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Die Stromspione – den Energiekonzernen auf der Spur

Die Stromspione – den Energiekonzernen auf der Spur

Wie viel Strom die Kraftwerke produzieren – davon hängt wesentlich die Höhe des Strompreises an der Strombörse in Leipzig ab. Noch kontrollieren die vier großen deutschen Stromerzeuger diese Informationen. Doch eine kleine Firma aus Bayern ist der Stromproduktion auf der Spur und sorgt für schnelleren Durchblick am Strommarkt. "Energiemanagement" hat in der Nähe der Kraftwerke Messgeräte installiert, die deren Stromausstoß messen. Die Stromkonzerne allerdings wollen ihre Informationsmacht nicht aufgeben und haben die Firma verklagt - wegen Industriespionage. Bisher sind sie mit der Klage vor allen deutschen Gerichten gescheitert. Karl Harenbrock hat die "Stromspione" bei Ihrer Arbeit begleitet. ---------------------------------------------------------- Stromschnüffler auf dem Weg zum Einsatz. Eine Mülltonne schützt das Geheimnis der beiden Stromexperten Timo und Helmut Sendner. Mit einem simplen Messgerät ermitteln sie wie viel Strom gerade produziert wird: "Wir wussten seit langem das es Bedarf am Markt gibt für solche Daten, weil niemand sie hat und jeder sie gerne hätte und alle Unternehmen sie hüten wie den heiligen Gral. Und da dachten wir – da wir sowieso für Transparenz sorgen wollen – fangen wir doch an, ein eigenes System zu entwickeln und haben dann Power Monitor gegründet." Angetrieben von einer Autobatterie prüft ein Gerät die elektromagnetische Strahlung unter einem Hochspannungsmast. Durch diese Daten lässt sich die Kraftwerkskapazität errechnen. Die Informationen werden über Funk an einen Computer übermittelt. So verschaffen sich die Stromschnüffler eine Überblick über die Kraftwerksleistungen in ganz Deutschland. Schon haben Kraftwerksbetreiber sie verklagt; der Vorwurf Industriespionage. Doch vor Gericht haben die Beiden bisher immer Recht bekommen. Power Monitor Sprecher Helmut Sendner erklärt warum: "Wir sind hier auf freier Flur für jeden zugänglich, somit kann man von Spionage eigentlich nicht reden. Zum anderen messen wir mit einer Technik, die in jedem Elektrosupermarkt zu haben ist. Das ist nichts aufwendiges, das ist nichts kompliziertes. Also damit ist man von der Spionage weit entfernt." Ein Zweimannbetrieb gegen die Großen der Branche. Das Kraftwerk Emsland gehört dem Energiekonzern RWE. In dieser Woche steht hier alles still. Das spürt auch gleich die Strombörse in Leipzig. Denn der zentrale Faktor für den Handelspreis ist die Kraftwerksleistung. Gehen nur wenige Megawatt Leistung vom Netz reagiert der Markt sofort. Für Stromhändler ist es deshalb entscheidend zu wissen, wann welches Kraftwerk wie viel Strom liefert. Aber das wissen zuerst die Kraftwerksbetreiber, und die kaufen und verkaufen auch selber Strom. Diesen Informationsvorsprung könnten die Erzeuger nutzen, um die Preise zu manipulieren. Dem widerspricht RWE-Sprecherin Annett Urbaczka, Insiderhandel habe es nie gegeben: "Ich kann die Informationen ganz klar dementieren, die behaupten, dass innerhalb des RWE Konzerns von Seiten der Erzeugungsseite an die Händlerseite Informationen weiter gegeben worden sind und zwar so, das die Händler des RWE Konzerns einen Vorteil gegenüber den übrigen Marktteilnehmern gehabt hätten." Das Dementi ist für Power Monitor-Geschäftsführer Timo Sendner kein Grund sein Geschäft in Frage zu stellen. Sein Misstrauen gegenüber den Kraftwerksbetreibern bleibt: "Es ist zumindest nicht sehr wahrscheinlich das ein Unternehmen Daten die es selbst sehr viel Geld kosten könnte vor sich selbst geheim hält und insofern ist schon davon auszugehen natürlich, dass die eine Abteilung die andere Abteilung informiert Wissen oder garantieren das es so ist kann man natürlich nicht." Für 3.000 Euro im Monat verkaufen die beiden ihre Informationen an Stromhändler. Solange die Stromerzeuger auch als Stromhändler auftreten, liefern die Stromschnüffler Daten. Der Kampf David gegen Goliath geht in die nächste Runde.

Pyro TV | July 13, 2007Watch more videos from Pyro TV

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