
Thomas Straubhaar ist Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI). Wir sprechen mit ihm über die neue Generation weiblicher Führungskräfte. Und darüber, wie man die Nachteile für Frauen auf dem Arbeitsmarkt beseitigen kann. DW-TV: Unser heutiger Studiogast, Prof. Dr. Thomas Straubhaar, vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut. Zunächst einmal die Frage, wie viele Frauen sind denn an Ihrem Institut in Führungspositionen? Thomas Straubhaar: Als modernes Institut geben wir uns sehr viel Mühe, die Führungspositionen zwischen Männern und Frauen gleichermaßen zu verteilen. Das gelingt nicht immer und auch im Moment sind wir etwas unterrepräsentiert mit Frauen, aber wir arbeiten dran bei jeder Neuberufung. DW-TV: Das erwarte ich natürlich auch von Ihnen. Denn gerade Ihr Institut hat ja auch eine Studie herausgebracht "Mehr Chancen für Frauen – Systemwechsel statt Systemkorrektur". Zu welchen Ergebnissen sind Sie denn da bisher gekommen? Thomas Straubhaar: Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass sich ein Land wie Deutschland, das von 1. einer schrumpfenden und 2. einer alternden Bevölkerung geprägt sein wird, es sich nicht leisten kann, Frauen dermaßen unterrepräsentiert in Führungspositionen bleiben zu lassen. Das hier alles getan werden muss, um gegen zu steuern und Frauen entsprechend ihren Qualifikationen im Erwerbsleben zu integrieren. DW-TV: Wenn Sie sagen, es muss alles getan werden, können Sie uns ein, zwei Beispiele geben? Thomas Straubhaar: Was ganz wichtig ist, dass die Mutter- und die Frauenrolle im Beruf beides nebeneinander Platz hat, dass eben auch Kindergärten, wie wir es im Film gesehen haben, eine Selbstverständlichkeit und nicht die Ausnahme sind, dass Frauen auch entsprechend ihren Leistungen und nicht so sehr ihrer Anwesenheit wegen bezahlt werden, wie es auch erwähnt wurde. Ich glaube, das sind so ein paar Angelpunkte, an denen man ansetzen könnte. DW-TV: Einer dieser Angelpunkte, z.B. Kindergärten, usw., das hat ja auch mit Ressourcen zu tun und interessanterweise Microsoft Deutschland, was wir gerade gesehen haben, ist hier eine Ausnahme. Es ist eine große Firma, die einen hohen Anteil von Frauen in Führungspositionen hat. Das ist in der Regel nicht so, wie uns auch gleich eine Grafik zeigen wird. Die besagt nämlich, je größer das Unternehmen, desto weniger Frauen auch auf den Chefetagen. Ab 500 und mehr Mitarbeitern, da sind es wirklich nur noch 4 Prozent etwa vom Anteil. Woran liegt das eigentlich? Thomas Straubhaar: Das liegt sicher auch daran, dass eben dann in diesen Führungspositionen bei großen Firmen vermehrt auch Anwesenheit unverzichtbar ist. Sei es um Teamsitzungen zu bestimmten Zeitpunkten leiten zu können, sei es, dass die Anwesenheit auch für andere Verpflichtungen einfach unverzichtbar ist oder sei es auch, dass Auslandsreisen oder Reisen zu Kunden in Deutschland die Pflicht sind und nicht die Ausnahme. DW-TV: Das lässt sich dann also mit Frauen, zumindest so hat es den Anschein, weniger vereinbaren. Wechseln wir das Thema: Diese Woche beginnt in Hannover die Cebit, die weltgrößte IT- und Computer-Messe. Herr Straubhaar, Deutschland ist ein Industrieland. Wir haben eine große Automobilbranche, Chemieindustrie und natürlich Maschinenbau. Da sind wir ganz groß, Exportweltmeister obendrein. Aber wenn es um IT geht, da sind wir relativ unterrepräsentiert. Woran liegt das eigentlich? Thomas Straubhaar: Ich würde ein Fragezeichen machen bei diesem empirischen Befund. Das ist sicher richtig, dass wir unterrepräsentiert sind, wenn es vor allem um die Produktion von IT geht, das ist richtig. Da sitzen mit Ausnahme von SAP vielleicht die ganz großen Firmen außerhalb Deutschlands, aber bei der Anwendung, würde ich sagen, kann sich Deutschland mit jedem anderen Industrieland oder mit jedem anderen höher entwickelten Land der Welt absolut messen. Entscheidend ist nicht so sehr, woher diese IT-Technologie kommt, sondern entscheidend ist, dass wir sie richtig und gut anwenden zum Nutzen unserer Produkte, die wir dann besser verkaufen können. DW-TV: Sie sehen da also kein Problem darin? Weil es gibt ja durchaus Länder, z.B. in Südkorea, da wissen wir, da wurde 2005 etwa 3,6 des Bruttoinlandprodukts in die IT-Branche investiert, in den USA ähnlich viel, Frankreich, in Europa natürlich, liegt mit 2,3% auch noch deutlich vor Deutschland und hier haben wir eben nur magere 1,8% an Investitionen. Liegt da nicht die Gefahr, dass wir uns wirklich von den Errungenschaften anderer zu sehr abhängig machen? Thomas Straubhaar: Das wäre dann der Fall, wenn es eben praktisch nur ein Land wäre, das sich auf diese IT-Technologie spezialisiert hat und dass dann praktisch als Monopolist auch die Preise entsprechend setzen könnte. Davon sind wir aber weit entfernt und ich denke, was wir sehen ist im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung in einer global agierenden Weltwirtschaft. Dass sich eben Deutschland spezialisiert sozusagen auf Teile der Old Economy und die dann mit New Economy, mit Informationstechnologien, gut verknüpft und lange Wertschöpfungsketten schmiedet und ich denke, dass das ein sehr erfolgreiches Modell ist. DW-TV: Sie sehen das also auch in einer Art von Kooperation. Ist das so der Teil, in dem Deutschland dann punkten könnte? Thomas Straubhaar: Ganz genau. Ich denke, dass jedes Land im Rahmen dieser Arbeitsteilung seine Spezialität haben muss, um erfolgreich zu sein und von daher gesehen hat sich Deutschland für Old Economy eher entschieden und eben ein Land wie USA oder andere, die vielleicht eher bei IT, also Informationstechnologien, aktiv sind. Das ist aber o.k. Ich denke, so lange wir etwas von Deutschland aus erfolgreich exportieren, sehe ich da kein besonderes Problem. Interview: Monika Jones
