
DW-TV: Und wir sprechen jetzt über dieses Thema mit Jens Hobohm. Er ist Energieexperte und energiepolitischer Berater hier in Berlin, herzlich Willkommen Herr Hobohm. 400 Milliarden Euro, wir haben es gerade im Beitrag gehört, ist wohl das mindeste, was man in die Hand nehmen muss, um das Projekt zu verwirklichen. Woher kommt das Geld? Jens Hobohm: Also, ich würde sagen, dieses Geld muss man ja nicht in einem Betrag auf den Tisch legen, sondern was wir brauchen, ist ein Weg, den wir beschreiten. Der wird natürlich teuer, das glaube ich schon, aber wir gehen Schritt für Schritt. Und dazu gehört zum Beispiel, dass wir den Investoren eine Art Einspeisetarif, also einen festgesetzten Preis, bezahlen. Wenn Sie dort investieren, also zum Beispiel den Strom pro Kilowattstunde mit einem festen Preis in die europäischen Strommärkte einspeisen, das wäre zum Beispiel so ein Schritt, um dieses Geld zu mobilisieren. DW-TV: Also im Klartext: staatliche Subventionen? Jens Hobohm: Nicht staatlich, sondern die Finanzen würden umgelegt auf alle Stromverbraucher. Wir merken das dann nicht so sehr. Das ist dann integriert in den Strompreis, den wir als Endverbraucher bezahlen. Aber es stimmt schon, wir brauchen erst einmal einen geschützten Rahmen, in dem die Investoren sich bewegen können. Ansonsten nimmt niemand angesichts der Risiken, die wir dort auch sehen, dieses Geld in die Hand. DW-TV: Das Risiko ist zum einen das Geld, darüber haben wir gerade gesprochen. Also das muss ja irgendwie wieder rein kommen über den Strompreis, das haben Sie gerade gesagt. Das andere ist das politische Risiko, das man eingeht. Es ist eine politisch sehr unruhige Gegend. Wer übernimmt denn dieses Risiko? Jens Hobohm: Also, ich bin der Meinung, dass die Netzwerke, die schon begonnen worden sind, auf der höchsten politischen Ebene auch ausgebaut werden müssen. Mein Stichwort ist da: dass man die Länder mit in die Verantwortung hinein nimmt, und dass sie sich so, auch verantwortlich fühlen für diese Projekte und dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen gesetzt werden. Und dass diese Projekte auch geschützt werden und sich entwickeln können. DW-TV: Ist das im Moment so? Ganz kurz! Jens Hobohm: Wir arbeiten dran! Ich glaube, dass die Bereitschaft für diese Projekte und das Interesse daran sehr groß ist - inzwischen. DW-TV: Gut! Herr Hobohm, schauen wir doch mal auf den Weltmarkt. Wir haben eine Grafik vorbereitet, wer denn im Moment in Sachen Photovoltaik auf dem Weltmarkt ganz vorne mitmischt. Auch Dank Subventionen, muss man ja sagen. Wir sehen Spanien auf Platz 1, Deutschland auf dem 2. Platz, gefolgt von den USA, und dann teilt sich das Ganze auf. Und im Moment ist zwar zu lesen, gestern erst, dass die Preise für Solaranlagen im Keller sind, teilweise sind sie um bis zu 40 Prozent zurückgegangen, was unter anderem daran liegt, dass Spanien, zum Beispiel, die Subventionen jetzt wieder gekürzt hat. Braucht man in Deutschland nicht auch einen neuen Markt? Ist das nicht auch der Hintergrund für das Projekt? Jens Hobohm: Also zunächst muss man differenzieren zwischen den stromerzeugenden Photovoltaikzellen und konzentrieren Solaranlagen, über die wir jetzt für Nordafrika reden. Der Preis ist runter gegangen bei diesen Photovoltaikanlagen, bei den anderen gibt es noch gar nicht so einen Markt, aber die deutschen Hersteller sind da sehr gut im Geschäft. Wir haben die Technologie entwickelt, und sie haben gute Chancen auch daran zu partizipieren. Allerdings merkt man auch schon, dass es einen starken Zug nach Amerika gibt. Die meisten neuprojektierten Anlagen stehen in Amerika. Von daher tun die Deutschen gut daran, jetzt auch solche Projekte ins Leben zu rufen. DW-TV: Das heißt, wir müssen jetzt ganz viel Geld in die Hand nehmen und ganz schnell, um wieder vorne mit dabei zu sein? Jens Hobohm: Würde ich so sagen! DW-TV: Vielen Dank, Jens Hobohm, dass Sie da waren! (Interview: Anja Heyde)
