
Der Winter steht vor der Tür – und damit die Heizsaison. Zwar sinkt der Ölpreis gerade etwas, aber dieses Jahr waren die Energiekosten schon so hoch wie nie zuvor. Eine umweltschonende Alternative zu Gas und Öl ist Erdwärme. Die ist bisher aber noch sehr teuer: rund 20.000 Euro kostet es, eine solche Heizung zu installieren. Doch das soll nun vorbei sein. Der Heiztechnik-Spezialist Vaillant will mit einer neuen Bohrtechnik den Markt der Erdwärme-Heizungen erobern. Mit einem scharfen Hochdruck-Wasserstrahl sollen die notwendigen Tiefbohrungen für Erdwärmeheizungen einfacher und bis zu 30 Prozent günstiger werden. Schon jetzt werden in Deutschland jedes Jahr 600.000 Heizungssysteme erneuert. Viele Kunden wollen auf regenerative Energien umsteigen. Ein guter Antrieb für Vaillants Geschäfte: wenn die neuen Bohrtechnik sich verbreitet, soll die Produktion der Wärmepumpen rasant zunehmen. Grit Hofmann hat sich die neue Technik zeigen lassen. --------------------------------------------------------- Eigentlich sollte es sprudeln – hier in einer Düsseldorfer Vorstadt. Doch aus dem Hydrant fließt kaum Wasser. Versuch Nummer drei. Wenn hier nichts kommt, kann Bohrtechniker Volker Wittig gleich wieder einpacken: "Das Problem ist, dass wir eventuell zu wenig Wasserdurchfluss haben. Das kann schon mal vorkommen. Entweder sind die Hydranten verschmutzt, dass da was drin sitzt, oder die Leitungen sind nicht hoch genug eingestellt." Dann fließt es aber doch... in Richtung Vorgarten. Dort werfen die Kollegen schon die Bohrmaschine an. Für die brauchen sie das Wasser. Das Technikerteam um Volker Wittig will eine Erdwärme-Heizung installieren. Die holt die natürliche Wärme aus dem Boden und heizt damit. Die Idee ist alt, das Verfahren aber brandneu: Die Innovation: ein scharfer Wasserstrahl im Bohrer. Er räumt den Weg frei nach unten. Volker Wittig entwickelt die neue Bohrtechnik: "Das bringt uns halt Verfahrensvorteile, dass wir deswegen schneller bohren können und andererseits durch den Wasserhochdruck in der Lage sind, später auch harte Gesteine gut und schnell zu schneiden. Damit können wir die Sonde auch gut und sicher einbauen." Drei Erdwärme-Sonden will Volker Wittig später im Vorgarten versenken: jede 50 Meter tief, da ist es warm genug. Erst sein Verfahren hat den Hausherrn überzeugt. Denn bislang mussten für eine Erdwärme-Heizung überall im Garten Löcher gegraben werden. Das dauerte und war teuer! Mit dem neuen Hochdruck-Bohrer kostet die Heizung am Ende ein Viertel weniger, etwa 15.000 Euro. Auch, weil die Bohrmaschine nicht mehr umgesetzt werden muss. Hausbesitzer Gregor Bussmann ist überzeugt: "Vom Platzangebot ist nicht viel Platz. Und wenn man drei oder vier Bohrungen nebeneinander setzen würde, muss ein gewisser Abstand eingehalten werden. Und bei dieser Technik ist es möglich, von einem Standort mehrere Bohrungen zu machen, also auch schräg zu bohren. Und zudem, das Verfahren ist deutlich schneller und auch kostengünstiger! Von daher hab ich mich entschieden, das hier zu probieren." Mit der neuen Technik entstand ein neues Unternehmen. Wittig hat als Wissenschaftler an der Universität das neue Bohrverfahren entwickelt. Vier Jahre lang, gemeinsam mit Kollegen. Mit dem Patent in der Tasche suchten die Tüftler dann ein Unternehmen, um die Idee zu vermarkten. Der Heizungsbauer Vaillant war interessiert: Gemeinsam gründeten sie die Firma "Vaillant Geosysteme". Heute ist Volker Wittig Entwicklungschef bei Vaillant Geosysteme: "Wir waren an der Kante schon, dass wir sagen: ja, das Ganze muss jetzt industrialisiert werden. Und da suchten wir auch einen starken Partner, mit dem wir das Ganze weiter tragen konnten, umsetzen konnten in die Wirtschaft. Weil wir wollten das nicht auf Regal verstauben lassen." Für den Heizungsbauer Vaillant ein Glücksgriff. Das Unternehmen produziert Wärmepumpen, ein Teil der Erdwärmeheizung. Schon jetzt wächst der Markt jährlich um 10%. Und ab nächstem Jahr müssen Neubauten per Gesetz auch mit Öko-Energie laufen. Das wird das Geschäft mit der Erdwärme weiter anheizen, hofft Vaillant. Da kam das neue Einbau-Verfahren gerade recht sagt Marc Andree Groos vom , Vaillant-Marketing: "Wir glauben, dass wir langfristig Kosten senken. Es ist sauberer, wir können im kleineren Raum arbeiten, es ist innovatives Verfahren. Deshalb wollten wir uns früh den Zugang sichern. Glauben auch, dass dadurch besser Wärmepumpen vermarkten können, weil als Komplettanbieter auftreten können, und Zusatznutzen für Hausbesitzer, den er so bei anderen Anbietern nicht bekommen können." Zurück in Düsseldorf – im Vorgarten wird immer noch gebohrt. Gregor Bussmann wird für seine Erdwärmeheizung tief in die Tasche greifen müssen. Sie ist dreimal so teuer wie eine neue Ölheizung. Doch schon in fünf Jahren rentiert sie sich. Denn Gregor Bussmann hat sich gerade aus Kostengründen für Erdwärme entschieden: "Man muss mit 1.000, 1.500 Euro bei diesem Haus rechnen, an Energiekosten, die man spart. Und wenn die Energiepreise weiter steigen, wird das immer mehr! Das hat man schnell raus!" Noch drei Tage bleibt die Bohrmaschine in Bussmanns Garten. Schon in einer Woche wird sein Haus aus der Erde beheizt. Das Heizöl für den nächsten Winter hat er gerade abbestellt.
