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Studiogast: Norbert Walter

Studiogast: Norbert Walter

Walter ist Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank. DW-TV: Norbert Walter, IG-Metall-Chef Huber ist ja ganz optimistisch. Woher nimmt er diesen Optimismus? Norbert Walter: Es könnte sein, dass er wie ich denkt: so tief wie die Krise jetzt im Winter war, kann es weiterhin nicht sein. Und deshalb wird es sich schon etwas leichter fühlen in diesem Sommer – in dem Sinne stimme ich ihm sogar zu. DW-TV: Wenn er sagt, man soll noch mehr staatliche Hilfen zur Verfügung stellen, er redet von 100 Milliarden, ist das der richtige Weg? Ich meine, den Banken hat man auch geholfen... Norbert Walter: Also ich finde ja, dass man noch einmal überlegen muss, ob man nicht etwas tun kann, was schneller wirkt, als das was bislang die Regierungen in den USA und Europa gemacht haben. Aber ich bin unsicher, ob wir den Staat als Beteiligten brauchen in Unternehmen. Und da gab es in der Vergangenheit - man denke an Holzmann - schon unglückliche Entwicklungen. Und die sollte man nicht wiederholen. Aber ich verstehe natürlich: politisch ist es außerordentlich schwer, erst den Banken mit großen Beträgen zu helfen und dann Unternehmen, an denen das deutsche Herz hängt, nicht zu helfen. DW-TV: Es ist ja nicht nur das deutsche Herz. Gerade auch mittelständische Unternehmen sind das Rückrat der deutschen Wirtschaft, sagt man immer. Norbert Walter: Aber da könnte man ja darüber nachdenken, ob man nicht Kreditgarantien für jene Unternehmen gewährt, die eben Zulieferer für Automobilfirmen sind, die in Schwierigkeiten kommen, um auf diese Weise den gesunden Unternehmen unter die Arme zu greifen. Darüber sollte man tatsächlich nachdenken. DW-TV: Herr Walter, Sie haben gesagt, die Konjunktur wird um mindestens 5% schrumpfen, wenn wir im Sommer einen Aufschwung bekommen – Garantien dafür haben wir natürlich nicht. Wo würden Sie die Zahlen jetzt sehen? Norbert Walter: Bleiben wir bei meiner fünf – das scheint mir eine ganz gute Setzung für dieses Jahr zu sein. Für den Vorjahresvergleich macht das, was im zweiten Halbjahr passiert, tatsächlich nicht mehr ganz so viel aus, wie das was hinter uns liegt und was im ersten Halbjahr in der Tat für die Konjunktur geschehen wird – und das weiß man vergleichsweise sicher. Also, es könnte etwas schlechter werden, aber nicht sehr viel. Und es könnte aber auch etwas besser werden, aber auch nicht sehr viel. Die fünf ist okay. DW-TV: Aber warum sollen wir Ihnen glauben? Jeder sagt irgendwas anderes: die Zahlen reichen ja von 3% bis 7%. Vorausgesagt hat die Krise keiner, in dem Sinne, und jetzt wollen aber alle wissen, wie es weitergeht. Norbert Walter: Okay, ich habe seit November etwa dasselbe gesagt. Die anderen hatten damals noch großen Optimismus und sind jetzt sehr nah bei meinen Zahlen. Wenn das ein Hinweis ist, das ich vorher mehr wusste oder bereit war deutlicher zu sagen, was andere auch hätten wissen können, dann wäre das Vertrauen in mich ja gerechtfertigt. DW-TV: Schauen wir noch mal in die USA. Da ist ja gerade ein Programm aufgelegt worden, das sowohl den DAX, als auch den Dow Jones in die Höhe hat schießen lassen – eine Billion Dollar. Ist das der richtige Weg? Norbert Walter: Das ist ein großes Programm. Es ist beeindruckend, es ist wahrscheinlich auch ein richtiges Konzept. Aber unsicher bleibt, ob die Privaten, die auch Risiken nehmen sollen im Rahmen dieses Programms, anbeißen. Das ist unsicher, weiterhin leider unsicher. DW-TV: Wenn man noch mal schaut, apropos Vertrauen. Was meinen Sie denn, wann und wie wird der Verbraucher wieder Vertrauen in Bankiers haben? Norbert Walter: Ich hoffe bald. Dadurch dass wir ganz nah beim Kunden sind und im Kleinen und im Stillen positiv wirken. DW-TV: Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank. Vielen Dank, dass sie hier waren! (Interview: Anja Heyde)

DW-World | March 24, 2009Watch more videos from DW-World

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