
Arbeitsmarktexperte vom Institut für Arbeit und Qualifikation DW-TV: Bei uns im Studio ist jetzt Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation. Im Beitrag haben wir es gerade gehört - die Leiharbeiter verlieren ihre Jobs nicht nur bei den Firmen die sie angestellt haben, sondern eben auch bei den Personalagenturen bei denen sie eigentlich angestellt sind die sie vermittelt haben. Hat die Zeitarbeit ausgedient? Gerhard Bosch: Ich glaube nicht, dass sie ausgedient hat, aber sie erfüllt sozusagen ihren Zweck für die Unternehmen. Das war die am schnellsten wachsende Branche, wir hatten im letzten Jahr ungefähr 700.000 Leiharbeiter. Wesentlich mehr als 2003 und die sind sozusagen als Konjunkturpuffer eingestellt worden. Der Sinn war es ja Arbeitskräfte zu haben, die man in der Krise ohne Kosten sofort entlassen kann und genau das passiert jetzt. DW-TV: Wir können mal gucken wo jetzt der Konjunkturpuffer, um sie mal zu zitieren, überall eingesetzt wurde: 23 % der Zeitarbeiter sind in der Metall und Elektroindustrie, dort würde ich auch die Autoindustrie sehen, die ja im Moment große Probleme hat. Gleich danach kommen die Dienstleistungen mit 18 % , der größte Teil der Leiharbeiter ist als Hilfspersonal angestellt. Die Bundesagentur für Arbeit hat jetzt zugesagt, dass Leiharbeiter jetzt auch Kurzarbeitergeld bekommen sollen. Das ist das erste Mal, dass die Bundesagentur das macht für Zeitarbeiter. Ist das der richtige Weg? Gerhard Bosch: Das ist ein Versuch die Katastrophe auf dem Arbeitsmarkt etwas zu dämpfen und natürlich auch die Statistik etwas besser aussehen zu lassen. Bisher gehörte das zum Betriebsrisiko von Leiharbeitern, dass man in der Krise nicht weiter beschäftigen kann und die konnten kein Kurzarbeitergeld beantragen wie andere Firmen und jetzt will man ihnen das geben, damit sich die Arbeitslosenzahl vermindert. Ich finde es besser, wenn wir insgesamt etwas weniger Leiharbeiter gehabt hätten. Manche Firmen haben einen zu großen Prozentsatz von Leiharbeitern eingestellt und es wäre sicherlich besser, wenn Stammkräfte Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen könnten. DW-TV: Das heißt, wenn ich Sie richtig verstehe, wäre es ein besserer Weg die Zeitarbeit neu zu strukturieren? Gerhard Bosch: Das sehe ich so, von der Bezahlungsseite, die Leiharbeiter bekommen in Deutschland nicht die gleiche Bezahlung wie in fast allen anderen europäischen Ländern, die sind vor allem dort eingesetzt wo gut bezahlt wird, 13, 14, 15 Euro und die Leiharbeiter selber bekommen oft nur 6-7 Euro. Und ich denke, dass man die wieder in eine Höchstdauer einführen muss, damit man sie für saisonale Spitzen aber nicht als großen Konjunkturpuffer einstellt. DW-TV: Ist das denn noch ein richtiges Instrument, die Leiharbeit? Gerhard Bosch: Das ist dann weiterhin ein richtiges Instrument, um Spitzen abzudecken, um Fehlzeiten im Unternehmen abzudecken, um Fachkräfte, die man selber nicht hat einzustellen, aber es ist nicht mehr der große Konjunkturpuffer. Das wäre negativ, das schlägt sich sofort bei den Arbeitslosenzahlen nieder. DW-TV: Wenn jetzt so viele Leiharbeiter freigesetzt werden, wie es immer so schön heißt, was bedeutet das denn für den allgemeinen Arbeitsmarkt? Gerhard Bosch: Es bedeutet, dass in der Krise unsere Arbeitslosenzahlen schneller hochgehen als vor 2003 als die Leiharbeit durch die Hartz-Gesetze dereguliert wurde und wichtige Instrumente, um Beschäftigung zu stabilisieren wie Arbeitszeitkunden in den Unternehmen oder Kurzarbeit nicht in dem Maße angenommen werden und durchgeführt werden von den Unternehmen wie das eigentlich möglich wäre. DW-TV: Ab wann wird sich das bemerkbar machen? Gerhard Bosch: Ende des Jahres in den Zahlen. (Interview: Anja Heyde)
