
Es ist ein Auftrag über 600 Millionen Euro. Siemens soll der russischen Eisenbahngesellschaft RCD acht Hochgeschwindigkeitszüge liefern. Die Fahrzeit zwischen Moskau und St. Petersburg verkürzt sich dadurch um eine Stunde. Siemens betritt mit dem Bau des Velaro RUS allerdings Neuland. Zum einen fährt der Zug in Russland auf einer Breitspur und ist deshalb auch 33 cm breiter. Zum anderen muss er den klimatischen Bedingungen des Landes trotzen, etwa Temperaturen von Minus 50 Grad aushalten. Die speziellen Techniken und Materialien sind bisher nur in Simulationen getestet worden. Der erste Velaro RUS wird in diesen Tagen in Sassnitz/Rügen auf die Fähre nach Baltisk/Kaliningrad verladen. Von dort aus fährt der Zug nach St. Petersburg. Spätestens auf dieser Strecke wird sich zeigen, inwieweit Siemens die Anforderungen der russischen Eisenbahn erfüllt hat. Unsere Reporterinnen Alexa Meyer und Alexandra von Nahmen begleiten den Velaro RUS bei der Verladung und auf seiner Jungfernfahrt. ________________________________ Noch wird er gezogen - der neue Superzug. In Sassnitz geht alles noch vorsichtig zu. Matias Merta sieht "seinen" Velaro RUS zum ersten Mal in Bewegung. Er hat den Zug mitgebaut, nun will er auch dabei sein, wenn er verschifft wird. Denn das ist für ihn ein bewegender Moment, wie er sagt: "Ich habe ihn ja schon stehen sehen schon mehrfach, aber er ist jetzt wirklich erstmalig in seinem angestammten Gleisraum, mal auf der Breitspur. Er fährt ja noch nicht selber, wenigstens bewegt er sich schon mal. Das ist definitiv ein großer Event. Vor allen Dingen sehe ich ihn erstmalig in der Länge gekuppelt, nicht nur diese Einzelwagen, sondern schon dass er als Zug vor uns steht." Die Gleise im Sassnitzer Hafen haben die nötige, die russische Spurbreite - von hier aus geht seit je her viel Fracht in Richtung Osten. Mit dem Schiff über die Ostsee - gut zwei Tage Überfahrt. Im Bauch des Schiffes muss die Ladung gleichmäßig verteilt werden, also rollt der Velaro RUS in zwei Teilen in den Frachtraum. Zwei Jahre hat Siemens an dem Zug gebaut. Größtes Problem das Klima in Russland, wie David John, Projektleiter des Velaro RUS, zu erzählen weiß: "Die tiefen Temperaturen sind die größte Herausforderung, das ist richtig. Das ist das, was man sich hart erarbeiten muss." Russland gilt als einer der attraktivsten Bahnmärkte. Deshalb ist der Hochgeschwindigkeitszug wichtig für Siemens. Die Eigenheiten des Geschäfts muss man in Kauf nehmen, sagt Matias Merta: "Ich denk schon wieder stark an morgen und an Montag, dann ist im anderen Hafen wo er ankommt, die ganze Entzollung, die wird auch nochmal ein spannendes Thema. Mit dem russischen Zoll die ganzen Sachen da zu klären, wo wir mal gucken werden. Ich denk jetzt schon langsam daran, was da dann passieren wird. Ich glaube das hier haben wir jetzt langsam hinbekommen." Das täuscht. Es gibt Probleme mit der Befestigung. Deutscher Techniker, russischer Auftraggeber, lettisches Personal – da versteht man sich nicht immer. Siemens wird noch weitere sieben dieser Schnellzüge für die Russland bauen. Auch sie sollen verschifft werden. Auf dem Oberdeck löst sich später die Anspannung. Der Zug ist im Bauch des Schiffes verstaut und die deutschen Ingenieure werden langsam locker: "Heute Abend auf der Fähre mitfahren und ein bisschen Wodka trinken, mal schauen." Und wie geht es David John? "Ja, hervorragend, wunderbar, zwei Jahre harte Arbeit und jetzt rollt das Ding." In 50 Stunden ist das Schiff in Russland. St. Petersburg. Auch die Siemens-Konzernspitze ist gekommen. Immerhin ein 600-Millionen-Euro-Auftrag. Auch für die russische Staatsbahn ein Prestigeobjekt, wie Wladimir Jakunin, der Präsident der Russischen Bahngesellschaft bekräftigt: "Der Hochgeschwindigkeitszug zwischen Moskau und St. Petersburg wird unsere Visitenkarte. Er spiegelt all das wider, was wir mit unseren Reformen bei der russischen Eisenbahn erreichen wollen: Komfort, Kundenfreundlichkeit, Sicherheit und Schnelligkeit." Auch Ministerpräsident Wladimir Putin ist gekommen, um die Ausstattung der der ersten Klasse begutachten. Künftig soll die Fahrt von St. Petersburg nach Moskau nur noch zwei ein halb Stunden dauern, 60 Minuten schneller als bisher. Projektleiter David John ist zufrieden: "Das ist ein hervorragendes Gefühl, es waren zwei Jahre harte Arbeit und mit der russischen Mentalität umzugehen, und sich auf alles einzulassen, wir haben jetzt was geschafft, jetzt gibt's ne nächste Etappe bis die Züge in Passagierbetrieb gehen, ist noch ein Jahr und da gibt's noch viel zu tun. Aber erstmal haben wir einen Abschnitt erledigt." Mit 250 Kilometern in der Stunde geht es demnächst von St. Petersburg nach Moskau. Auf dieser Strecke ein Rekord für die russische Bahn.
