Dr. Eugen Drewermann, Christlicher Theologe, Paderborn Wie hältst Du's mit den Tieren oder: von der Notwendigkeit einer neuen Ethik (Teil 4 von 9) 19. Oktober 2006, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Eine Hauptsache der fortschreitenden Naturzerstörung ergibt sich aus der Anthropozentrik des christlichen Weltbildes, wonach die gesamte Welt auf den Menschen hin geschaffen wurde. Die Selbstanschauung der menschlichen Spezies auf dem Planeten Erde erscheint geradezu als die Vollendung eines göttlichen Auftrags, und selbst der Begriff Verantwortung meint mit Bezug auf den Menschen allein die Verteidigung des menschlichen Art-Egoismus gegen alle anderen Lebensformen: Da erkranken in Britannien - durch menschliche Fehlernährung - Rinder an BSE, und es müssen zum Schutz der Menschen 4 Millionen von ihnen getötet und verbrannt werden; da erkranken Vögel an einem Virus, das auch Menschen befallen kann, und es werden 100 Millionen von ihnen vergast. Was wir derzeit anrichten, ist eine Querschnittslähmung durch den Motor der Evolution. Dabei wissen wir seit 1859, als Darwin die "Entstehung der Arten" veröffentlichte, dass wir Menschen nur eine Welle im Ozean des Lebens sind, und dieses Wissen sollten wir nutzen, eine neue Ethik und Weisheit zu entwickeln, in der das veränderte Weltbild der Naturwissenschaften zum Schutz der Pflanzen und Tiere, statt zu ihrer Ausrottung, genutzt wird. Doch was dagegen steht, ist nicht nur die geistige Trägheit kirchlicher Traditionen, sondern vor allem die "Gesetze" eines Marktes, dem es frei steht, alles, was lebt, zu "kapitalisieren", das heißt in das Toteste vom Toten: in Geld, zu verwandeln. http://www.vorlesungen-tierrechte.de http://www.rainerebert.de