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Studiogespräch mit Bernhard Jünemann, Börse Online

Studiogespräch mit Bernhard Jünemann, Börse Online

Wir reden mit Bernhard Jünemann, dem stellvertretenden Chefredakteur von Börse Online über die Chancen und Risiken für Unternehmen bei einem Börsengang DW-TV: Der Mischkonzern Evonik ist auf dem besten Weg unter die Top 30 zu kommen, in den DAX. Ist das ungewöhnlich angesichts dessen, was die Ruhr-Kohle-AG, aus der Evonik hervorgegangen ist, in den letzten 5 Jahren geleistet hat? Bernhard Jünemann: Ja, man kann schon sagen, denn das war eine Meisterleistung, die Herr Müller da vollbracht hat. Der musste ja den hoch subventionierten Kohlebereich rauslösen. dafür musste eine Lösung gefunden werden. Das Geld aus dem Börsengang wird später dafür verwandt. Das musste auf der politischen Ebene diskutiert und durchgesetzt werden, und das ist in der Tat eine große Leistung. DW-TV: Jetzt hat man ein Viertel an einen Finanzinvestor verkauft. An die Börse zu gehen, wäre auch eine Option gewesen. Das hat man aber nicht getan, warum nicht? Bernhard Jünemann: Den Preis, den man jetzt erzielen könnte, angesichts der schwierigen Situation an der Börse, wäre sehr viel niedriger gewesen. Und da hat sich dann angedeutet, dass man diese Option eines Finanzinvestors wahrnimmt. Der sagt sich, wenn das Unternehmen sich gut entwickelt, dann werde ich eines Tages auch das Geld von der Börse wiederholen können und zwar mit sehr großem Gewinn. Man hat ja ehrgeizige Pläne. Man will den Unternehmenswert in den nächsten Jahren vervierfachen. DW-TV: Also, glauben Sie schon oder gehen Sie schon davon aus, dass das auch Zukunft hat? So ein Finanzinvestor, der geht ja kein Risiko ein. Bernhard Jünemann: In der Tat. Risiko gehen die schon ein, das ist wichtig. Aber Sie wollen am Ende auch für das Risiko belohnt werden, das Sie eingehen. Und in diesem Fall heißt es ganz klar das Evonik mit diesen Bereichen Energie, Immobilien und Chemie durchaus gut aufgestellt ist. DW-TV: Sie haben gesagt, hätte man derzeit an der Börse verkauft oder wäre man an die Börse gegangen, wäre es durchaus schwieriger gewesen. Wenn wir die Entwicklung mal in Zahlen anschauen: Anfang des Jahres lag der Börsenwert des DAX noch bei 800 Mrd. Euro, jetzt im Juni waren es knapp über 600 Mrd. Euro. Was steckt denn eigentlich dahinter? Also, Finanzkrise klar aber da spielen noch mehr Punkte eine Rolle? Bernhard Jünemann: Nun ja, es gibt die Finanzkrise mit der Immobilienkrise in den USA als Auslöser, dann gibt es Abschwächungserscheinungen in den amerikanischen Wirtschaftsbereichen aber auch in Europa, auch in einigen Emerging Markets und es gibt inflationäre Tendenzen ausgelöst durch die Rohstoffpreise. Das mag sich wieder beruhigen, wenn sich die Wirtschaft abschwächt, aber die Notenbanken haben begonnen deswegen die Zinspolitik zu straffen. All das sind ganz klare Belastungsfaktoren für den Aktienmarkt. DW-TV: Man merkt es ja auch am Markt. Die Konjunktur beginnt sich abzuschwächen, wann glauben Sie denn kann man am DAX sehen oder am Börsenwert sehen das sich da wieder was ändert? Ist da schon irgendetwas absehbar? Bernhard Jünemann: Also, die alte Erfahrung zeigt das eigentlich die Kurse sich erst ändern und dann kommen die Zahlen. Also, der DAX wird es uns möglicherweise weisen nur wissen wir das leider nicht, das können wir nicht prognostizieren. Die Hoffnungen haben wir natürlich und die richten sich auf das Jahr 2009. Dass sich also der Immobilienmarkt in den USA stabilisiert, das wäre dann ein ganz klares Zeichen, dass man sieht, hier ist ein Boden eingezogen, und dass die Abschreibungen bei den Banken aufhören. Dann würde sich wahrscheinlich auch die Wirtschaft fangen und die Gewinnrevisionen würden wieder nach oben laufen. Aber das wird der Aktienmarkt in der Regel früher zeigen, bevor diese Zahlen kommen. DW-TV: Also hoffen wir auf 2009. Interview: Anja Heyde

DW-World | August 5, 2008Watch more videos from DW-World

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