
Felix Matthes ist Experte für Energie und Klimaschutz beim Öko-Institut und spricht mit MADE IN GERMANY über das Thema "Energieeffizienz". DW-TV: Beim Staubsaugerhersteller Vorwerk versucht man die Umwelt zu schonen und Energie zu sparen. Wie wird denn bei ihnen zu Hause gesaugt? Felix Matthes: Elektrisch aber auch mit einem relativ modernen Gerät. DW-TV: Sie sparen also auch Energie? Felix Matthes: Ich spare Energie und vor allen Dingen Geld. DW-TV: Gibt es da noch irgendwelche Einsparmöglichkeiten, die Ihnen spontan einfallen, die bislang bei Vorwerk übersehen wurden? Felix Matthes: Das kann ich natürlich aus der Ferne nicht beurteilen, aber richtig ist: Energie einsparen ist einerseits immer das Zusammensammeln von vielen, dezentralen Aktivitäten und zweitens, und das haben wir auch ansatzweise gesehen, dass man Prozesse integriert. Indem man Arbeitsabläufe zusammenlegt, kann sehr viel Energie und auch Geld gespart werden. DW-TV: Liegt das eigentlich im Trend? Wie energiebewusst sind die Deutschen denn bisher? Felix Matthes: Ich glaube, das Bewusstsein ist deutlich gestiegen. Insbesondere nach dem Jahr 2008, als sich die Energiepreise kurzzeitig verdreifacht hatten, und wo sich gezeigt hat, dass Unternehmen verletzbar sind in Bezug auf Energiekosten und Energiepreise. Das Bewusstsein hat sich erhöht, aber Energieeinsparung ist trotzdem weiterhin die verborgene und unterschätzte Energiequelle. DW-TV: Energiesparmaßnahmen gibt es schon eine ganze Weile, vor allem in Industriezweigen, die sehr energieintensiv sind. Zum Beispiel: Die chemische Industrie hat es geschafft, in einem Zeitraum von 18 Jahren etwa, die Produktion um 43% zu steigern, aber gleichzeitig konnte man den Energieverbrauch um 27% senken. Das klingt super, wie haben die das gemacht? Felix Matthes: Da gibt es, glaube ich, drei Gründe. Erstens hat sich die Produktionsstruktur verändert. Die Produkte, die heute hergestellt werden, sind nicht mehr so energieintensiv wie vorher. Von der Grundstoffchemie zur Pharmazie, übertrieben gesprochen. Zweitens sind die Produkte wertvoller geworden, haben also höhere Preise. Dadurch ist der spezifische Energieverbrauch runtergegangen. Und drittens hat man natürlich viele technische Maßnahmen ergriffen. DW-TV: Es war also in erster Linie ein Nebeneffekt einer ganz normalen Entwicklung, aber es wurden auch Maßnahmen ergriffen. Oft muss man erst ein bisschen investieren, um dann später sparen zu können. Jetzt, in der derzeitigen Krise ist das aber vielleicht nicht die beste Zeit... Felix Matthes: Das ist eins der großen Probleme bei der Energieeinsparung. Erstens muss man suchen, und suchen verbraucht Zeit und Geld. Zweitens muss man dann investieren und diejenigen, die vorher investiert haben, die haben es besser. Aber das ist eine Warnung. Wenn man nicht vorher investiert, wird man verletzbar und dann bekommt man Probleme. DW-TV: Wo liegt Deutschland eigentlich im internationalen Vergleich, wenn es um Energiesparmaßnahmen in den Firmen geht? Felix Matthes: Das hängt sehr von den Sektoren ab. Wir haben einige Sektoren, die haben sehr große Energiesparerfolge errungen, die auch im internationalen Vergleich sehr gut sind. Wir haben andere Bereiche, da liegen wir im Mittelfeld. Das ist wie bei der Energieeinsparung: Es hängt sehr vom einzelnen Fall ab, man muss sehr genau hingucken. Deswegen ist Energie einsparen so mühsam. Aber wenn man es gemacht hat, sind die Erfolgserlebnisse immer groß. (Interview: Monika Jones)
