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Stahl aus der Ostukraine - Chancen für deutsche Investoren

Stahl aus der Ostukraine - Chancen für deutsche Investoren

Die Weltfinanzkrise hat die Ukraine hart getroffen, das Land steht vor dem Staatsbankrott. Vor allem die Stahlindustrie ganz im Osten hat große Probleme. Sie leidet zudem unter den gestiegenen Gaspreisen – vor allem nach dem jüngsten Gasstreit mit Russland. Nur wenn die Stahlwerke sich zügig und von Grund auf modernisiert werden, haben sie künftig eine Chance: Sie müssen Energie einsparen und sich spezialisieren. Dabei haben die ukrainischen Stahlkocher bislang vor allem auf deutsche Technologie gesetzt, zum Beispiel auf Siemens. Mit Sitz in der Millionenstadt Donezk liefert das deutsche Unternehmen die Technik, um die veraltete ukrainische Schwerindustrie umzurüsten. Doch die Geschäfte sind nicht einfach, auch hier gibt es Konkurrenz. Vor allem die Japaner sind im Osten der Ukraine aktiv. Siemens aber will am Ball bleiben: In der regionalen Stahlindustrie lockt ein Milliardengeschäft für die nächsten Jahre. Unser Reporter Markus Reher war vor Ort. --------------------------------------------------------------------------- Fast alles läuft vollautomatisch. Ein riesiger Kran gießt glühend heißes Roheisen in den Tiegel. Hier wird Stahl gekocht. Für den Siemens- Ingenieur Anton Sebanz immer wieder faszinierend. Erst seit Anfang des Jahres ist der Stahl- Tiegel von Siemens hier im ukrainischen Werk Altschewsk in Betrieb. Eine Milliardeninvestition. "Das Investitionsvolumen", erzählt Anton Sebanz, Verkaufsleiter von Siemens in der Ukraine, "ist sehr groß. Es herrscht großer Modernisierungsbedarf der Stahlwerke, um sie auf Weltniveau zu bringen. Und natürlich deshalb ist Siemens hier vertreten. Und natürlich auch sehr harte Konkurrenz." Das Unternehmen in Altschewsk gilt nun als modernste Stahlhütte der Ukraine. Auch den Leitstand lieferte Siemens. Von hier aus steuern die Stahlwerker den Prozess. Pro Schmelze könnten Denis Lomakin und seine Kollegen so gut 300 Tonnen Stahl erzeugen. Doch das Werk fährt auf Sparflamme. "Früher haben wir pro Schicht 40 bis 50 Schmelzen gemacht", sagt der Facharbeiter Denis Lomakin. "Jetzt sind es höchstens noch 25. Das hat einfach damit zu tun, dass die Aufträge fehlen. Im Moment ist Stahl einfach weltweit nicht so nachgefragt, wie er produziert wird." Ausgerechnet inmitten der Krise ging das neue Stahlwerk von Altschewsk in Betrieb. Die Unternehmensleitung hofft nun, dass die Milliarden schwere Investition dem Betrieb in der Krise den entscheiden Vorsprung bringt - gegenüber der heimischen und vor allem der weltweiten Konkurrenz . Igor Tokarew ist der Chefingenieur im Altschewsker Metallurgie-Kombinat: "Heutzutage spielen mechanische Einsatzfähigkeiten des Stahls eine entscheidende Rolle. Massenware und Massenproduktion sind nicht mehr gefragt. Das heißt wir werden in Zukunft generell weniger Stahl produzieren aber dafür von viel höherer Qualität mit genau den Merkmalen, die die Abnehmer anfordern. Nur so kommen wir aus der Krise." Schon seit über100 Jahren rauchen in Altschewsk die Schlote. Die Stadt ist eines der Zentren der ukrainischen Schwerindustrie. Von hier aus geht Stahl für Schiffs- und Anlagenbau in alle Welt. Und viele der gut 100.000 Einwohner der Stadt hängen von Wohl oder Wehe der Stahl-Kombinate ab. So wie Denis Lomakin. Er und seine Frau Tatjana bekommen bald ein Kind. Und beide hoffen, dass er seinen Job in dem Stahlwerk halten kann. Auch in Altschewsk hat es, wie überall in der Ostukraine, Massenentlassungen gegeben. Immerhin ist Denis Lomakin speziell für das neue Stahlwerk ausgebildet. Das ist ihre Chance, glauben die beiden. "Wir verstehen gut, dass diese Krise nicht die erste und nicht die letzte ist", meint Denis. "Krisen kommen und gehen. Früher oder später auch diese. Wir sind vorsichtig optimistisch." Und ähnlich sieht man das bei Siemens. Anton Sebanz ist einer der Verkaufsleiter für die Ukraine. Kundennähe ist das einzige, was hier zählt, meint Anton Sebanz, nicht nur in Zeiten der Krise: "Die ukrainischen Hüttenwerke sind sehr sehr komplex. Es sind meistens sehr alte Werke, die meisten gegründet vor mehr als hundert Jahren. Und diese Komplexität und diese Verflochtenheit der Werke muss man ständig beim Verkauf bzw. beim Anbieten von Lösungen beachten." Nächste Station für Anton Sebanz: Jenakijewe gut 80 Kilometer von Altschewsk entfernt. Das Hüttenwerk galt zu Sowjetzeiten als Vorzeigebetrieb. Inzwischen aber ist es dringend erneuerungsbedürftig, das weiß auch die Werksleitung. Sie setzt deshalb auf moderne Technik aus dem Westen. Auch auf solche von Siemens. Ein neuer Hochofen wird an dieser Stelle entstehen. Spätestens 2010 soll die Anlage Roheisen liefern. Die Bauarbeiten laufen deshalb weiter - trotz der Krise. Juri Orobzew ist Entwicklungsleiter der Hüttenfabrik in Jenakijewe: "Die Modernisierung hätte auch schon früher beginnen können. Doch nach der Wirtschaftskrise von 1998 wechselte im Hüttenwerk die Führung, das Werk wurde schließlich Teil einer großen Holding. Und so kamen wir eigentlich erst vor kurzem dazu, hier alles von Grund auf zu erneuern." Mit dem neuen Hochofen wird die Modernisierung in Jenakijewe längst nicht abgeschlossen sein. Anton Sebanz hofft daher auf neue Aufträge: "Die Stimmung ist immer noch positiv, die Stimmung ist immer noch optimistisch. Stahl wird auch in Zukunft gebraucht werden. Der einzige Unterschied ist, dass Investitionen langsamer realisiert werden und der Umbau der Stahlwerke zu hoch profitablen, ökologischen Werken, wird einige Zeit länger in Anspruch nehmen." Der Stahl-Standort Ukraine hat Zukunft, glaubt Anton Sebanz: Rohstoffe und Know-How sind vorhanden. Eigentlich ideale Voraussetzungen. Wenn nur die Krise die Modernisierung jetzt nicht ausbremst.

DW-World | April 28, 2009Watch more videos from DW-World

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