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Business in der Holzklasse

Business in der Holzklasse

Video-Konferenz statt Meeting, Günstighotel statt Luxus und ab in die 2. Klasse - so treten Unternehmen derzeit kräftig auf die Kostenbremse, und die Reisebranche stöhnt. Hotels, Fluggesellschaften, Autovermieter und Geschäftsreisebüros leiden an deutlich weniger Geschäftsreisen. Dabei lief das Geschäft bei vielen noch bis in den Herbst 2008 hinein gut, dann schlug die Finanz- und Wirtschaftskrise durch. Besonders drastisch kürzen die großen Unternehmen ihre Reisebudgets. Unterschiede gibt es nicht nur in der Unternehmensgröße, sondern auch von Branche zu Branche. Besonders im Finanzsektor oder in der Automobilindustrie werden die Budgets eingestrichen. Die Reisebranche versucht, gegenzusteuern: Hotels bieten kostenloses Internet, Fluggesellschaften reduzieren ihre Kapazitäten, und die Autovermieter zeigen sich als Optimisten: Sie hoffen, dass kostenbewusste Firmen jetzt stärker Mietwagen statt Flieger buchen. Unsere Reporterin Carmen Meyer geht auf Dienstreise nach Frankfurt/Main. ---------------------------------------------------------------------- Ich bin gerade gelandet, unterwegs auf einer ganz besonderen Dienstreise. Mein Thema: "Die plötzliche Sparwut der Unternehmen bei Dienstreisen". Wo könnte ich darüber mehr erfahren als am Frankfurter Flughafen und von Lufthansa! Die stellt mir gleich einen Senior Vice President zur Seite. Offenbar ist ihr das schwierige Thema "Businessfliegen" sehr wichtig. "Heute morgen bin ich mit von Berlin nach Frankfurt mit Lufthansa. Da war die Economy Class voll und die Business Class war relativ leer. Ist das etwas, was Sie gerade zu spüren bekommen diesen Trend?", frage ich Herrn Karl-Rudolf Rupprecht, Senior Vice President bei der Lufthansa. "Auch wir spüren die Wirtschaftskrise, aber ich kann Ihnen sagen, es ist ein uneinheitlicher Trend.", sagt er. "Wir haben Strecken und Zeiten wo die Business-Class sehr gut gebucht ist und es gibt natürlich Zeiten wo die Business-Class weniger gebucht ist." Ich halte fest: hier man spürt die Krise. Weiter zur Autovermietung. "Deutsche Welle, Carmen Meyer. Ich habe einen Wagen reserviert." Hoffentlich wird das jetzt nicht zu teuer... "Das ist ein Ford Fiesta", sagt die freundliche Mitarbeiterin am Counter. "Ist das eigentlich die günstigste Preisklasse?" "Ja, das ist die Günstigste." "Kommt es eigentlich häufiger vor, dass Kunden nach kleineren Wagen fragen" "Ja ganz massiv sogar. Das war früher nicht so, aber momentan schon, ja" Für die Unternehmen zählt offenbar jeder Euro. "So, Frau Meyer, hier ist hier Schlüssel" Und dann erzählt sie noch, dass viele Geschäftsleute jetzt sogar als Fahrgemeinschaft reisen sollen. "Schönen Tag!" "Danke, Tschüß!" Welche Unternehmen denn jetzt am stärksten auf die Kostenbremse treten, frage ich Tobias Ruoff, den kaufmännischen Leiter von Hertz. "In erster Linie sind es die großen globalen Konzerne, wo der Nachfrageeinbruch am größten ist. Auf der anderen Seite die kleinen Unternehmen, die kleinen deutschen Unternehmen, da können wir derzeit glücklicherweise von keinem Einbruch sprechen." Aber gerade Frankfurt am Main, habe ich gehört, lebt von den Geschäftsreisen. 3,3 Millionen Gäste pro Jahr, die wenigsten fahren hierher, um Urlaub zu machen. Mein nächster Termin – ich bin beim Geschäftsreise-Spezialisten CWT. Rund 1000 Mitarbeiter organisieren hier für Kunden wie BASF und die Hypo-Vereinsbank, alles rund um das Reisen. Doch der Februar, sagen sie, war eine Katastrophe. Ein Minus von 36 Prozent. Dabei arbeitet CWT nicht nur auf dem deutschen Markt, sondern betreut Unternehmen weltweit. "Ist das jetzt typisch deutsch, dass an den Geschäftsreisen gespart wird, ist das wirklich ein Phänomen in Deutschland?, frage ich August Gossewisch den Geschäftsführer von Carlson Wagonlit Travel. "Das glaube ich nicht, aber vielleicht wie stark und wie diszipliniert man das angeht, das glaube ich schon, dass die Deutschen auch hier Weltmeister sind, nicht nur im Export sondern auch im Durchsetzen von solchen Maßnahmen, ich sehe das wenn ich die Zahlen meiner Kollegen ansehe, leidet Deutschland am stärksten." - Der ganze deutsche Geschäftsreisemarkt tritt voll auf die Bremse. "Guten Abend, Carmen Meyer von der Deutschen Welle. Ich habe ein Zimmer reserviert und einen Termin mit Herrn Singer." Das Hotel Friedberger Warte ist spezialisiert auf Geschäftskunden. Und der Hoteldirektor spürt – es wird deutlich weniger übernachtet. "Was gibt es denn heute? Kraftbrühe?" "Es gibt Kraftbrühe, Zander und Schweinebäckchen" Einige Gäste weichen aus auf Billighotels. Aber der Chef sieht nicht ein, auf Dumpingpreise umzusteigen. "Herr Singer, inwiefern wird denn wirklich an den Übernachtungen schon deutlich gespart?" Eduard Singer erzählt: "Es stehen die Leute wirklich an der Rezeption, die fragen, sie haben eine Reiselichtlinie erhalten, die 20 Prozent unter der Vertragsrate liegt, ja, wir möchten bitte was tun, also das in die Richtung schon auch!" "Also, man versucht hier richtig Preise zu drücken?", hake ich nach. "Aktiv! Jeder aktiv!", sagt Eduard Singer. Ich habe heute auch versucht, so wenig wie möglich auszugeben. Und das ist gerade der Trend bei den Geschäftsreisen: genau auf die Kosten achten.

DW-World | March 10, 2009Watch more videos from DW-World

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