
MADE IN GERMANY spricht mit Thomas Ilka, Europa- und Umweltexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages über europäische Umwelt- und Wirtschaftspolitik. DW-TV: Ab Juli übernimmt Schweden die EU-Ratspräsidentschaft mit Fokus auf den Klimaschutz. Haben Sie schon einmal überlegt, nach Schweden auszuwandern? Thomas Ilka: Nein, das ist wirklich nicht notwendig. Deutschland ist ein so schönes Land, ebenso mit Wäldern und Wasser ausgestattet, da brauchen wir Schweden nicht. DW-TV: Schweden möchte gerne die EU-Klimaziele noch mehr anziehen. Wie schafft Schweden das, angesichts der Tatsache das man sich mit 27 Staaten auseinandersetzen muss, die sich alle immer nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner treffen können? Thomas Ilka: Das ist grundsätzlich in Europa der Fall. Wir haben 27 selbstbewusste und selbstständige Mitgliedsstaaten, die sich einigen müssen über ihre Politik. Das ist auch hier im Klimabereich der Fall. Schweden - um auf das Beispiel zurückzukommen - hat natürlich auch besonders gute Voraussetzungen, sowohl im Bereich der erneuerbaren Energien, aber auch im Bereich der Atomkraftwerke. DW-TV: Gibt es denn überhaupt so etwas wie eine gemeinsame Krisenpolitik. Ein Fünf- Milliarden-Konjunkturpaket für Gesamteuropa ist ja nicht viel und für alternative Energien ist da nicht viel vorgesehen? Thomas Ilka: Es ist schon in dem Fünf-Milliarden-Paket für einige Energiebereiche etwas vorgesehen. Wir werden auch nicht allein mit den erneuerbaren Energien aus der Krise kommen. Sondern wir müssen vor allem dafür sorgen, dass das Bankensystem wieder funktioniert, das die Kreditvergabe reibungslos funktioniert, dann werden auch die übrigen Wirtschaftsbereiche wieder anspringen. DW-TV: Deutschland gehört zu den größten Nettozahlern. Wir zahlen pro Jahr etwa sechs bis acht Milliarden Euro an die Europäische Union. Wie profitieren wir denn davon? Thomas Ilka: Deutschland ist im Grunde im historischen Zusammenhang der größte Profiteur von der EU, sowohl was die Einführung des Euros angeht und auch was die wirtschaftlichen Beziehungen zum Osteuropa angeht. Kein Land hat so sehr von der Osterweiterung profitiert wie Deutschland. Das wird auch nach der Krise so weitergehen. Da bin ich ganz zuversichtlich. DW-TV: Was ist denn die Aufgabe der Deutschen Industrie- und Handelskammer gerade in bezug auf Europa? Thomas Ilka: Wir haben zwei verschiedene Aufgaben. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag vertritt die Interessen gegenüber den Institutionen in Brüssel, also Parlament, Rat, Kommission. Und die Auslandhandelskammern, die auch zur Familie der Industrie- und Handelskammern gehören, sind mehr verantwortlich für das bilaterale, das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen den Unternehmen in Deutschland, die im Ausland investieren wollen. Und umgekehrt auch diejenigen, die ihren Weg nach Deutschland finden wollen. DW-TV: Es gibt eine aktuelle Umfrage des Deutschen-Industrie- und Handelskammertages bei Unternehmen in Ost- und Mitteleuropa. Die haben gesagt, das ist der Wachstumsmarkt, trotzdem geht es den Unternehmen dort nicht gut. Was kann man jetzt tun, subventionieren? Thomas Ilka: Zunächst ist diese Aussage natürlich ein Spiegelbild der gegenwärtigen Konjunkturlage überhaupt. Davon kann sich auch Osteuropa nicht freimachen. Nur wir müssen hier klar auf einem marktwirtschaftlichen Kurs bleiben. Wir haben ja auch die Erfahrungen gemacht - die sich wiederspiegelt in der Umfrage - dass die Unternehmen, die dort sind, ganz klar sagen: Wir möchten dort bleiben und wir würden auch wieder dorthin gehen, weil wir gute Arbeitskräfte und ein Umfeld vorfinden, indem wir wachsen können. Interview: Anja Heyde
