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Studiogespräch mit Gerhard Bosch

Studiogespräch mit Gerhard Bosch

vom Institut für Arbeit und Qualifikation. DW-TV: Gerhard Bosch ist jetzt bei uns, vom Institut für Arbeit und Qualifikation von der Universität Duisburg-Essen. Herzlich Willkommen Herr Bosch! Herr Bosch, wir haben im Beitrag gerade einen sehr, sehr erfolgreichen indischen IT-Unternehmer gesehen. Ist die Krise in Indien eine andere, oder gibt’s die da gar nicht? Gerhard Bosch: Doch, die Krise gibt’s da auch, die ist weltweit. In Indien und in China bedeutet aber Krise schon weniger Wachstum. Sie sind ja Wachstumsraten von über 10 Prozent gewöhnt. Und sie brauchen auch ein sehr hohes, weil da Hunderttausende Jugendliche jährlich auf dem Arbeitsmarkt neu hinzukommen. DW-TV: Schauen wir mal nach Deutschland. Die Bundesregierung hat jetzt das größte, ein historisches Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. 50 Milliarden für die Konjunktur - rettet uns das? Gerhard Bosch: Das rettet uns ein bisschen, aber wir werden trotzdem mit hoher Arbeitslosigkeit rechnen müssen, also mit einer Abnahme der Erwerbstätigkeit, und vor allem dauert es auch etwas, bis das Konjunkturprogramm wirkt. Bis die Aufträge rausgehen für neue Investitionen, dauert es mindestens bis zur Sommerpause, und von daher wird der Effekt nicht sofort eintreten. DW-TV: Also, nicht genug in Ihren Augen? Gerhard Bosch: Doch, absolut genug, aber man hat ja noch ein Zusatzinstrument eingebaut, nämlich die Kurzarbeit, die diese Zeit bis zum Sommer überbrückt. Das heißt, die Unternehmen können die Beschäftigten halten, und der Staat, oder die Arbeitsbehörde, finanziert das über Kurzarbeitergeld. Und man entlässt in Deutschland damit nicht Köpfe, sondern Stunden. Und das ist auch gut so. Weil die Unternehmen möglicherweise dann, wenn das Konjunkturpaket greift und die Wirtschaft wieder nach oben geht, auch diese Arbeitskräfte brauchen. DW-TV: Trotzdem, wenn man mal auf die Zahlen schaut, werden wir nicht umhinkommen und auch weniger Erwerbstätige haben im kommenden Jahr. Wenn man mal schaut: ab 2000 gab es ein kleines Auf und Ab, 2006 sieht man dann einen ganz deutlichen Anstieg, und für 2010 wird dann ein Rückgang um etwa 1 Million Erwerbstätige erwartet. Das ist sehr viel! Aber wie genau sind denn solche Prognosen? Gerhard Bosch: Ganz genau können sie nicht sein. Denn man weiß ja nicht, was genau in anderen Ländern passiert. Ich halte es aber für wahrscheinlich, dass viele der Arbeitskräfte, die schon in der Arbeitslosigkeit sind, sind ja entlassen worden als Leiharbeiter. Sie hatten keinen Arbeitsvertrag. Das heißt, selbst die Kurzarbeit kann nicht alles abpuffern, die Aufträge der Unternehmen sind zurückgegangen, und es gibt Konkurse. Also, ich rechne damit, dass diese Zahlen ungefähr eintreffen, trotz des Konjunkturpaketes. DW-TV: Schauen wir noch mal auf den Ifo-Geschäftsindex, der hat sich verbessert - um wenige Punkte muss man sagen, aber er hat sich verbessert. Ist da schon eine Trendwende zu erkennen? Gerhard Bosch: Nein! Ich würde sagen, wir sind unten angekommen am Tiefpunkt, und die Unternehmen denken, jetzt wird es nicht mehr schlechter, wir haben alle Nachrichten, und jetzt schauen wir nach vorne. DW-TV: Vielen Dank, Gerhard Bosch vom Institut für Arbeit und Qualifikation! (Interview: Anja Heyde)

DW-World | January 27, 2009Watch more videos from DW-World

Tags:. .dauert. .herzlich. .mindestens. .krise. .weniger

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