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Studiogast - Hans-Peter Burghof zum Umdenken in der Finanzbranche

Studiogast - Hans-Peter Burghof zum Umdenken in der Finanzbranche

Er ist Bankenexperte und hat einen Lehrstuhl für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. Wir sprechen mit ihm über die das Weltfinanzsystem, anlässlich der Weltfinanzkonferenz in Washington, Mitte November. Und wir sprechen auch kurz mit ihm über die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Selbstbild der Banker und deren Nachwuchskräfte. DW-TV: Es hat den Anschein, dass vieles einfach so weiterläuft auf den Finanzmärkten. Nun steht am 15. November in Washington eine Weltfinanzkonferenz an. Es soll dort um ganz grundsätzliche Dinge gehen, auf der Tagesordnung steht ein Verhaltenskodex, zu dem auch die Bonuszahlungen, Transparenz, mehr Kontrolle und eine internationale Finanzmarktordnung gehören. Lassen sich so globale Finanzmarktregeln überhaupt aufstellen? Hans-Peter Burghof: Das haben wir ja schon. Wir haben in Basel Ausschüsse über solche Normen, seit vielen Jahren diskutiert und auch einige verabschiedet. Aber Tatsache ist, die Finanzsysteme sind unterschiedlich, das heißt die konkrete Regulierung muss in den einzelnen Ländern unterschiedlich aber auch besser als in der Vergangenheit erfolgen. Irgendein abgehobener Finanzmarkt-Polizist, der dann von New York aus eingeflogen wird, der hilft einem dabei wenig. DW-TV: Das heißt, Ihrer Meinung nach sollen die Finanzsysteme auch ihre spezifischen Merkmale behalten? Hans-Peter Burghof: Auf jeden Fall, das wäre sogar ganz wichtig, denn wir sehen ja gerade in der Krise im Moment, dass die Unterschiedlichkeit der Finanzsysteme uns eigentlich davor rettet, dass überall zum gleichen Zeitpunkt das gleiche schief geht. Das heißt also, wir lernen aus der Unterschiedlichkeit erstens: das stützt sich gegenseitig ein bisschen, das kennen sie auch aus technischen Systemen, da haben sie auch unterschiedliche Systeme, wenn sie sicher sein wollen, das etwas funktioniert und zweitens: wir vergessen auch nicht wie das auch noch funktionieren kann, das heißt, wir haben einfach mehr Ideen wie wir die Probleme lösen können. Also, Unterschiedlichkeit der Finanzsysteme ist sicher gut und eine zentrale Regulierung ist natürlich etwas was das gefährdet. DW-TV: Wir haben auch bei dem Stichwort Verhaltenskodex über Bonuszahlungen gesprochen, was ist denn mit den Leuten in der Wirtschaft, die bestehende Verträge haben, es wird sich ja keiner, insbesondere in der Privatwirtschaft dazu breit schlagen lassen, diese Goodies einfach so aufzugeben. Hans-Peter Burghof: Der ein oder andere in führender Position vielleicht doch, weil er die allgemeine Verantwortung führt, aber Tatsache ist, die Verträge bestehen, es gilt das wir in einem Rechtsstaat leben, also müssen die Verträge eingehalten werden. Nur die jetzt später kommen, die werden natürlich dadurch benachteiligt. Aber das passiert ja auch nur eine bestimmte Weile, weil das sind Marktpreise und irgendwann setzen die sich auch wieder durch. DW-TV: Aber schauen wir mal von wegen Marktpreis, ich hab mir das extra aufgeschrieben: Richard Fuld, der Chef des amerikanischen Bankhauses Lehmann Brothers, 41 Millionen Dollar. Lehmann Brothers, wir erinnern uns, war der Auslöser für die große Finanzkrise. Muss man a) soviel Geld verdienen und b) dann auch noch Bonuszahlungen darauf bekommen? Hans-Peter Burghof: Das fragen wir uns natürlich alle, ich denke mir, dass das eine Sache ist, wo wir die Rechte der Aktionäre massiv stärken müssen. Denn es ist natürlich gegen deren Interesse, das soviel Geld gezahlt wird an erster Stelle und da müssen wir herangehen. DW-TV: Neue Weltfinanzordnung, würden Sie sich trauen zu spekulieren und zu sagen, wie müsste die denn aussehen, wenn man eine in Angriff nimmt? Hans-Peter Burghof: Wenn überhaupt neue Weltfinanzordnung, dann eigentlich nur für die großen internationalen Banken, denn wenn wir die Weltfinanzordnung überstülpen auf alle kleinen Institute, dann sieht die Welt überall gleich aus und das ist keine gute Idee. Interview: Anja Heyde

DW-World | November 11, 2008Watch more videos from DW-World

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