
Ihr Ur-Ur-Großvater hat den wohl berühmtesten Magenbitter Deutschlands erfunden. Jetzt sitzt Hubertine Underberg in der Chefetage. Das Traditionshaus ist nun ein internationaler Getränke-Konzern. Im Interview verrät sie das Geheimnis ihres Erfolgs. DW-TV: Familienunternehmen Teil III, jetzt mit Hubertine Underberg, der Mitinhaberin von Underberg und einer typischen Handbewegung... Hubertine Underberg: ...die geht natürlich so! DW-TV: ...und da passt genau die Flasche rein - und sie haben sich das schützen lassen, die Kombination "Flasche-Hand"? Hubertine Underberg: Ja, als Wort-Bild-Marke und das ist auch gleichzeitig ein Bestellzeichen, nonverbal, sozusagen. DW-TV: Also der Kellner versteht, wenn man es so macht? Hubertine Underberg: Das hoffe ich doch und es klappt auch immer besser. DW-TV. Hubertine Underberg ist die Ur-Ur-Enkelin des Unternehmensgründers Hubert Underberg. In dem Familienunternehmen wurde vor über 160 Jahren der wohl berühmteste Magenbitter Deutschlands erfunden. Die Rezeptur ist geheim, außer Hubertine Underberg kennen nur ihre Eltern und drei Geistliche das Geheimnis. Mit ihr in der Chefetage hat sich das Traditions-Haus zu einem internationalen Getränke-Konzern weiterentwickelt. Und wie gehen die Geschäfte zur Zeit? Hubertine Underberg: Also, vor Weihnachten gehen die Geschäfte immer ganz ausgezeichnet, und Weihnachten ist auch der Hauptanlass, man sitzt zusammen, man genießt mit der Familie und da tut die wohltuende Wirkung von Underberg natürlich besonders gut. DW-TV: Aber es ist ja nicht das einzige Produkt. Sie haben sich auch in andere Märkte orientiert- warum? Hubertine Underberg: Ich denke, es ist immer besser, man steht auf mehr als nur einem Bein. Das war die Devise meines Vaters, der das Haus vom Einprodukt-Unternehmen zu einem internationalen Getränkehaus ausbauen konnte. DW-TV: Was haben Sie vor für 2008, was wird die Herausforderung? Hubertine Underberg: 2008 ist ein gutes Jahr. Wir haben in Deutschland ja gesehen wie toll die Weltmeisterschaft war und wir werden auch sehen, wie in Österreich und in der Schweiz die Europameisterschaft stattfinden wird. Und wir haben eine Fülle von Aktivitäten für diesen tollen Event. DW-TV: Aber Sport und Alkohol beißt sich ja eher. Hubertine Underberg: Wir denken auch nicht daran, Jugendliche zu verführen, sondern wir propagieren natürlich den verantwortungsvollen Umgang damit. Aber wir wissen natürlich auch, dass eine Menge Gäste aus aller Welt zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz und in Österreich zu Gast sein werden und viele Leute, die ihre Gäste und Kunden einladen, sind froh, wenn sie eine typische Spezialität unseres Hauses vielleicht anbieten können. DW-TV: In den Familienunternehmen, die wir vorgestellt haben bei "Made in Germany" - eben auch beim Beispiel Gütermann, hieß es: Erst das Unternehmen, dann die Familie. Ist das bei Ihnen auch so? Hubertine Underberg: Ja, und ich glaube, das ist auch richtig so, denn man hat ja doch eine große Verantwortung nicht nur der eigenen Familie gegenüber, sondern auch gegenüber den Mitarbeitern und ihren Familien. Und ich glaube daher, dass jedes Familienunternehmen gut beraten ist, diesen Satz zu befolgen. DW-TV: Nun sollen Sie 2010 allein das Unternehmen führen, im Moment noch mit Ihren Eltern gemeinsam, die sind noch aktiv dabei. Was wird sich dann ändern? Hubertine Underberg: Also 2010 habe ich nie gesagt - das ist eine Mär! Wir haben einen fließenden Übergang zwischen den Generationen und ich glaube, dass das ein ganz enormer Vorteil für Familienunternehmen ist. Dadurch geht kein Know-how verloren und man ist vielleicht besser als der Wettbewerber auf die Zukunft ausgerichtet. DW-TV: Also wenn sich Ihre Eltern dann komplett zurückgezogen haben, in diesem fließenden Übergang, ändert sich für Sie letztlich gar nichts? Hubertine Underberg: Nein, weil ich heute schon große Bereiche selber verantworte und ich denke, das ist sozusagen ein organischer Übergang, und das ist für mich als Biologin sehr sympathisch. DW-TV: Ist es eher eine Last oder ein Vorteil, wenn Sie als Familienmitglied dann die Zügel komplett in der Hand haben? Hubertine Underberg: Ich denke, es ist ein Vorteil, vor allem auch meinem Gegenüber, sei es der Kunde oder meine sonstigen Geschäftspartner, weil ich morgen und vielleicht auch übermorgen noch da bin - und heute, wo Manager so schnell weg sind, in vielen Branchen schnell weg sind, ist das bei den Familienunternehmen sicherlich auch ein ganz großer und wichtiger Vorteil. Interview: Katrin Prüfig
