
Christine Schweikert ist Rohstoffexpertin bei der BHF Bank in Frankfurt. Wir sprechen mit ihr über die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Ölpreis und den Run aufs Gold. DW-TV: Bei uns ist jetzt Christine Schweikert im Studio, Rohstoffexpertin von der BHF-Bank, herzlich Willkommen. Frau Schweikert, lohnt es sich noch in alternative Energien zu investieren, Öl ist doch wieder so billig, es wird doch alles wieder gut, kaufen wir große Autos, in der Automobilindustrie geht es wieder bergauf... also? Christine Schweikert: Sinnvoll sind die erneuerbaren Energien nach wie vor, ob sie sich rentieren, das ist wieder eine andere Frage. Sie haben recht, je billiger, je klassischer die Alternative ist, desto mehr überlegen sich die Menschen, investiere ich dieses zusätzliche Geld, damit ich erneuerbare Energien habe. DW-TV: Aber ist es denn dringend notwendig, müssen wir das tun? Christine Schweikert: Ich denke langfristig ist es schon notwendig, nur stehen wir jetzt natürlich vor einer anderen Situation, als vor einem oder zwei Jahren, die Weltwirtschaft verlangsamt sich sehr stark, wir stehen vor einer Abkühlung und das bedeutet natürlich auch dass die Menschen weniger Energie verbrauchen, dass Rohstoffe, Energie billiger werden und das ist eben eine ganz andere Situation. DW-TV: Wir können nochmal auf den Ölpreis schauen, wir haben eine Grafik, da kann man es anhand der Zahlen ganz schön sehen, also der Peek im Juli/August lag bei fast 150 $ pro Barrel und damals hat man darüber spekuliert, ob es vielleicht daran liegen könnte, dass es jetzt zu Ende geht mit dem Rohstofföl, aber das ist es wohl dann nicht, woran liegt es, dass es jetzt wieder zurück geht? Christine Schweikert: Da spielen sicherlich verschiedene Faktoren eine Roll, zum Einen war der Preisanstieg, meiner Meinung nach übertrieben, bis auf die 150, wir sehen jetzt eben diese Angst vor der Konjunkturkrise, vor dem Abschwung und zum anderen liquidieren viele große Investoren ihre Position, weil sie einfach Geld brauchen und dieses Abnehmen der Spekulationen, dieses Abnehmen kreditfinanzierter großer Positionen. DW-TV: Wo wird sich denn der Ölpreis einpendeln, jetzt hier so bei den 60$ piemaldaumen oder wird das noch weiter runter gehen. Christine Schweikert: Gut, die 60/70 kommen uns jetzt preiswert vor, aber es ist natürlich nicht billig, das ist ja noch gar nicht solange her, dass der Ölpreis mal 30$ war und ich denke wir können auch schon unter die 60$ fallen, wenn wir in eine ganz scharfe Rezession hinein gehen. DW-TV: Wechseln wir das Thema Frau Schweikert – zum Gold. Es wird unheimlich viel Gold produziert, weil die Nachfrage so hoch ist und trotzdem geht der Preis jetzt runter – was passiert denn da? Christine Schweikert: Die Nachfrage besteht ja nach physischem Gold, nach Barren, nach Münzen, weil die Menschen Angst haben, Weltwirtschaftskrise, was passiert, ist mein Geld noch sicher, das ist die eine Seite, aber die andere Seite ist das eben der Goldpreis an der Börse auch bestimmt ist vom Verhalten großer Investoren und die müssen teilweise Positionen auflösen, eben einfach um cash zu haben und das bestimmt den Preis stärker, außerdem ist der Dollar ja sehr stark gegangen in letzter Zeit und Gold verhält sich immer ein bisschen umgekehrt zum Dollar, das spricht dann eben für sinkenden Goldpreis, wenn der Dollar so stark ist. DW-TV: Es heißt immer so schön, tot gesagte leben länger. Früher wollte mit Gold keiner so richtig was zu tun haben, da war das immer das Verstaubte, da gibt es keine Zinsen drauf, jetzt wollen alle das Gold, ist das wirklich nur ein Indikator für die Angst, für eine Rezessions-Angst? Christine Schweikert: Gold hat auch profitiert von dem zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern, in denen Goldschmuck sehr wichtig ist, und jetzt ist es so als Krisenbarometer zu sehen, dass ich eben Gold horte, zusagen, weil ich Angst habe,was sind denn die anderen Dinge die ich noch habe denn wert. DW-TV: Wenn wir mal gucken, wir haben eine kleine Kurve vorbereitet, dann kann man sehen, dass der Preis seit 2000 kontinuierlich angestiegen ist, zwischenzeitlich lag er schon mal, im Beitrag haben wir es auch schon gehört, über 1000 $ pro Fein-Unze, jetzt geht es ziemlich zügig bergab. Wie lässt sich das denn erklären, dass der Preis so kontinuierlich in den letzten Jahren so angestiegen ist? Christine Schweikert: Gold war ja auch Teil dieser ganz Rohstoffbewegung, dieser Blase, die sich auch bei den Rohstoffen aufgebaut hat und da ist eben Gold auch nach oben gelaufen. DW-TV: Ist es noch eine sichere Bank? Christine Schweikert: Ja, da kann man geteilter Meinung sein, ich denke, wenn man wirklich Angst hat, dass das ganze System zusammen bricht, dann macht es vielleicht Sinn zuhause ein paar Goldmünzen zu bunkern, ansonsten wäre ich da sehr vorsichtig. (Interview: Anja Heyde)
