Etwa 650 Meter über dem Meeresspiegel in der wildromantischen Barbagia di Ollolai liegt das 2500-Seelen-Dorf Mamoiada, und zwar direkt inmitten grüner Weinberge, Kork- und Steineichenwälder. Im historischen Ortskern steht die große, das Dorfbild prägende Kirche „Nostra Signora di Loreto" aus dem 17. Jahrhundert. Hier wird der Vorabend des Festtages zu Ehren des Heiligen Antonio Abate (Feuerheiliger) gefeiert. In Mamoiada ist der 17.01. nämlich bis heute Auftakt der jeweiligen Karnevalssession. Kurz nach fünf Uhr nachmittags kulminiert der Gottesdienst. Zuschauer suchen sich einen guten Platz, auf dem Kirchenvorplatz wird ein großer Holzstoß aus Eichenwurzeln angezündet, der Pfarrer läuft drei mal ums Feuer bevor Familienväter aus diesem glühende Scheite entfernen, um dreißig bis vierzig weitere Holzfeuer im ganzen Ort zu entzünden. Sie brennen die ganze Nacht durch. Aus dem in Schwaden aufsteigenden dicken Rauch ist angeblich zu ersehen, ob das neue Erntejahr unter guten oder schlechten Auspizien beginnt. Eine behagliche Atmosphäre verbreitet sich, denn die Bewohner der Insel sind ein besonderes Volk: frisch gebackene süße Popassinus biancu, Popassinus nigheddu, Coccone in mele, sas Caschettas, Pan'e Sant'Abate (ein Brot für Gourmets, den die Hausfrauen aus Hartweizenmehl, Most, Haselnüssen, Wallnüssen, Mandeln und Rosinen herstellen) und ein hausgemachter schwerer Rotwein werden gereicht! Am Tag danach der Starttermin für Mamuthones und Issohadores. In dunkle Schafsfelle gekleidete Gestalten, die große Holzmasken aus Kirsch- oder Kastanienholz und auf den Schultern schwere Kuhglocken die bis zu fünfunddreißig Kilo wiegen, tragen. Wenn sie sich nicht gerade in Kuba, Rothenburg oder Wien auf Welttournee befinden, sind die meisten Mamuthones hauptberuflich Dienstleistende, Vertreter, Bauern aber auch Schüler und Studenten.