
In dieser Woche sprechen wir mit Prof.Dr. Gerhard Bosch, Arbeitsexperte, Institut für Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg-Essen über Investitionen in schwierigen Konjunkturlagen. DW-TV: Im Glaswerk Ernstthal in Thüringen wird weiter investiert, in der Hoffnung, dass die Auftragslage weiter so stabil bleibt. Herr Bosch, ist das eine Ausnahme, was da gerade in dem Glaswerk passiert? Liegen Investitionen im Moment im Trend? Gerhard Bosch: In den letzten Jahren haben die deutschen Unternehmen ganz kräftig investiert. Wir haben Wachstumsraten von sechs oder acht Prozent pro Jahr von 2005 bis 2007. Die Unternehmen hatten Engpässe. Sie haben in den Jahren zuvor wenig investiert. Auf einmal kamen die Aufträge hinein, sie haben auch Geld verdient, konnten also die Investitionen finanzieren und haben dann ganz kräftig in die Zukunft ihrer Unternehmen investiert. DW-TV: Weil sie gerade Engpässe angesprochen haben, hätte es eigentlich schon viel früher passieren müssen, damit jetzt keine Engpässe kommen? Gerhard Bosch: So läuft üblicherweise die Konjunktur. In der Krise - und wir hatten in Deutschland eine ganze Reihe schlechter Jahre - haben die Unternehmen zum Teil zuwenig an ihre eigene Zukunft geglaubt, haben zuwenig investiert. Sie hatten zum Teil auch nicht das Geld dafür, oder hätten keine Kredite bekommen. Es wurde auch zuwenig in die Ausbildung und in die Weiterbildung ihrer Leute investiert. Und sobald dann die Auftragslage anzieht, sind sie konfrontiert mit all möglichen Engpässen. Sie können nicht liefern, finden keine Fachkräfte und es wäre besser gewesen, sie hätten früher investiert. DW-TV: Und jetzt sieht es so aus, als ob sich die Konjunktur ein Stück weit wieder abschwächt. Wir sind jetzt wieder in so einer kleiner Abwärtskurve. Anfang des Jahres hieß es noch, die Wirtschaft in Deutschland wächst so schnell, wie seit 12 Jahren nicht mehr. Jetzt sieht es ganz danach aus, dass sich das Bild trübt, die Industrieproduktion ist gesunken, die Aufträge gehen zurück. Wir schauen einmal auf die Stimmungslage der deutschen Unternehmen, auf den Ifo-Geschäftsklimaindex. Das Ifo-Institut hat bei den Managern den stärksten Pessimismus seit drei Jahren ermittelt. Lagen die Werte im vergangenen Jahr noch zeitweise bei über 108 Punkten, so sind sie im Juli dieses Jahres deutlich auf 97,5 gesunken. Muss uns das jetzt beunruhigen? Gerhard Bosch: Pessimismus ist noch keine Realität, das ist erst einmal Stimmung, vielleicht auch die Wahrnehmung von Problemen. Und da haben die Unternehmen natürlich recht, wir haben möglicherweise Probleme, weil der Euro-Kurs so hoch ist. Wir sind Exportland Nummer eins. Ein hoher Eurokurs macht deutsche Waren sehr viel teurer auf dem Markt. Das beunruhigt die Unternehmen, gleichermaßen beunruhigt sie die Finanzkrise im Internationalen Bereich. Aber von der Krise würde ich noch nicht sprechen. Die deutsche Wirtschaft wächst noch dieses Jahr. Sie wird auch nächstes Jahr wachsen. DW-TV: Wo liegt das Kernproblem? Gerhard Bosch: Das Kernproblem liegt in der Unsicherheit bei den Internationalen Finanzmärkten, also der amerikanischen Immobilienkrise, dem Zusammenbruch von Banken und der Gefahr, dass das zu uns rüberschwappt. Und natürlich in Folge dessen, das der Dollar schwächelt und der Euro hochgeht und sich die Energiepreise erhöhen. Das sind die Unsicherheiten, die alle zusammen kommen. Interview: Anja Heyde
