
Bernhard Jünemann ist stellvertretender Chefredakteur bei "Börse Online". Wir haben uns mit ihm über den Internet-Trend "Social Networking" unterhalten. DW-TV: Herr Jünemann, haben Sie sich denn schon mitreißen lassen? Sind Sie in einem sozialen Netzwerk Mitglied? Bernhard Jünemann: Ich bin zerknirscht, wenn ich das jetzt antworten muss. Ich bin in keinem sozialen Netzwerk Mitglied. Ich bin der Meinung, über mich steht schon genug im Netz. Also ich muss mich nicht noch in einem sozialen Netzwerk zeigen. Aber ich weiß natürlich von meinen Kindern, die sind alle Mitglied im Studi VZ (StudiVZ.net ist eine Plattform, über die Studenten unterschiedlicher Hochschulen miteinander vernetzt werden.) oder in facebook, das das der absolute Renner ist. DW-TV: Ja, es sind also vor allem junge Leute, und die stellen auch noch Inhalte ins Netz. Was ist denn das für ein Phänomen? Was treiben die? Bernhard Jünemann: Soziales Netzwerk sagt ja eben, dass man sich austauschen kann mit Freunden, die man kennt, und man kann eben neue Freunde hinzugewinnen, sehr unkompliziert, vor allen Dingen auch über die Entfernung, die Distanz hinweg, was man eben früher in dieser Form nicht so konnte. Und das scheint wohl wirklich faszinierend zu sein. Also in bin immer erstaunt, was für Gruppen sich in diesen großen sozialen Netzwerken so langsam auftun und wo man sich dann zusammenschließt, wo man dann Fotos hoch lädt. Und es wird auch immer ein Ersatz der klassischen E-Mailform. Das macht man über das soziale Netzwerk. DW-TV: Also ein echtes Massenphänomen, Inhalte gibt es auch noch dazu. Das muss doch eigentlich aus Investorensicht Mut machen, oder? Bernhard Jünemann: Ja, wenn man Reichweite erreicht, kann man theoretisch diese Reichweite an die Werbung verkaufen. Die wollen ja auch Leute erreichen und es wird auch versucht im großen Stil. Aber es gibt auch dadurch manche, die sich dagegen wehren. Das wissen Sie. Beispielsweise bei Studi VZ gab es erhebliche Aufregung, aber das ist ein Geschäftsmodell, was natürlich bisher funktioniert hat und was auch in Zukunft funktionieren sollte. DW-TV: Und zwei Beispiele gibt es, das sind zwei große Unternehmen, zwei große soziale Netzwerke, die heißen Myspace und Facebook, beides amerikanische Portale und Treffpunkte. Ihre Nutzerzahlen wachsen runden um den Globus rasant.. Der Umsatz lag zuletzt bei etwa 2€ pro Nutzer im Jahr. Nicht so viel, aber immerhin. Ja, und da scheint man doch mit Werbung auf dem richtigen Weg zu sein, oder? Bernhard Jünemann: Ja, das ist richtig, aber die Bewertung liegt auch relativ hoch. Microsoft hat sich da ja eingekauft und ordentlich dafür bezahlt, so dass Facebook 15 Milliarden wert wäre. Da müsste das Unternehmen rasant weiter wachsen und man sieht jetzt auch in einigen Ländern gibt es auch eine Abflachung des Wachstums, also das ist noch offen, ob es das Riesengeschäft wird, aber ein Geschäft ist auf jeden Fall zu machen. DW-TV: Aber ist es denn auch eine Blase, vor der man Angst haben muss, dass sie platzt? Bernhard Jünemann: Das würde ich so noch nicht sehen, auch wenn diese teuren Preise, diese Einstiegspreise von Microsoft oder damals Murdock, der sich Myspace gekauft hat, sollten schon ein bisschen nachdenklich machen. Man kann auch in Bewertungen hinein wachsen, das ist offen, Es gibt sehr viel mehr Konkurrenz, immer wieder neue soziale Netzwerke. Viele verschwinden, ein paar werden sich durchsetzen und wahrscheinlich die großen werden dabei sein.
