
Jeder hat ihn schon in der Hand gehalten, meist ohne ihm besondere Beachtung zu schenken: einen Sektverschluss der "Metallwaren-Fabrik Schneider". Acht von zehn Sektverschlüssen weltweit stammen aus dem Unternehmen mit Hauptsitz im beschaulichen Bad Münster-Ebernburg in Rheinland-Pfalz. Rund zwei Milliarden Verschlüsse laufen bei Schneider & Co. jedes Jahr vom Band - produziert auf den selbst entwickelten Maschinen, dem bestgehütetsten Geheimnis der Fabrik. Philipp Bilsky schaut sich an, wie Schneider mit einem Stückchen Draht den Weltmarkt erobert hat. _______________________________ Fast jeder hat ihn schon einmal in der Hand gehalten. Wirklich beachtet wir er aber eher selten. Thomas Krauß schätzt den Sektverschluss: "Auf den ersten Blick ist es ein sehr simpel aussehendes Produkt. Es ist ein Wegwerfartikel, dem man keine besondere Bedeutung beimisst. Tatsächlich ist es aber ein Hightechprodukt." Die Metallwarenfabrik Schneider in Rheinland-Pfalz. Seit rund siebzig Jahren spezialisiert auf Sektverschlüsse. Zwei Milliarden Stück produziert das Unternehmen jedes Jahr. Geschäftsleiter ist Thomas Krauß. Entscheidend bei der Produktion: die Geschwindigkeit, mit der die Präzisionsverschlüsse hergestellt werden. Dazu sagt Krauß: "Wir fertigen heute diese Verschlüsse in einer Geschwindigkeit von bis zu 260-280 Verschlüssen pro Minute. Das in immer gleicher Qualität. Das ist die Kunst." Die Maschinen der Firma Schneider sind komplett "Marke Eigenbau". Sie sind das wichtigste Kapital der Firma. Sie sollen den Vorsprung vor der Konkurrenz sichern. Wichtige Details werden deshalb geheim gehalten. Doch soviel verrät Krauß: "Wir haben hier ungeschnittenes, vorkonfektioniertes Band. Dieses Bandmaterial ist nach unseren Vorgaben in einer bestimmten Schichtdicke ausgewalzt." Diese Material wird dann geschnitten und es wird in der Maschine mit dem Draht vereinigt. Dieser Draht muss bestimmte Dehn- und Brucheigenschaften haben, um in der Maschine in höchster Geschwindigkeit verarbeitet werden zu können. Krauß: "Und dann ist es ja nicht nur die Geschwindigkeit die beherrscht werden muss, denn wir reden hier von Genauigkeiten im hundertsten Millimeterbereich." Ein einzelner Verschluss kostet nur wenige Cent. Nur die Masse bringt den Gewinn. Schneider beliefert alle wichtigen Sekt-Märkte, darunter Italien und Frankreich. Hier im technischen Büro werden die Verschlüsse selbst entworfen. Die Wünsche der Kunden sind dabei durchaus unterschiedlich. Für die meisten Deutschen reicht es aus, wenn der Korken hält. Im Süden Europas, ist man da schon anspruchsvoller, sagt Krauß: "Da stellen wir fest, dass hier viel mehr Wert auf Ausstattung und Design gelegt wird. Sie sehen das hier an der grafischen Gestaltung eines Deckels. Dort ist man viel verspielter. Ist auch bereit für diese Ausstattung mehr Geld auszugeben." Doch egal ob schlicht oder extravagant - die Geschäfte laufen gut. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind hier nicht zu spüren. Das weiß auch Krauß: "Konsumiert, getrunken und gegessen wird immer. Und Sekt, Cava, Spumante und Champagner gehören auch in diese Segment. Also von Krise können wir zur Zeit nichts spüren." Acht von zehn Verschlüssen weltweit stammen von der Firma Schneider. Die Pfälzer sind unangefochtener Marktführer. Da lässt sich auch verkraften, dass die Verschlüsse meist achtlos im Mülleimer landen.
