
Thomas Staubhaar ist Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts. DW-TV: Bei uns im Studio ist jetzt Thomas Straubhaar, Leiter des WeltWirtschaftsInstituts in Hamburg. Herzlich willkommen, Herr Straubhaar! Der Küchenhersteller im Beitrag hat gesagt, für ihn gibt es keine Krise, das ist eigentlich nur herbei geredet. Wie sehen Sie das denn? Thomas Straubhaar: Ich denke, es ist in jedem Fall offensichtlich geworden, dass die Finanzmarktkrise mittlerweile auch eine Weltwirtschaftskrise geworden ist, und das ist auch nicht überraschend, weil die Finanzmärkte natürlich viel zu wichtig sind, sie vergeben Kredite, und wenn eben hier die Kreditvergabe stockt, dann wird das auch die reale Wirtschaft negativ berühren. Er hat aber sicher Recht, dass es neben vielen pessimistischen Nachrichten auch optimistische Gründe gibt, die uns erwarten lassen, dass diese Rezession nicht notwendigerweise lang und hart werden muss, sondern dass sie durchaus auch kurz und milde verlaufen könnte. DW-TV: Ein Mittel, um die Krise zu bewältigen, soll die Senkung des Leitzinses sein. Die Europäische Zentralbank hat ihn jetzt für die Euro-Zone von 2,5 Prozent auf 2 Prozent gesenkt. Die Fed in den USA hat das noch viel drastischer gemacht: von ehemals 5 Prozent auf nahezu null, kann man eigentlich sagen. Ist das eine gute Nachricht, in Ihren Augen? Thomas Straubhaar: Das ist definitiv eine gute Nachricht, und wir werden sicher im Laufe des Jahres als Folge davon erleben, dass es eben günstiger wird, Kredite aufzunehmen, das wird sowohl den privaten Konsum stabilisieren helfen, wie auch Investitionen billiger machen. Beides ist wichtig, und ich denke, dass neben dieser Zinssatzentscheidung eben auch wichtig ist, dass wir generell tiefe Preise haben – Öl kostet so viel wie vor einem Jahr im letzten Sommer, und es gibt andere gute Preissignale, die zusammen mit der Zinssenkung helfen werden, dass wir mehr Kaufkraft haben werden. DW-TV: Aber wenn wir schon bei null Prozent sind – wie macht man denn danach weiter? Wie müsste man den Kompass ausrichten, was kommt danach? Thomas Straubhaar: Das ist in der Tat außerordentlich schwierig, das hatten wir seit der Weltwirtschaftskrise nicht mehr erlebt, dass eben die Zinsen, obschon sie auf null Prozent abgesenkt worden sind, dennoch nicht dazu führen, dass sich Menschen leichter und schneller zu verschulden bereit sind, und deshalb war es ebenso richtig und ein gutes Zeichen, dass hier jetzt durch diese reichhaltigen Fiskalprogramme, durch diese Konjunkturprogramme, weltweit eben versucht wird, neben der Geldpolitik einen zweiten, starken Pfeiler für die Konjunktur einzurammen, und beides zusammen kann durchaus helfen, eine neue Navigation zu finden. DW-TV: Noch eine gute Nachricht: Barack Obama ist neuer Präsident der Vereinigten Staaten. Hier in Europa fordert man von ihm eine gemeinsame Linie für eine bessere Struktur in der Finanzwelt. Welche Impulse erwarten Sie denn von dieser neuen Amtseinführung? Thomas Straubhaar: Man darf sicher nicht Wunder erwarten, die er nicht wird erfüllen können. Aber ganz sicher ist, dass sich alleine schon die Psychologie ändern wird, dass schon alleine nach einer doch in wirtschaftlicher Beziehung nicht erfolgreichen Administration Bush jetzt ein neues Gesicht mit neuen Hoffnungen, mit neuen Mentalitäten und auch mit der Botschaft antritt, zusammen und nicht alleine diese Probleme lösen zu wollen. DW-TV: Vielen Dank, Thomas Straubhaar, vom WeltWirtschaftsInstitut in Hamburg! (Interview: Anja Heyde)
