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Teurer Rohstoff – Wieviel Spekulation steckt im Ölpreis?

Teurer Rohstoff – Wieviel Spekulation steckt im Ölpreis?

Der Ölpreis bricht einen Rekord nach dem anderen und die Ölförderstaaten weisen jede Verantwortung von sich. So bezeichnete der saudi-arabische Ölminister die Preissprünge als "nicht gerechtfertigt" und schrieb die Verantwortung Spekulanten zu. Einige Experten aber beharren darauf, dass der hohe Ölpreis Ausdruck von Angebot und Nachfrage ist. MADE IN GERMANY hat sein Reporterteam in alle Welt ausgesandt, um Meinungen von Fondsmanagern und Händlern einzusammeln. Jens Korte fragt an der New Yorker Energiebörse Nymex nach, Christoph Wanner spricht mit Anlageberatern in Moskau, Grit Hofmann ist in Frankfurt und Berlin unterwegs. _______________________________________________________________ New York - Zentrum der Finanzwelt und wichtigster Handelsplatz für Öl. Das Preiskarussel dreht sich immer schneller. Und die Schuldigen scheinen schon gefunden: Spekulanten, die die Preise hochtreiben. Dagegen wehren sich die Händler an der weltgrößten Rohstoffbörse. Raymond Carbone, Ölhändler bei Paramount Options Incorporated erklärt den hohen Ölpreis mit dem zunehmend knappen Angebot: "Wir haben eine explodierende Nachfrage in den aufstrebenden Märkten. Ich denke da an China, Indien und natürlich die Golf Staaten, die lange die Hauptlieferanten von Energie waren. Heute verbrauchen sie selbst 40% von dem, was sie früher exportierten." Frankfurt - das deutsche Börsenzentrum. Hier lässt der hohe Öl-Preis die Einnahmen sprudeln. Zumindest von Fondsmanagern wie Klaus Breil. Seinen Energie-Fonds hat er zu 68% mit Aktien aus der Ölwirtschaft bestückt: Steigt der Preis, profitieren die Öl-Unternehmen und damit auch sein Fonds. Der Cominvest-Fondmanager ist der Meinung, nur ein kleiner Teil des Ölpreises, etwa 20% seien Spekulation. "Ein Energie- oder Rohstoffpreis kann sich niemals halten auf einem hohem Niveau, wenn nicht die physische Nachfrage hoch ist. Und die physische Nachfrage bei Öl sind jeden Tag 87 Mio. Fass Öl." Und das lockt auch Kleinanleger an. Berlin - die deutsche Haupstadt, eine ganz normale Bank. Hier suchen die Privatkunden nach sicheren Anlagen mit guten Renditechancen. Rohstoff-Fonds mit Öl-Papieren gelten als vielversprechend, zum Beispiel als Vorsorge fürs Alter. Das erlebt Anlageberater Frank von Mach täglich. Doch er rät Kunden ab, in den reinen Rohstoff Öl zu investieren. Der Preis sei schon zu weit hochgetrieben, nicht mehr real. "Wir gehen davon aus, da steckt ein hohes Maß Spekulation drin. Wir können Preise erklären bis circa 100 Dollar. Was darüber hinaus geht, handelt sich um einen spekulativen Bereich." Doch von Mach warnt auch, alle Investmentbanken und Fondsspezialisten als gierige Spekulanten zu sehen. Frank von Mach, Anlageberater Commerzbank: "Es gibt in dem Sinne wenige Heuschrecken und wenige Spekulanten. Sondern das sind Anleger, die Zeitung lesen und Anleger, die sagen: Ich sehe hier ein Gut, das sich kontinuierlich im Wert entwickelt. Darüber hinaus ist jedem klar, dass es begrenzte Ölreserven gibt. Deshalb investieren Leute dort. Da kann auch klein Fritzchen von nebenan derjenige sein, der Teil der spekulativen Komponente am Markt ist." Moskau - die russische Hauptstadt. Auch hier wird viel Öl verbraucht - und damit ein gutes Geschäft gemacht. Iwan Lapatin handelt mit Aktien russischer Ölkonzerne wie Rosneft oder Lukoil. Sie, so glaubt er, werden auch in Zukunft nicht genug Öl fördern können: "Ich denke, dass die Preise für Öl weiter steigen werden. Bald sind wir bei 150 US-Dollar. Dann nehmen wir gegen Jahresende die 170-Marke und nächstes Jahr sind wir bei 200 US Dollar. So wird es wohl laufen." Angst vor einer Ölpreis-Blase, die platzen könnte, hat der Finanzspezialist nicht. Nur bei einer globalen Wirtschaftskatastrophe würde der Preis sinken. Doch die hält er für unwahrscheinlich.

DW-World | June 17, 2008Watch more videos from DW-World

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