
Christine Schweikert ist Rohstoffexpertin bei der BHF-Bank in Frankfurt/Main. Wir sprechen mit ihr über den aktuellen Ölpreis und die Auswirkungen auf die Wirtschaft. DW-TV: Ich begrüße heute im Studio Christine Schweikert von der BHF-Bank. Frau Schweikert, Öl wird immer teurer. Woran liegt das? Es gibt ja seit einigen Monaten immer wieder Stimmen, die sagen, die OPEC-Länder sollen gefälligst mehr fördern. Die wiederum sagen, brauchen wir nicht, es gibt genügend Ölreserven. Was macht das Öl denn dann so teuer? Christine Schweikert: Was das Öl so teuer macht, das ist im wesentlichen die Finanzkrise. Wir sehen zur Zeit einen unheimlichen Zufluss an Geld in die Rohstoffmärkte, nicht nur in Öl, sondern auch in andere Rohstoffe, einfach aus der Frage heraus, wo kann ich denn mein Geld noch anlegen? Was ist sicher vor dieser Finanzkrise? Welches Produkt kann ich verstehen? Kein kompliziertes Derevat, was Öl ist, das kann jeder verstehen. Und außerdem haben wir noch diesen Dollareffekt, dass eben der Dollar immer weiter absackt und eben die Rohstoffe, die in Dollar notiert sind, dann damit ansteigen. DW-TV: Ja, damit haben Sie schon etwas angesprochen, denn Öl wird ja in Dollar bezahlt und da hat sich das Verhältnis Dollar/Öl in den letzten 12 Monaten gravierend verändert, es hat sich umgedreht, wenn man so will. Der Ölpreis schnellte spätestens seit Sommer 2007, also dem Beginn der Immobilienkrise in den USA in die Höhe, während der US-Dollar unaufhaltsam abstürzt. Wenn man sich das so ansieht, was bedeutet das dann eigentlich? Wie lange können wir uns Öl überhaupt noch leisten? Christine Schweikert: Ja, das ist eine gute Frage. Ich denke, wir können es uns schon noch eine Zeitlang leisten, aber es wird eben sehr teuer für Konsumenten und für Produzenten. Und das ist natürlich in der gegenwärtigen Lage ein Problem. Also ich denke schon, dass der Ölpreis jetzt fundamental nicht gerechtfertigt ist. Also, dass es nicht an der Angebots-Nachfrage-Balance liegt, warum Öl so teuer ist. Öl ist teuer – OK, aber das es so teuer ist, und dass es so dynamisch noch einmal hoch gegangen ist, das ist nicht normal. Also es könnte natürlich sein, dass wenn sich die Finanzmarktkrise entspannt und die Situation beruhigt, dass eben diese Blase platzt und dass dann Öl entsprechend auch um 20-30% korrigiert. Und dann könnten wir es uns ein bisschen besser leisten. DW-TV: Ist es denn absehbar, dass diese Krise endet, dass der Dollar sich langsam wieder erholt? Christine Schweikert: Also ich denke nicht, dass das Ende der Krise absehbar ist. Wir gehen davon aus, dass sie sich eher noch ausweitet, dass sie uns auch auf jeden Fall dieses Jahr noch begleitet und wahrscheinlich auch nächstes Jahr noch. Dass es auch gravierende Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Die Frage nach dem Dollar, also ich denke, dass er schon noch etwas weiter runter gehen könnte, aber ich glaube, wenn die EZB dazu gezwungen ist eben auch doch Zinssenkungen zu überlegen, das dann eben dieser Zinsunterschied zwischen den USA und Europa nicht ganz so groß mehr ist oder so stark weiter ausweitet und da denke ich könnten wir vom Dollar her auch so eine Stabilisierung sehen. (Interview: Monika Jones)
