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Studiogast – Felix Matthes zu neuen LKW-Antriebstechnologien

Studiogast – Felix Matthes zu neuen LKW-Antriebstechnologien

Felix Matthes ist Energieexperte am Öko-Institut in Berlin. Wir sprechen mit ihm unter anderem über neue Antriebstechnologien in der LKW-Branche. DW-TV: Und zu diesem Thema ist jetzt bei uns im Studio Felix Matthes, Energieexperte vom Öko-Institut in Berlin – herzlich willkommen, Herr Matthes! Fahren Sie ein Auto, wenn ich fragen darf? Felix Matthes: Ich fahre überwiegend U-Bahn und Taxi. DW-TV: Taxi. Ist wahrscheinlich günstiger, als wenn man ein eigenes Auto unterhalten muss, schätze ich? Felix Matthes: Wenn man’s ökonomisch bewertet, kann man hinter jedem Taxi noch ein zweites leer fahren lassen und kommt auf den gleichen Preis wie beim eigenen Auto. DW-TV: Was man aberwahrscheinlich bei den Taxis häufiger findet, also zumindest hier in Berlin ist es mir schon aufgefallen – den einen oder anderen Hybriden. Und im Beitrag haben wir es schon gesehen – für LKW ist es noch nicht wirklich serienmäßig. Was tue ich als Spediteur? Felix Matthes: Ein Spediteur, der dieses Problem hat, der hat sicherlich im Moment ein Problem. Die Hybrid-Technologie ist sicherlich für bestimmte Anwendungen wichtig, aber wenn man sich die Flotte der LKWs anguckt, dann kann man auch mit konventioneller Technik heute relativ viel Sprit und damit auch Kosten sparen. DW-TV: Schauen wir doch mal. Wie lange wird es denn noch dauern, bis man sagen kann, dass Hybridtechnik auch für LKW relevant wird? Oder wird sie das nie? Felix Matthes: Ich glaube, das wird für einzelne Segmente, da wo es um Stadtverkehr oder um kurze Strecken geht, sicherlich auch den Hybridmotor geben. Wir haben da eine sehr dynamische Entwicklung erlebt, bei den Pkws. Vor fünf oder sechs Jahren hat niemand vom Hybrid gesprochen, heute sprechen alle davon. Wir werden solche ähnlichen Entwicklungen auch beim LKW sehen, allerdings wird die Lösung des Verkehrsproblems, die Lösung der Verkehrskostenproblematik ganz sicher woanders liegen. DW-TV: Da Sie es gerade gesagt haben: "Woanders liegen" – im Moment ist es ja so, dass sich generell sagen lässt, dass der CO2-Ausstoß, zumindest in Deutschland, in den letzten Jahren immer mehr zurück gegangen ist, also die Umwelt weniger belastet wurde, aber das gilt erstens nur für den einzelnen Lkw, das muss man auch dazu sagen, und zweitens hat seitdem auch die Zahl der Lkw, die unsere Straßen bevölkern sehr stark zugenommen. Also relativiert sich das Ganze ja schon wieder. Womit müssen wir hinkommen? Felix Matthes: Man muss die Frage stellen, warum das so ist, und einer der wesentlichen Treiber ist zum Beispiel die Just-in-Time-Produktion gewesen, die Tatsache also, dass es teurer war, ein Lagerhaus zu bauen als permanent Verkehr zu verursachen. Und die hohen Energiepreise, die hohen Dieselpreise, werden dazu führen, zumindest teilweise, dass es wieder attraktiv wird, Güter mit der Bahn zu transportieren und ein Lagerhaus zu bauen. Das heißt: der Preis treibt die notwendige Strukturveränderung. DW-TV: Wir schimpfen alle über die hohen Preise, aber sie sind, um Grunde genommen, Teil der Lösung des Problems? Felix Matthes: Ja. Die Menschen und insbesondere Unternehmen reagieren auf veränderte Preissituationen, und so kann es nicht die Lösung sein, von billigen Preisen zu träumen, sondern wir müssen unsere Verletzbarkeit in Bezug auf hohe Preisniveaus verringern, das heißt, wir müssen uns anpassen. DW-TV: Wie kann man denn im Moment Sprit sparen? Wenn man mal schaut, dass die Lkws eben immer noch Teil des Problems sind , wir noch nicht genug Lagerhäuser haben – was müsste man denn an der Infrastruktur machen oder vielleicht auch schon an der Systematik, um jetzt schon sparen zu können? Felix Matthes: Es gibt erstens intelligente Logistik-Konzepte, man muss sich auch klar machen, dass ein Großteil der Lkw-Transporte Leertransporte sind, weil Lkws leer zurück fahren von ihren Touren. Zweitens müssen wir einfache sehen, dass wir die Infrastruktur der Zukunft, und damit ist insbesondere die Eisenbahn-Infrastruktur gemeint, so vorbereiten, dass wir deutlich höhere Frachtvolumina dort hin kriegen können. DW-TV: Aber wenn wir mal über die Grenzen Europas schauen, also wir sind natürlich führend in Sachen "CO2-Emissionen sparen" - Gucken wir nach China, Indien oder Brasilien aus. Das Wachstum kann man ja nicht aufhalten, also drehen wir uns da im Kreis... Felix Matthes: Ich glaube, wir drehen uns nicht im Kreis, es ist eher die Frage des Beispiels. Wir haben hier die Technologien, das Innovationspotential und das nötige Kleingeld, um die Technologien von morgen zu entwickeln. Und die Aufgabe ist, diese hier zu entwickeln, sie hier vorzumachen und zweitens in Indien, in China dafür zu sorgen, dass nicht etwas passiert, was wir in den USA erlebt haben – dass nämlich eine Infrastruktur wie von der Eisenbahn verkommt und abgerissen wird, sondern die muss entwickelt werden. Nur dann wird es gelingen, die globalen Emissionstrends aus dem Verkehr auch umzukehren. (Interview: Anja Heyde)

DW-World | September 30, 2008Watch more videos from DW-World

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