
Klaus Deutsch ist Volkswirt bei Deutsche Bank Research in Frankfurt/Main. Wir sprechen mit ihm über die aktuellen Rohstoffpreise und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft. DW-TV: Altpapier wird immer begehrter und damit immer teurer. Und auch andere Rohstoffe, allen voran das Öl, brechen immer neue Preisrekorde. Was das für die Wirtschaft heißt, möchte ich jetzt mit Klaus Deutsch von Deutsche Bank Research besprechen, herzlich willkommen. Herr Deutsch wie sehr belasten denn die steigenden Rohstoffpreise die Unternehmen? Klaus Deutsch: Derzeit noch nicht so stark wie wir das alle erwartet haben. Da hilft den deutschen Unternehmen vor allen Dingen der steigende Euro-Wechselkurs und das erleichtert bzw. verbilligt wiederum die Einfuhr des Öls. Insofern sind die Deutschen noch nicht so stark davon betroffen. DW-TV: Es gibt ja nicht nur die hohen Energiepreise, die ein Belastungsfaktor sind, wir haben auch die Finanzmarktkrise. Die sind aber längst nicht mehr nur ein Problem der Banken oder? Klaus Deutsch: Na bislang konzentriert sich das Problem der Finanzmarktkrise in den Vereinigten Staaten vor allen Dingen auf die Banken und die Finanzinstitute und auf den Häusermarkt selbst und die Bauwirtschaft, dort wird kaum noch neu gebaut und wir haben bislang noch keine weiteren Effekte gesehen für große Bereiche des privaten Verbrauchs oder der industriellen Investitionen, das kann allerdings noch folgen. DW-TV: Wie ist es derzeit um die Wirtschaft bestellt, das wollen wir jetzt an Hand des DBIXs genauer anschauen. Der Index wird jeden Monat exklusiv für Made in Germany erhoben und misst die wichtigsten Konjunkturdaten aus Deutschland, den USA und Japan. Und da geht es derzeit auf und ab. Nachdem der DBIX monatelang gesunken ist, hat er nun im März wieder leicht hinzugewonnen. Ja, das ist ja nun einigermaßen überraschend, Herr Deutsch, diese positive Wende. Woher kommt das? Woran liegt es? Klaus Deutsch: In diesem Fall liegt es daran, dass die deutschen Unternehmen und die US- amerikanischen Unternehmen im Industriebereich recht optimistisch ihre derzeitige Lage einschätzen. Das hat unterschiedliche Gründe. Die Vereinigten Staaten profitieren in dem Sinne von dem schwachen Dollar und dort boomt der Export. Die Industrieunternehmen kommen ganz gut zurecht derzeit und in Deutschland liegt es vor allem daran, dass wir sehr viele Investitionsgüter in den Nahen Osten, die Golfregion und in andere Ölförderländer exportieren und deswegen die Auftragsbücher voll sind. Also die Lage ist noch recht stabil derzeit. DW-TV: Sie sagen "noch" – wie lange hält das? Klaus Deutsch: Man kann das nie wissen, je nachdem, wie schwer die Finanzkrise werden wird und wie stark die Finanzinstitute in Mitleidenschaft geraten, desto eher kann es dann auch zu Folgen für die Unternehmen im Industriebereich kommen. Aber derzeit ist die Gewinnlage noch ganz gut und die Unternehmen können ihre Investitionen auch aus den Gewinnen im wesentlichen tätigen. Aber das kann sich natürlich im Laufe der Zeit ändern und die abschwächende Weltnachfrage sorgt zumindest für einige Sorgenfalten auf der Stirn. (Interview: Sandra Bernd)
