
Prof. Monika Schnitzer ist Volkswirtin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Wir sprechen mit ihr über die Finanzkrise, die Chance und Risiken globaler Märkte , über Outscourcing und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Deutschland. DW-TV: Und bei uns ist jetzt Prof. Monika Schnitzer, Volkswirtin an der Universität in München. Frau Schnitzer, wenn jetzt alle beginnen zu sparen, ist uns die Rezession dann sicher, kommt sie? Monika Schnitzer: Naja, der Aufschwung wird jetzt erst mal vorbei sein, aber wie schlimm die Rezession sein wird, das hängt ganz davon ab, wie sich jetzt alle verhalten. Ich bin da gedämpft optimistisch, die Entwicklung in den letzten Jahren war eigentlich sehr positiv. Wir hatten eine Reihe von Reformen, insbesondere die Agenda 2010-Reform, die dazu geführt hat, dass die Arbeitslosigkeit stark zurück gegangen ist, vor allen Dingen auch im Billig-Lohn-Sektor. Wir hatten zum Zweiten mehrere Jahre mit relativ niedrigen Lohnsteigerungen, Lohnzurückhaltungen, und auch das hat dazu geführt, dass die Lohnkosten, die Lohnstückkosten in Deutschland sich sehr moderat entwickelt haben. Wir sind jetzt also im Vergleich zu unseren Nachbarländern zu unseren Wettbewerbern eigentlich ganz gut aufgestellt, und jetzt gilt es, diesen Vorteil nicht zu verspielen. DW-TV: Hat denn die Bundesregierung recht getan, indem sie jetzt mit Milliarden bürgt für die privaten Spareinlagen, also für private Bürger? Monika Schnitzer: Ja, ich glaube, das war eine ganz richtige und sehr wichtige Entscheidung, denn es hängt in der Tat auch sehr stark davon ab, wie viel Vertrauen jetzt jeder einzelne in die Volkswirtschaft hat, ob er sein Geld bei der Bank lässt, oder ob er es schnell abholt, und nur im zweiten Fall, wenn jetzt jeder Panik bekommt, wird’s richtig schlimm. DW-TV: Trotz allem, wenn man schaut, wie viele Milliarden da versenkt werden, sag ich jetzt mal ganz salopp, in den USA 700 Milliarden, die auf den Markt gepumpt werden, die sind dann einfach da, man schaut fassungslos zu und fragt sich, wer profitiert eigentlich davon, wo landet das? Monika Schnitzer: Das Geld ist ja nicht wirklich weg, es ist erst mal eine Garantie, also in Deutschland ist das Rettungspaket, das jetzt beschlossen worden ist, erstmal eine Garantie, das heißt, das wird nur dann wirklich ausgabenwirksam, wenn alles wirklich sehr schlecht kommt, und das versucht man ja gerade, indem man ein solches Rettungspaket auflegt, zu vermeiden. In den Vereinigten Staaten ist es ja auch so, man hat mit diesem Geld oder man wird mit diesem Geld faule Kredite aufkaufen, und das heißt ja nicht notwendigerweise, dass diese Kredite auch alle wirklich platzen am Ende, das heißt, wenn es sich wieder positiv entwickelt, dann hat auch man auch wieder etwas, das etwas zählt. DW-TV: Kommen wir zum Thema Globalisierung. Frau Schnitzer, deutsche Firmen exportieren ja nicht nur kräftig ins Ausland, viele verlagern auch die Produktion dorthin, Wir können mal schauen, was denn die Gründe dafür sind. Es sind ja vor allem die neuen Absatz und Einkaufsmärkte, die deutsche Firmen ins Ausland ziehen, die niedrigen Personalkosten spielen erstaunlicherweise nur eine ganz untergeordnete Rolle. Was ist denn mit dem Fakt, der so oft zitiert wird, dass die Firmen, die weg gehen, die Arbeitsplätze mitnehmen oder ins Ausland verlagern? Das ist demnach gar nicht so? Monika Schnitzer: Darüber wird immer gern geschrieben, weil das tolle Schlagzeilen macht, aber tatsächlich ist das nicht so, es ist in manchen Branchen, wie zum Beispiel im verarbeitenden Gewerbe, ein Faktor, aber ganz wesentlich für die allermeisten ist tatsächlich die Markterschließung, die Nähe zum Kunden. DW-TV: Das heißt, wir müssen in Zukunft weg von diesem Denken in Grenzen, also die Wirtschaft muss noch viel globaler werden als sie jetzt schon eigentlich ist? Monika Schnitzer: In der Tat ist das für die deutschen Unternehmen gerade ein Wettbewerbsvorteil, dass sie auch viel im Ausland produzieren, denn wenn sie dort Kostenersparnisse haben, dann macht sie das wiederum sehr viel wettbewerbsfähiger in ihrer Konkurrenz. DW-TV: Frau Schnitzer, nochmal einen ganz kleinen Schritt zurück, was glauben Sie denn, wie sich die Globalisierung der Wirtschaft angesichts der Krise, die wir gerade durchleben, verändern wird in Zukunft? Monika Schnitzer: Ich denke, eine potenziell positive Entwicklung wird sein, dass man sich mehr abstimmt, auch die Politiker, beispielsweise jetzt auch bei den Rettungsaktionen, dass man mehr im Gespräch ist, koordinierter vorgeht. Die absolute schlimmste Entwicklung wäre, wenn jeder zu macht und die Rückkehr zur Autarkie fördert. (Interview: Anja Heyde)
