
Die Experten der Ziemann Gruppe haben in 156 Jahren Firmengeschichte eigentlich alles schon gebaut, was mit Bier zu tun hat. Doch dies ist - selbst für sie - ein in jeder Hinsicht verrücktes Projekt: Mitten in der mexikanischen Wüste, 60 Kilometer von der nächsten nutzbaren Wasserquelle entfernt, errichtet der schwäbische Spezialist für Brautechnik die weltweit größte Anlage zur Bierherstellung. Zum Vergleich: Mit geplanten 30 Millionen Hektoliter Jahresausstoß wird die neue Brauerei rund sechsmal größer sein, als die größte deutsche Anlage bei Beck's in Bremen. Ziemanns Auftraggeber, der mexikanische Getränkegigant Grupo Modelo - besser bekannt als Erfinder der Biermarke Corona – weiß indes genau, was er tut: Die neue Anlage liegt in Piedras Negras (zu deutsch "Schwarze Steine") und damit praktisch am Grenzzaun zu den USA. Und genau dorthin will man sein Bier in spätestens fünf Jahren verkaufen. Bei seinem Besuch der Baustelle hatte MiG-Reporter Patrick Benning deshalb zwar noch keine Chance, Corona-Bier zu verkosten, allerdings kam er pünktlich zur Installation des gigantischen Läuterbottichs. --------------------------------------------------------- Es ist nur ein Viertel einer Bottichhaube und es geht nur in die erste Etage. Armin Daiß dirigiert: "Sag ihm, dass er auf den Pfeiler Acht geben soll … auf den rechten Pfeiler! Aufpassen auf den Pfeiler bitte!" Bauteil und Arbeitsgerät - alles fällt etwas größer aus als sonst üblich auf den Baustellen von Armin Daiß. "Ganz vorsichtig ablassen bitte!..OK! Passt … fertig!" Im riesigen Rohbau des Sudhauses braucht selbst der Bauleiter Orientierung. "Puffertank …Würzepfanne …Und ganz hinten ist der Whirlpool …" Reporterfrage: "Der Whirlpool? Was ist das Schönes?" Armin Daiß, der Baustellenleiter von Ziemann erklärt uns: "Whirlpool … Da werden praktisch die Trubstoffe beim Bier entfernt, indem praktisch seitlich das Bier eingeschossen wird und sich in so einem Rotationsverfahren die Trubstoffe in der Mitte absetzen …" Der Phantasie des Laien hilft ein Blick in die Galerie der Brautechnik in Armin Daiß’ Büro. "Ich such gerade mal noch ein Bild … Hier! So jetzt! So sieht die ganze Sache nachher aus. Sudhäuser sind schon was ganz Besonderes. Von der Qualität her: Die Nähte werden auch zum Teil geröngt und verschliffen. Hier zum Beispiel sieht man nicht mal mehr eine Schweißnaht. Also ein sehr hoher Qualitätsstandard." Die größten Tanks und Bottiche für die größte Brauanlage der Welt – sie entstehen in Handarbeit. Üblicherweise lässt Ziemann solche Behälter "am Stück" aus Deutschland importieren. Doch was hier gebraucht wird, ist einfach zu groß. Zwei Meter hoch ist jedes einzelne Zargenstück. Die fertigen Lagertanks haben die Größe von Einfamilienhäusern. "So, die sechzehn - das sind die Kleinen!" Armin Daiß hat Besuch von Ziemanns Firmensprecher Jörg Rositzke. Auch mit 150 Jahren Branchenerfahrung ist der Großauftrag aus Mexiko ein besonders prestigeträchtiger für die schwäbischen Spezialisten - und eine logistische Herausforderung ist er außerdem, denn das Projekt hat einen speziellen Zeitplan. "Hier auf den 3-Ds sieht man ganz gut die Ausbaustufen der Brauerei.", erklärt uns Jörg Rositzke, der Firmensprecher von Ziemann. "Wir befinden uns im Augenblick in Phase eins – also zehn Millionen Hektoliter. Sie sehen hier das Sudhaus – hinten den Kaltblockbereich." Das heißt: Da wird Bier gebraut, während wir an der zweiten Stufe dann bauen…Das ist Phase zwei mit zwanzig Millionen Hektolitern. Sie sehen also: Das Sudhaus ist jetzt doppelt so groß. Die Anzahl der Tanks hat sich verdoppelt. Und dann haben wir die finale Ausbaustufe mit 30 Millionen Hektolitern pro Jahr. Und so sieht dann die größte Brauerei der Welt in Piedras Negras aus, wenn wir damit fertig sind." Weit und trocken und ziemlich ruhig war es bisher am nördlichen Ende des mexikanischen Bundesstaats Coahuila. Von der Baustelle der Brauerei aus sind es nur 15 Kilometer bis Piedras Negras – und weiter zur Grenze nach Texas. Den US-Markt an der Hintertür - ein simpler Plan, den Mexikos Bierkonzern Grupo Modelo mit seiner Top-Marke "Corona" da verfolgt. Dass das Brauwasser per Pipeline aus 60 Kilometern Entfernung herangeschafft werden muss, ist nur eine von vielen Herausforderungen für Armin Daiß und seine mexikanischen Kollegen. Über 90 Prozent aller Projekte realisiert Ziemann im Ausland. Die Beziehungen hier in Mexiko aber sind besonders eng. Armin Daiß – Baustellenleiter: "Hin und wieder war ich mal in anderen Ländern. Aber ich kenn die schon, kann man sagen, seit 12 Jahren. Wir sind also, mehr oder weniger, in diesen Brauerein aufgewachsen hier." Andere Brauer unterhalten Anlagen in vielen Ländern. "Corona"-Bier aber MUSS aus Mexiko kommen - das ist Geschäftspolitik. Und der Grund, warum die größten Malzsilos der Welt hier in Piedras Negras stehen. Schon Ende 2009 soll hier das erste Bier fließen ... Ein sportliches Ziel. "Wie wahnsinnig groß das ist … Da geht’s weiter! Da hinten gibt’s Parkplätze noch für die LKWs. Das geht runter bis hier hinten hin, wo die den Kies rausholen …" Auch erfahrene Bauleiter sind manchmal beeindruckt . Wenn alles etwas größer ist, als üblich.
