
Michaela Aurenz, 23 Jahre ist eine junge Unternehmerin. Ann Christin Hahn, 27 Jahre, ebenfalls. Beide Frauen gehören zur neuen Generation, die nicht auf spezieller Frauenförderung besteht, Karriere machen ist für sie keine Frage des Geschlechts. Die Gemeinsamkeiten: Beide Frauen haben ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen und führen eine Firma. Die Unterschiede: Michaela Aurenz ist Anfang 2008 ihrem Vater in die Geschäftsleitung gefolgt. Umsatz: 70 Millionen Euro – mit Blumenerde. Sie hat sich für den Familienbetrieb entschieden, obwohl ihr auch eine Karriere in einem internationalen Konzern offen steht. Ann Christin Hahn ging mit null Eigenkapital an den Start. Zwar tritt sie, was die Idee angeht, in die Fußstapfen ihres Vaters. Aber sie gründete ihre eigene Firma und bringt Laser-Gravuren auf Bauteile, technische Geräte oder Geschenkartikel. Mabel Gundlach stellt beide Frauen vor. Unser Thema in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. ------------------------------------------------------------- Sie hatte Zeit, sich an ihre neue Rolle zu gewöhnen. Michaela Aurenz sitzt in der Geschäftsführung einer Firma, die Blumenerde macht: "Mein Vater hat sehr viel dazu beigetragen, dass wir von klein auf dabei sein durften und er hat uns auch immer alles erklärt, Maschinen erklärt und so und darum ist es mir auch sehr leicht gefallen, mich dafür zu entscheiden." Seit Anfang des Jahres macht die 23jährige den Job im Familienunternehmen. Dazu gehört manchmal auch, im Moor zu sein. Dort, wo der Torf für die Blumenerde herkommt. Eine junge Unternehmerin – das ist auch sie: Ann Christin Hahn, 27 Jahre. Vor gut drei Jahren hat sie ihre kleine Firma gegründet. Ihr Geschäft: Lasergravuren. Gelernt hat sie das bei ihrem Vater, doch in seine Firma wollte Ann Christin Hahn nicht einsteigen: "Ich habe im Studium schon Entrepreneuring gehört, das war: Wie gründe ich ein Unternehmen? Wie mache ich einen Businessplan? Und da wurde uns auch gesagt, wenn sie die speziellen Förderungen vom Staat in Anspruch nehmen wollen, dann heisst das, sie müssen erst die Förderungen beantragen, dann diese Förderung genehmigt bekommen. Wenn sie einen Handschlag vorher tun, bevor das Ja kommt, kommt das Geld nicht. Und ich wollte loslegen!" Finanzierungsprobleme gab es für Michaela Aurenz nicht. Sie musste sich aber in den bestehenden Strukturen durchsetzen: "Ich würde nicht sagen, dass es durch mein Alter und dass ich eine Frau bin schwieriger war. Es war am Anfang ein bisschen eine Hürde, aber wenn die Leute merken, man versteht was vom Geschäft und man strengt sich an, dann hat man auch das Wohlwollen." Die Firma gründete ihr Vater vor fünfzig Jahren. Michaela Aurenz soll die Tradition fortsetzen. Sie übernimmt eine große Verantwortung. 70 Millionen Euro setzt die Firma jährlich um. 400 Mitarbeiter sind in den verschiedenen Produktionsstätten tätig. Erfahrungen hat die studierte Betriebswirtschaftlerin bei verschiedenen Praktika in Großunternehmen gesammelt. Die direkte Kommunikation – das schätzt sie am Familienunternehmen. Und sie kann ihre Stärken einsetzen. Am wohlsten fühlt sie sich im Vertrieb: "Ich bin jetzt nicht so der Techniker. Es fehlt mir, wenn ich auch tagelang nur im Büro sitze und mit niemandem telefoniere oder mit niemanden verhandele oder spreche. Darum mache ich auch gern die Vertriebsseite." Arbeitsteilung – die gibt es in der kleinen Firma von Ann Christin Hahn nicht. Noch macht hier jeder alles. Und auch wenn sie mittlerweile drei Mitarbeiter hat, sind die Arbeitstage für die Jungunternehmerin oft lang: "Es ist schon viel, ich gehe eigentlich nicht zu einer bestimmten Uhrzeit nach Hause, sondern wenn ich das Gefühl habe, ich beweg hier nichts mehr." Ihr Geschäft läuft. Mit einem mobilen Lasergerät fährt sie zu Industrie-Kunden und graviert vor Ort zum Beispiel Seriennummern. Doch mittlerweile hat sie noch ein anderes Standbein. Ihren größten Umsatz macht Ann Christin Hahn jetzt im Internethandel mit lasergravierten Geschenkartikeln: "Wir haben letztes Jahr einen Umsatz von fast 300.000 Euro gehabt, wir haben im Moment ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 60%, das ist in der Gründungszeit, glaube ich, auch normal, irgendwann wird das ein bisschen abflachen aber wenn das in dem Tempo weitergeht, hat der Raum hier ausgedient." Erfolg mit der eigenen Firma: Für Michaela Aurenz auch eine Frage der persönlichen Entwicklung: "Wir sagen ja Wachstum ist unsere Stärke und ich denke, da kann ich die Firmenphilosophie ja auch gut mit mir selbst verbinden: Ich möchte auch wachsen in meinen Aufgaben und meinen Erfahrungen, was ich leisten kann." Ein bestehendes Familienunternehmen hier, eine neue Firma dort: Beide Frauen blicken optimistisch in die Zukunft: Unternehmerin Ann Christin Hahn: "Ich denke, dass ich so zwölf, fünfzehn Mitarbeiter beschäftigt haben möchte in der Zeit. Die Firma muss so fit sein, dass sie es aushält, wenn ich mich mal rausziehe. Das ist so mein Ziel für die nächsten fünf bis zehn Jahre." Eine neue Generation: Für die jungen Frauen ist es ganz selbstverständlich, Unternehmerinnen zu sein.
