
Der Welthandel bekommt die Folgen der Finanzkrise zu spüren. Auch geizen die Banken mit wichtigen Bürgschaften. Das bremst so langsam den Handel aus. Das Schmieröl fehlt, nämlich das Geld. Vor allem bei den großen Transporten läuft ohne Bürgschaften nichts. Bürgschaften aber braucht der Händler, damit er in Vorleistung gehen kann, wenn er zum Beispiel Fracht einkaufen und verschiffen will. Erst beim Verkauf bekommt er sein Geld. Wenn der Händler nichts mehr verschiffen kann, kann auch der Reeder nichts verschiffen. Und auch die Produktionsdrosselung, z.B. in der Autoindustrie, macht den Reedern zu schaffen. Nach der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten haben sich die Margen /Gewinne für ein Schiff mit 2500 Standardcontainern seit Anfang des Jahres mehr als halbiert. Peter Krämer spürt die Finanzkrise auch. Der Hamburger Reeder leitet die "Marine Service Gruppe" - eine der weltgrößten Tankschiffreedereien. Er verschifft unter anderem Stückgut. Und hier hat er dramatische Gewinneinbrüche. Dan Hirschfeld und Philipp Bilsky haben sich im Hafen umgeschaut. --------------------------------------------------------- Auf dem Weg in den Hamburger Hafen. Ein Frachter wie dieser transportiert auf einer Fahrt mehr als 40.000 Tonnen Ladung. Knapp neunzig Prozent des gesamten Handels zwischen den Kontinenten werden auf dem Seeweg abgewickelt. Aber immer weniger große Schiffe sind unterwegs. Schon seit mehreren Wochen beobachtet Thomas Rehder, der Vorsitzende der Hamburger Schiffsmakler, einen dramatischen Rückgang der Seetransporte. Schuld sind aus seiner Sicht vor allem die Folgen der Finanzkrise: "Damit der Reeder die Ladung fahren kann, muss der Exporteur den Export, den Verkauf der Ladung finanzieren können. Und der Empfänger muss sich erlauben können, die Ladung bezahlen zu können. Und wenn auf einem dieser beiden Enden die Finanzierungen nicht funktionieren, dann kommt auch das zu Grunde liegende Transportgeschäft nicht zu Stande." Und weil viele Banken inzwischen selbst langjährigen Kunden keine Finanzierung mehr geben, stockt der Welthandel. Auch Reeder Peter Krämer bekommt das zu spüren. Er hat 12 eigene Frachter, ist an 20 weiteren beteiligt. Bei seinen Kunden in Asien stehen Fabriken still, Bauprojekte liegen auf Eis. "China hat in den letzten vier bis sechs Wochen keine einzige Tonne Kohle mehr importiert, keine einzige Tonne Eisenerz mehr importiert.", erzählt er. "Die sitzen selber auf Halden. 75 Millionen Tonnen Eisenerz lagern in China, die man ja zur Stahlproduktion braucht, und die müssen erst mal abgearbeitet werden." Krämer verfolgt seine Schiffe am Bildschirm und sieht täglich, wie dramatisch die Lage ist: Rund um das Mittelmeer liegen große Frachter reihenweise leer vor Anker - auch Schiffe von Peter Krämer. "Das zweite Schiff was wir hier haben im Trockenbereich ist die 'Transocean'. Die seit Dienstag letzter Woche, also seit einer guten Woche keine Beschäftigung mehr hat. Also nur Geld kostet." Neue Aufträge bekommt Krämer kaum. Und wenn sich doch noch eine Ladung auftreiben lässt, dann nur zu Preisen, die die Kosten kaum decken: "Vor vier Monaten noch hat so ein Schiff 70-80.000 Dollar verdient pro Tag. Und es verdient heute in der freien Fahrt vielleicht 8000, 7000." Nur noch ein Zehntel der Einnahmen innerhalb weniger Monate. Mit dieser fast aussichtslosen Situation ist Krämer nicht allein. Zurück beim Verband der Schiffsmakler, nur ein paar Straßen entfernt. Die Statistik zeigt, wie dramatisch sich die Situation der gesamten Branche in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Thomas Rehder zeigt an einer Grafik: "Sie können hier genau sehen, dass wir hier ein konjunkturelles Auf und Ab haben. Und sie können weiter sehen, dass ab September, also von dem Zeitpunkt an, als die Lehmann-Brothers-Krise eintrat, wir ein deutliches Absinken bis auf ganz niedrige Stände üner alle Schiffsgrößen erlebt haben. Und damit umzugehen als Reeder ist sehr schwierig. Da muss man versuchen, flexibel zu sein und nach Möglichkeit Kapazitäten stillzulegen." Doch ihre Schiffe einfach stilllegen, das können nur die wenigsten Reeder. Denn die meisten Frachter sind auf Kredit gekauft, müssen eigentlich unterwegs sein, auch wenn es kaum Geld bringt. Reedereien, die nicht genug Reserven haben, könnte die Pleite drohen.
