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Studiogast - Marc Evers zur Finanzkrise und deren Auswirkungen auf den Mittelstand

Studiogast - Marc Evers zur Finanzkrise und deren Auswirkungen auf den Mittelstand

Marc Evers ist Referatsleiter Mittelstand und Existenzgründung im Deutschen Industrie- und Handelskammertag DW-TV: Und heute bei uns zu Gast, Marc Evers vom Deutschen Industrie und Handelskammertag, herzlich Willkommen Herr Evers. Wenn man den Beitrag gesehen hat, dann möchte man meinen, es geht dem Mittelstand eigentlich ganz gut. Wie stark sind denn die Mittelständler tatsächlich von den Auswirkungen der Finanzkrise betroffen? Marc Evers: Natürlich spüren mittelständische Zulieferer, beispielsweise auch im Automobilbereich, wenn ihre Großkunden ins Schlingern geraten. Doch gerade der Mittelstand hat in den ökonomisch schwierigen Zeiten vor 2005 gezeigt, dass sie mit innovativen Produkten, mit innovativen Dienstleistungen und mit Kosteneffizienz punkten können. Dank dieser gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit konnten sich mittelständische Unternehmen auf internationalen Märkten Top-Positionen erarbeiten. Ich nenne hier nur die Hidden Champions im Hightech-Bereich, die in Nischensegmenten teilweise weltweit wirklich führend sind. DW-TV: Das heißt im Klartext, der Mittelstand hat sich soweit entwickelt, dass wir da mit dem großen Crash gar nicht rechnen müssen? Marc Evers: Einen Mittelstands-Crash wird es in dieser Form in Deutschland nicht geben. Sie müssen sich vorstellen, der Mittelstand, das sind mehr als drei Millionen Unternehmen der verschiedensten Branchen, und die Unternehmen sind heutzutage besser gerüstet für wirtschaftlich schwächere Zeiten als etwa noch vor sieben/acht Jahren. Die Stärken konnten ausgebaut werden durch die mittelständischen Unternehmen, wie Flexibilität, wie Innovationskraft und wie auch Kosteneffizienz, das macht sie weltweit konkurrenzfähig. DW-TV: Gehen wir mal in den Einzelfall, schauen wir noch mal ganz kurz zu Opel, das ja jetzt eine Bürgschaft beim Staat beantragt hat, weil es so schwierig bei den Banken ist, einen Kredit zu kommen. Wenn schon so ein großes Unternehmen Schwierigkeiten hat, wie ist es dann erst bei den Kleinen? Marc Evers: Nach DIHK- Umfragen spüren drei Viertel der Unternehmen tatsächlich verschärfte Kreditkonditionen, aber, und das ist eben das große ABER - nur zwei Prozent der Unternehmen berichten tatsächlich von Kredit-Ablehnungen. Das betrifft vor allem sehr risikoreiche Projekte und sehr große Projekte, doch gerade der Mittelstand wird zunehmend von den Banken wieder als Geschäftspartner entdeckt. DW-TV: Aber ist dann die Hilfe für Opel so sinnvoll von staatlicher Seite? Marc Evers: Der DIHK warnt vor einem Subventions-Wettlauf, an dessen Ende es nur Verlierer geben wird. Bürger und Unternehmen würden draufzahlen, in Form höherer Steuern und Abgaben. Viel wichtiger und viel zielführender als Geld für einzelne sind strukturelle Reformen, die letztendlich allen zugute kommen. Wir brauchen mehr Netto vom Brutto für die Breite der Bürger und Unternehmen insgesamt. Ich nenne hier nur zwei Beispiele, zum einen sollte der Einkommenssteuertarif an die Inflation angepasst werden, und die Krankenversicherungsbeiträge sollten schon 2009 abzugsfähig sein, das würde Bürgern und Unternehmern mehr Geld für Konsum und Investitionen belassen. (Interview: Anja Heyde)

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