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Studiogast: Volker Treier

Studiogast: Volker Treier

Mit dem Chefvolkswirt beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag sprechen wir über die Entwicklung der Konjunktur in Deutschland. DW-TV: Die Rezession ist bereits da, und sie wird Experten zufolge im nächsten Jahr noch sehr viel drastischer. Volker Treier, wie ernst ist die Lage aus ihrer Sicht? Was glauben Sie? Volker Treier: Die Lage ist sehr ernst, wie alle wissen nicht, wie tief die Rezession und wie lange die Rezession sein wird. Wir haben zwei Krisen auf einen Moment – das ist der zyklisch bedingte Abschwung der Weltwirtschaft und wir haben eine Finanzmarktkrise, die weite Teile der Welt betrifft, und dem entsprechend sind alle Prognosen, die wir derzeit so hören, eigentlich Makulatur. Es ist das Stochern im Nebel. DW-TV: Und was ist jetzt zu tun gegen diese Rezession? Was sind die richtigen Rezepte? Volker Treier: Also die Notenbanken haben reagiert, haben die Zinsen gesenkt. Das hat noch nicht den erhofften Effekt auf die Realwirtschaft gehabt, das war auch nicht zu erwarten. Die Banken werden sich eher etwas gesundsanieren müssen. Das andere ist, dass Regierungen reagieren müssen, und sie tun es, sie haben avisiert, das zu tun – durch Wachstumspakete, durch Strukturmaßnahmen, die man ohnehin vorhätte, aber jetzt ist es angezeigt, das zu tun. DW-TV: Bevor wir darauf kommen, schauen wir uns erstmal die Situation in der Industrie genau an. In den letzten zwei Jahren ging es immer nur aufwärts, die Auftragsbücher der Unternehmen wurden immer voller. Mitte des Jahres dann aber der Knick, die Aufträge gehen seither kontinuierlich zurück. Und dabei hieß es ja lange, die deutsche Wirtschaft sei robust, sei gut aufgestellt in dieser Krise - gilt das eigentlich noch? Volker Treier: Also wenn Sie diese Grafik bis zur Wiedervereinigung hätten zurücklaufen lassen, dann hätten Sie gesehen, dass dieser Rückgang im Moment vergleichbar ist mit den Jahren 1992 oder 2001/2002, also unsere letzten beiden Rezessionsjahre. Insofern geben diese Anzeichen noch keinen Anlass zu sagen, wir hätten eine tiefere Rezession als damals, das ist in gewisser Weise eine Beruhigung. Natürlich merkt man diesen Auftragseinbruch, und er wird Spuren hinterlassen, sicherlich auch auf dem Arbeitsmarkt. DW-TV: Nun rufen ja immer alle nach dem Staat, aber was können die Unternehmen denn eigentlich selber tun? Zum Beispiel Jobgarantien geben? Volker Treier: Also die Unternehmen sind im zurückliegenden Aufschwung schon von Fachkräftemangel betroffen gewesen, insofern hören wir seitens des DIHK auch von unseren Mitgliedsunternehmen, dass sie sich jetzt rüsten wollen für den dann wieder irgendwann anstehenden Aufschwung und jetzt weniger geneigt sind, sich auch von Beschäftigten zu trennen, weil sie wissen, sie brauchen die Arbeitskräfte für eine dann wieder bessere Zeit. Das Fachkräftemangel-Thema wird wieder ein virulentes sein, nachdem wir diese Talsohle durchschritten haben, insofern sind die Unternehmen jetzt schon rational genug, sich nicht so schnell von Beschäftigten zu trennen. DW-TV: Also diese Jobgarantien, die ja gerade im Gespräch sind, auch von Bundeskanzlerin Merkel gefordert werden, die wird es wohl tatsächlich geben können? Volker Treier: Also eine Garantie kann wohl keiner geben. Wenn die Auftragslage sich noch mehr verschlechtert und wir Konsumenten die Güter, die die Unternehmen produzieren nicht abkaufen, dann kann man nicht auf lange Zeit seinen Beschäftigungsstand stabil halten. Es wird sicher an der einen oder anderen Stelle durchaus einen Rückgang bei der Beschäftigung geben, aber wir glauben, das wird deutlich stabiler sein, als wir das in einer ähnlichen konjunkturellen Situation ansonsten hätten erleben müssen. DW-TV: Einigermaßen optimistische Worte – sehr vielen Dank für Ihren Besuch, Volker Treier! (Interview: Sandra Berndt)

DW-World | December 16, 2008Watch more videos from DW-World

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