
Der Experte für Regenerative Energie gibt Auskunft zum Stand der deutschen Umwelt-Branche, äußert sich zum Export, Job-Chancen und Krise. DW-TV: Bei uns im Studio ist Felix Matthes, er ist Experte für erneuerbare Energien am Öko-Institut. Herzlich Willkommen Herr Matthes! Herr Matthes, Schott Solar geht es trotz Krise sehr gut: sie investieren und sie haben von 2007 auf 2008 ein Umsatzplus von 70% zu verzeichnen. Sind die Umwelttechniken unsere Rettung in der Krise? Felix Matthes: Es ist sicherlich ein Teil der Rettung, weil es ist ein langfristig stabiler Markt, weil die Probleme sind da: Öl, Gas und auch Kohle werden knapper, werden teurer. Wir werden uns es nicht mehr leisten können diese Brennstoffe zu verbrennen - aus Gründen des Klimaschutzes. Und deswegen werden für viele Dekaden solche Technologien wichtig sein und wer heute da vorne dran ist, sichert Arbeitsplätze und Geschäft. DW-TV: Warum hat die Bundesregierung dann nur 10% im Konjunkturpaket eingeplant für Investitionen in Umwelttechnologien statt wie Südkorea zum Beispiel 81%? Felix Matthes: Man muss hier, glaube ich, zwei verschiedene Dimensionen sehen. Erstens ist es eine vergebene Chance, langfristig sichere Arbeitsplätze, die auch langfristig Wohlstand schaffen, anzuregen, mit dem Konjunkturprogramm. Zweitens muss man der Ehrlichkeit halber aber auch sagen, dass wir in Deutschland schon lange vor der Krise sehr umfassende Förderprogramme für Umwelttechnologien und insbesondere für erneuerbare Energien gehabt haben, die natürlich jetzt in der Krise auch dazu beitragen, dass Arbeitsplätze und Wirtschaftsstandorte gesichert werden. DW-TV: Weil Sie die Arbeitsplätze angesprochen haben, 2008 gab es im Bereich der Umwelttechnik 1,16 Mio. Stellen und die Prognose für 2020 sieht so aus, dass wir dann bei 2,24 Mio. Arbeitsplätzen in diesem Bereich sind – also rund eine Million mehr. Woher nehmen wir die Leute? Das sind ja Fachkräfte -.wir haben ja Fachkräftemangel. Felix Matthes: Zweifelsohne ist es eine der großen Herausforderungen. Aber man muss sich auch vor Augen führen, dass es sich bei diesen Umwelttechnologien nicht nur um Laborindustrien handelt, sondern es geht teilweise um ganz klassischen Maschinenbau, wo man die Ausbildung, und die gute Ausbildung aus dem Maschinenbau – die traditionell in Deutschland vorhanden ist – nutzen kann. Aber gerade bei diesen Umwelttechnologien gilt natürlich lebenslanges Lernen ist wichtig und lebenslange Ausbildung ist wichtig. Und das ist, natürlich neben der Technologieförderung, eine der großen staatlichen Herausforderungen. DW-TV: Also könnte man auch aus der Autoindustrie zum Beispiel Stellen übernehmen? Felix Matthes: Es werden aus diesen Industrien, aus der Autoindustrie, aus der Werftindustrie Stellen übernommen und Qualifikationen genutzt für diese zukunftsträchtigen Industrien. DW-TV: Herr Matthes, es ist eine schicke Sache mit der Wärmeenergie – heißt das, wir bohren jetzt überall Löcher, auch in großen Städten wie Berlin, dann wird alles gut? Felix Matthes: Auch wenn man sich darüber wundert, gerade in solchen großen Städten wie Berlin und auch wie in München wird sehr intensiv daran gearbeitet, Erdwärme nutzbar zu machen, wobei man da nicht für jedes einzelne Haus ein Loch bohrt, sondern dass man größere Bohrungen niederbringt und dann mit der dort gewonnenen Wärme Nahwärmenetze oder sogar Fernwärmenetze speist, an die dann an viele Häuser angeschlossen werden und damit emissionsfrei und unabhängig von Energiepreisschwankungen mit Wärme versorgt werden können. DW-TV: Aber die Anlagen sind immer noch teuer, wir haben es im Beitrag gehört, 20.000 Euro, wer kann sich das leisten? Felix Matthes: Das ist ein Finanzierungsproblem, mehr als ein Wirtschaftlichkeitsproblem. Weil wir haben ja auch gehört, dass die Amortisation solcher Anlagen durchaus im Bereich liegt, der sehr attraktiv ist und man muss bei der Finanzierung eine andere Dimension beachten. Man macht sich damit für die Zukunft weniger verletzbar gegenüber Energiepreisschwankungen und die haben ja, gerade in den letzten Jahren, die deutschen Haushalte sehr viel Geld gekostet. Dieses Risiko hat man dann in der Zukunft nicht mehr. DW-TV: Aber Wind- und Solarenergie zum Beispiel, die sind nicht wirklich sicherer – das bleibt einfach unberechenbar. Felix Matthes: Sie müssen integriert werden in das große Netz und da gibt es erstens die Notwendigkeit einen europäischen Stromverbund zu schaffen, um Wasserkraft aus Skandinavien heranzuschaffen, wir brauchen flexible Kraftwerke aus Erdgas. Und vor allem müssen wir intelligente Netze schaffen, die auch die Möglichkeit vorsehen, dass der Verbrauch mal dem Angebot folgt und nicht wie bisher, die Produktion dem Verbrauch. DW-TV: Und das alles ohne Subventionen. Felix Matthes: Nein, es wird für die nächsten Jahren nicht ohne Subventionen gehen. Aber langfristig werden und müssen das konkurrenzfähige Energien sein, weil die anderen Energien werden teurer und sofern sie Emissionen haben, werden auch Emissionen teuer und damit in der Zukunft ergibt sich eine Wettbewerbsfähigkeit. DW-TV: Vielen Dank, Felix Matthes vom Öko-Institut!
