
Er ist Hoffnungsträger und Sorgenkind zugleich – der Airbus A380. In den vergangenen Monaten gab es zu ihm fast nur Negativ-Nachrichten. Davon will sich die deutsche Lufthansa nicht beeindrucken lassen. Sie hat 15 Maschinen bestellt und hält an dieser Zahl fest. Nun stehen die ersten Modelle kurz vor der Fertigstellung. Für Deutschlands größte Fluggesellscharft entsteht ein neues Flagschiff. MADE IN GERMANY zeigt den Kraftakt und ist dabei, wenn ein Ingenieur der Lufthansa am Standort Toulouse die ersten Maschinen unter die Lupe nimmt. Auftakt-Reportage einer Langzeitbeobachtung von Christoph Kober . Der Autor begleitet den Weg einer A 380 von der Montage Anfang Mai bis zur Auslieferung im März 2010. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Der neue Riesen-Flieger ist sein bisher wichtigster Auftrag - seit 20 Jahren ist Erwin Hattensperger Techniker bei der Lufthansa. Einen Job dieser Größe hatte er noch nie. Aus vier Millionen Teilen entsteht hier in Toulouse das größte Passagierflugzeug der Welt. Und das Lieblingsteil des Inspektors im gigantischen Technik-Puzzle: Der Flügel: "Es ist echt der Hammer. Wenn man's so hängen sieht.", sagt er. "Die Form von der Fläche, das ist einfach gigantisch. Es gibt ja auch keine größere im Moment, möglicherweise nie wieder.". Die Spannweite von einem Flügel zum anderen beträgt fast 80 Meter. Der Flugzeug-Prüfer kontrolliert heute die erste von ingesamt 15 A380-Maschinen, die die Lufthansa bestellt hat. Wenn die Teile zusammengebaut sind, beginnt der Einsatz. Bei einem Preis von rund 280 Millionen Euro lässt die Lufthansa gern eigene Experten nachschauen, ob alles sitzt. Etienne Jackson, Airbus Kunden-Manager: "Wir können uns heute den Bereich unterhalb der Flügel anschauen. Dazu gehören die Verbindungs-Stelle zwischen Flügel und Rumpf und auch die Unterseite des Fahrwerks." Doch vorher will der Inspektor noch die Kabine sehen. Zum ersten Mal überhaupt darf ein Kamerateam hier filmen. Später sitzen hier mehr als 500 Passagiere. Auf dem Oberdeck in der First- und Business-Class ist noch nichts zu sehen von der Luxus-Ausstattung, die Langstreckenflüge bequem machen soll. Der Flugzeug-Prüfer schaut in jeden Winkel. Er sieht alles mindestens drei Mal bevor die Maschine fertig ist - Stromleitungen, Anschlüsse, Dämm-Material. "Das ist alles relativ leicht gebaut.", erklärt Erwin Hattensperger. "Die Isolierung hat oft durch den Einbau kleine Fehler, Abscheuerstellen und das muss dann halt ausgebessert werden, wenn wir das finden." Zuletzt passten die Kabel nicht. Eigentlich sollten die Arbeiten schon viel weiter sein. Nächster Kontroll-Punkt: Der Flugzeugbauch. Hier laufen Flügel und Rumpf zusammen. Eine der wichtigsten Stellen der ganzen Maschine. Denn daran zerren beim Flug enorme Kräfte. Kleine Mängel könnten zur Katastrophe führen: "Das ist halt extrem wichtig, das hier alles sauber gemacht ist, weil die Tragflächen das Wichtigste am ganzen Flugzeug sind." Lose Schrauben. Sie könnten später Löcher in die Tanks reißen. Letzter Stopp des Tages - das vordere Fahrwerk. Reifen und Stoßdämpfer müssen bei der Landung das Gewicht von umgerechnet mehr als 70 Elefanten abfedern. Und auf Hattensperger lastet der enorme Druck, bloß nichts zu übersehen. Er muss garantieren, dass später alles funktioniert: "Da steckt schon eine gewisse Verantwortung dahinter, wenn man bedenkt, dass dann 550 Leute in dem Teil sitzen, dass man seinen Namen dafür hergibt, um das zum Betrieb freizugeben." Bis dahin wird es noch dauern. In ein paar Wochen kommen erst einmal die Triebwerke - und auch die muss der Flugzeug-Prüfer unter die Lupe nehmen.
