen ankommt. Nur dieser Weg ist relativ weit. Die Fachleute sagen, das dauert mindestens sechs Monate. Im Augenblick ist das noch nicht spürbar. DW-TV: Die Lage in den USA ist ja nach herrschender Meinung tatsächlich wirklich sehr dramatisch. Jetzt gibt es aber auch Ökonomen wie Klaus Wellershoff von dem Bankhaus UBS der sagt, dass die Wirtschaft viel robuster, bunter, schöner ist und wir uns nicht so viele Sorgen machen sollten. Lebt er auf einem anderen Planeten? Bernhard Jünemann: Er hat auf jeden Fall Hoffnung. Und er weiß offenbar – und das wissen wir alle - das in der Krise eben auch die Gefahrenzeichen überschätzt werden. So wie man im Boom eben auch die Chancen überschätzt. Nur es gibt so etwas wie das Verhalten eines vorsichtigen Kaufmanns. Man sollte auch immer Risiken mit einer Art Stresstest untersuchen und gucken, was könnte im schlimmsten Fall daraus werden. Und sich in jeden Fall darauf einrichten. Wenn dann die Krise vermieden wird, umso besser. DW-TV: Dieses Hoffen und Bangen, extreme Krise, oder vielleicht ist es doch nicht so schlimm, das fragt man sich auch an der Börse. Was erwartet uns noch in diesem Börsenjahr? Bernhard Jünemann: Wahrscheinlich noch ein paar schlechte Nachrichten, obwohl wir jetzt durch die letzten Kursstürze schon wirklich viel vorweg genommen haben. Aber ich denke, im Laufe des Jahres und 2009 sollte es wieder besser werden. Interview: Katrin Prüfig
