blinkx
  • Studiogast – Claudia Funke, Direktorin McKinsey Deutschland

  • 00:08:52
  • DW-World
    • Browse
  • Expand ToolbarCollapse ToolbarClose Toolbar

Aber   Arbeitet   Auch   Ausbildung   Ausland   Beliebt   Beraten   Bereichen   Berufes   Claudia   Dann   Dass   Dazu   Denn   Deutschland   Durchaus   Dwtv   Eher   Eigentlich   Einen   Entscheiden   Entsprechendes   Fach   Fehler   Fehlt   Funke   Gegangen   Geringer   Getan   Gibt   Haben   Handwerk   Ist   Ja   Jahren   Jetzt   Konnten   Kritisch   Lernt   Leute   Liegt   Menschen   Mit   Nicht   Noch   Nun   Oder   Prinzip   Schlimmer   Schon   Schule   Sehen   Sehr   Sicherlich   Sie   Sind   Sozusagen   Sprachen   Stimmt   Studiogast   Technischen   Uncool   Viele   Wenig   Wenn   Wir   Wird   Zu   Zukunft   

Studiogast – Claudia Funke, Direktorin McKinsey Deutschland

Studiogast – Claudia Funke, Direktorin McKinsey Deutschland

Claudia Funke ist Direktorin der Unternehmensberatung McKinsey in Deutschland. Mit ihr sprachen wir über das deutsche Ausbildungssystem. DW-TV: Frau Funke, warum ist es eigentlich wichtig, dass zum Beispiel ein KfZ-Mechaniker auch Sozialkunde lernen muss in der Schule? Claudia Funke: Also grundsätzlich sollte jeder, der arbeitet ein genügendes Maß an Wissen in Sozialkunde und Deutsch haben. Aber die größten Defizite sehen wir im schulischen Bereich tatsächlich eher in den technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen. DW-TV: Aber warum ist es trotzdem wichtig, dass man in der Berufsschule noch Zusatzqualifikationen mit lernt. Wenn wir zum Beispiel vom deutschen Handwerk sprechen, was ja auch im Ausland sehr beliebt ist, dann liegt das ja sicherlich nicht an der Sozialkunde, sondern eher am Können. Claudia Funke: In diesem Fall, was das deutsche Handwerk anbelangt, liegt es nicht an der Sozialkunde, da haben Sie recht, sondern an den fachlichen Qualifikationen, die dann die jungen Leute erwerben. Das stimmt. DW-TV: Also würden Sie sagen, dass das duale Ausbildungssystem nach wie vor zeitgemäß ist oder ist es reformbedürftig? Claudia Funke: Grundsätzlich ist das Erlernen eines praktischen Berufes, wenn er so ausgebildet wird, dass man auch in Zukunft flexibel ist, die technischen Anforderungen zu kennen, nach wie vor eine gute Sache. Was allerdings kritisch an unserem Ausbildungssystem ist, ist dass wir ein Schulsystem haben, wo junge Menschen sehr früh entscheiden müssen, ob sie auf ein Gymnasium oder Real- oder Hauptschule gehen, weil das dazu führt, dass wir zu wenig Menschen haben, die dann tatsächlich mehr in die akademischen Laufbahnen gehen. DW-TV: Man muss es ja erst mal überhaupt schaffen, wenn man sich jetzt für eine Ausbildung entscheidet, einen Platz zu bekommen. Noch immer gibt es zu wenig Lehrstellen in Deutschland. Woran liegt das denn eigentlich? Claudia Funke: Ja, wir haben eigentlich 2 Probleme: Wir haben auf der einen Seite zu wenig Leute, die eine praktisch-technische Ausbildung oder auch einen Universitätsabschluss in einem technischen Fach haben, und da müsste es eigentlich auch ein genügendes Lehrstellenangebot geben in den Fächern. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass in den vergangenen Jahren von Unternehmen durchaus sehr gespart wurde und man sehr zurückhaltend geworden ist mit der Investition in jüngere Leute. DW-TV: Aber woran liegt das denn? Sind diese Unternehmen schlecht beraten worden? Claudia Funke: Ich hoffe nicht! Nein, es ist so, dass wir in Deutschland jetzt schon zu viele Menschen haben, die nicht genügend qualifiziert sind für die Anforderungen der Unternehmen. Und zu wenige, die wirklich technisch-naturwissenschaftlich qualifiziert sind. Es ist einfach so. Zusätzlich kommt dazu, dass natürlich dann Unternehmen sehr konservativ sind, wenn sie in Leute investieren. DW-TV: Sie sind als Unternehmensberaterin tagtäglich in den Unternehmen unterwegs, braucht es mehr Weiterbildung in Deutschland? Claudia Funke: Mit Sicherheit ja. Es ist auch im Interesse der Unternehmen zu investieren, besonders natürlich in hochtalentierte Mitarbeiter. DW-TV: Ja, nun hörten wir aber die ganze Zeit: Es fehlt genau an diesen hochtalentierten Mitarbeitern, vor allem an Ingenieuren zum Beispiel. Warum wird denn so wenig investiert in diese Ingenieure? Claudia Funke: Es stimmt. Wir haben erst mal grundsätzlich das Problem, dass es heute schon zu wenig Fachkräfte gibt, die einen Hochschul- oder Fachschulabschluss haben in Naturwissenschaft oder Ingenieurswissenschaften einerseits. Und andererseits haben wir zu viele Menschen mit geringer qualifizierter Ausbildung. Das liegt schon daran, dass junge Menschen nicht so eine entsprechende Ausbildung und ein entsprechendes Studienfach gewählt haben. Insofern haben wir sozusagen am Nachkommenpotential zu wenig. Und das wird noch viel schlimmer werden, wenn Sie die demografische Entwicklung in den nächsten Jahren sehen. Also das Problem wird größer. DW-TV: Aber wer hat denn da nun Fehler gemacht? Claudia Funke: Also es ist jetzt nicht einer, der den Fehler gemacht hat. Es gibt 2 Probleme. Zum einen, dass in den letzten Jahren Naturwissenschaften und Technik als echt "uncool" galten in der Schule. Es war eher cool, eine Sechs in Mathematik zu haben, wenn man dafür eine Eins in Sport hatte. Das ist ein Thema. Und das andere Thema ist, dass natürlich unser Schulsystem, wo sich junge Menschen sehr früh entscheiden müssen, ob sie auf ein Gymnasium oder Realschule oder Hauptschule gehen, dazu geführt hat, dass sehr viele Menschen, die im Prinzip "junge-Menschen-Potenzial" hätten, das nicht ergreifen konnten, weil sie dann eben nie auf ein Gymnasium oder eine Universität gegangen sind. DW-TV: Aber noch ganz kurz, was kann denn in der Zukunft getan werden dagegen? Claudia Funke: Ja, also zum einen, man sieht ja schon, dass jetzt eine Menge getan wird, um Naturwissenschaften und Technik an verschiedenen Arten von Schulen zu promoten. Sogar auch übrigens in Kindergärten und Vorschulen wie mit dem Projekt der kleinen Forscher, also das geht ja schon mal in die richtige Richtung. Es muss nur sehr viel massiver passieren. Ich glaube auch übrigens, die Tatsache dass wir Deutschen jetzt den Physik- und Chemie-Nobelpreis bekommen haben, kann wieder abstrahlen und Leidenschaft für solche Themen erzeugen. Das muss jetzt halt noch intensiv fortgesetzt werden. Interview: Sandra Berndt

DW-World | January 8, 2008Watch more videos from DW-World

Tags:. .konnten. .arbeitet. .kritisch. .beraten. .stimmt

Collapse Toolbar