
Die weltweite Rezession trifft auch die IT-Branche mit voller Wucht. Erfolgsverwöhnte Firmen wie Microsoft oder Intel entlassen Tausende von Mitarbeitern und schließen Fabriken. Doch gerade in Silicon Valley, dem Synonym für technischen Pioniergeist, setzen viele, gerade kleine Unternehmen anscheinend weiter auf Wachstum. Ihr Rezept: Neue Ideen! Unser Reporter Stephan Bachenheimer reiste durch die Region und fragte nach, was Silicon Valley so einzigartig macht und warum es gerade auch für Ausländer so attraktiv ist. Er besuchte Jahjah, ein österreichisch-amerikanisches Startup, an dem auch die Deutsche Telekom Anteile gekauft hat. Jahjah vermittelt günstiges Telefonieren in alle Welt, hat mehr als 10 Millionen Nutzer und wird von der Risikokapitalfirma gestützt, die auch Google und Apple bei ihrem Aufstieg begleitet hat. Unser Reporter war auch bei Thomas Neubert, dem Vorsitzenden der Deutsch-Amerikanischen Wirtschaftsvereinigung. Eines seiner Startups ist vidyo, eine Firma für neue Techniken bei Videokonferenzen. Das technische Know-how liefert ein Berliner Professor. Und Stephan Bachenheimer besuchte euclidmedia, ein mittleres Startup, das versucht, neue Wege für Werbeeinnahmen im Web zu erschliessen und Videofilme mit Werbung zu manipulieren. ________________________________ Wir sind an diesem Morgen mit Jim Chu verabredet, einem High Tech Spezialisten, der uns eines der zahlreichen Start Up Unternehmen der Region vorstellen will. Aber erst einmal zeigt er uns das Silicon Valley aus der Luft - in seinem eigenen Flugzeug. Er sagt: "Da unten zwischen den Hügeln wohnen einige der reichsten Leute in dieser Gegend." Das Silicon Valley, eingerahmt vom Pazifik und der San Francisco Bay, ist eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden der USA, von der legendären Golden Gate Bridge bis weit hinter San Jose im Süden. Nirgendwo sonst leben wohl so viele Millionäre und Jungunternehmer dichtgedrängt beisammen wie hier im High Tech Zentrum der USA. Aber zurück auf den Boden. Jim Chu und seine Kollegen nennen es selbstironisch das "Welt Hauptquartier" der Euclid Media. In Wirklichkeit ist es ein kleines Büro bei einer Risikokapitalfirma. Die jungen Erfinder entwickeln eine Software, die Werbeflächen in Videofilmen manipuliert. Was hier spielerisch ausgetüftelt wird, könnte Online -Werbung revolutionieren. Denn die Software macht es kinderleicht, Unternehmenslogos in Filmen in Sekundenschnelle auszuwechseln. Die Erfinder machen es vor: mit dem Logo der Deutschen Welle. Jim Chu, Head of Business Development der Euclid Media, bekräftigt: "Youtube zum Beispiel wird täglich Hunderte Millionen mal aufgerufen. Aber das Problem ist: wie kann man damit Geld verdienen? Unser Verfahren hilft potentiell denjenigen, die Inhalte produzieren, Geld zu verdienen. " Euclid Media ist ein typisches Beispiel für Silicon Valley: junge Ingenieure, die in Berkely oder hier an der Stanford Universität studiert haben, entwerfen die Unternehmensmodelle der Zukunft. Denn hier gibt es nicht nur Talent sondern vor allem auch Risikokapital. Nur: wie risikobereit sind die Kapitalgeber angesichts der Wirtschaftskrise? Wir fragen einen Experten, Professor Hanson von der Stanford Universität: "Die Kosten für ein Start up Unternehmen sind wegen der neuen Technologien gesunken, man braucht zur Gründung nicht mehr viel Geld. Trotzdem ist manches schwieriger geworden. Gründungskapital zu bekommen ist einfach, aber Börsengänge sind schwer geworden. Es passiert immer häufiger, dass die großen Firmen, die Microsofts, Googles and Yahoos dieser Welt, die Krise ausnutzen und diese kleinen Firmen mit ihren neuen Technologien für wenig Geld aufkaufen." Trotzdem muss nicht jeder um einen billigen Ausverkauf fürchten: Das von zwei Österreichern gegründete Jungunternehmen Jajah, das Internet Telephonie anbietet, hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Und neuerdings kann jeder mit Jajah einen I-Pod in ein Handy verwandeln. Marketingdirektor Frederik Hermann führt es vor: "Wir haben eine Applikation entwickelt, die den Ipod Touch - es ist kein I phone, sondern ein I pod toouch - in ein normales Telefon verwandelt. Das heisst man kann jetzt über irgendeine verfügbare Wifi Verbindung einen Anruf tätigen. Mit dem I pod touch. " Solche leicht vermarktbaren Konzepte sind es, die den Innovationsdrang der Region stärken und die Kapitalgeber belohnen. Eine Pressegalerie an der Wand zeugt von der Erfolgsstory: Jajah wurde 2005 gegründet, hat mittlerweile 80 Mitarbeiter und mehrere Millionen Kunden. Selbst die Deutsche Telekom hat sich an Jajah beteiligt. Es ist das einzige europäische Jungunternehmen, das von Sequoia Capital gefördert wurde - der Nummer eins unter den Risikokapitalgebern. Frederik Hermann dazu: "Es wird smartes Kapital genannt. Das heißt, man bekommt nicht nur Geld von der Firma, sondern eben auch das ganze Netzwerk der Firma, alles was da mit einhergeht. Wenn man gerne einen Termin mit Yahoo machen möchte oder e-harmony und dann sagt: wer wäre ein guter Ansprechpartner, dann kann sequoia capital einem den ersten Ansprechpartner liefern. Und dann gehts von dort aus weiter. " Silicon Valley: das ist eine Kombination aus Talent, Kapital und Netzwerken. Das hat auch der Deutsche Thomas Neubert erfahren, der bei einem Start up für Videokonferenztechnologie arbeitet und schon seit 19 Jahren hier lebt. Der Vice President Sales"Vidyo" und Vorsitzender der German American Business Association sagt: "Es gibt immer wieder, egal wie die Zeiten aussehen, es gibt immer wieder Opportunities, wenn man die richtige Idee hat. Man muss aber auch viel Geduld mitbringen, man muss die personality haben zum networking, offen zu sein, kommunikativ zu sein und dementsprechend auch ein bisschen risikofreudig sein." Und weil trotz der Wirtschaftskrise im Silicon Valley von mangelnder Risikobereitschaft wenig Freude zu merken ist, bleibt die Sand Hill Road, eine eher unscheinbare Strasse in der Ortschaft Menlo Park eine der gefragtesten Adressen Amerikas. Wer im High Tech Sektor mitmischen will, siedelt sich hier oder im benachbarten Palo Alto an. Peter Drekmeier, der Bürgermeister von Palo Alto weiß zu berichten: "Facebook ist hier gleich um die Ecke, es ist eine der am schnellsten wachsenden Firmen in dieser Gegend, vielleicht sogar im ganzen Land. Die sind von der Ostküste hierher gekommen, weil sie hier sein wollen an der Geburtsstätte des Silicon Valley und weil die Kultur hier dem Geschäft hilft." Für Silicon Valley wird es in der Wirtschaftskrise wohl keinen Crash sondern eher eine sanfte Landung geben.
